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Der Nachtzuganbieter „European Sleeper“ hat Ende März die von den ÖBB (Österreichischen Bundesbahnen) im Dezember aufgegebene Strecke Paris–Berlin übernommen. Da stellen sich gleich mehrere Fragen. Um nur die wichtigsten zu nennen: Wer ist „European Sleeper“ mit Elmer van Buuren (2.v.r.) und Chris Engelsman (r.) an der Spitze? Wieso haben die ÖBB mit CEO Andreas Matthä (l.) und CFO Manuela Waldner (2.v.l.) die Route Paris–Berlin eingestellt? Wie unterscheiden sich die Nachtzüge der beiden Anbieter? Wie sieht es mit der Profitabilität aus?
Bei „European Sleeper“ handelt es sich um ein belgisch-niederländisches Bahnunternehmen. Es wurde 2021 von den beiden Bahnprofis Elmer van Buuren und Chris Engelsman gegründet. Mittels „Crowdfunding“ startete „European Sleeper“ seinen Betrieb im Mai 2023 mit der Linie „Good Night Train" von Brüssel nach Berlin, wobei ein knappes Jahr später die Verbindung nach Prag verlängert wurde. Der Zug fährt dreimal wöchentlich und bietet Sitz-, Liege- und Schlafwagen an.
Heuer kam es wie erwähnt zu einer Erweiterung des Angebots. Seit Ende März wird dreimal pro Woche per Nachtzugverbindung von Paris nach Berlin gefahren, mit Zwischenstationen in Mons, Brüssel und Lüttich. Die Fahrzeit beträgt rund 16 Stunden. Einziger Zwischenhalt in Deutschland ist vom 13. Juli an Hamburg.
Diese Routenwahl durch direktere niederländisch-belgische Verbindungen spart Zeit, wird mit der bestehenden Brüssel–Prag-Linie für tägliche Optionen zwischen Brüssel und Berlin kombiniert und erhöht so die Flexibilität.
Die ÖBB boten die Nachtzugstrecke Paris–Berlin als „Nightjet“-Verbindung in Kooperation mit der SNCF (Société Nationale des Chemins de Fer Français) und der DB (Deutsche Bahn) dreimal wöchentlich von Dezember 2023 bis Mitte Dezember 2025 an. Die Einstellung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen. Zu den wichtigsten Gründen zählte der Wegfall französischer Subventionen und die geringe Auslastung.
Die Nightjet-Garnituren der ÖBB unterscheiden sich deutlich von den Nachtzug-Garnituren des Anbieters „European Sleeper“. Während die ÖBB stark auf moderne High-Tech-Züge („NewGen“) setzen, bietet „European Sleeper“ klassische, aber renovierte Reisezugwagen an. Bei beiden Anbietern gibt es Schlaf,- Liege und Sitzwagen, doch während die „Nightjets“ der ÖBB als „Hotel auf Schienen“ gelten, sind die Nachtzüge von „European Sleeper“ eher als „Hostel-Variante“ zu sehen. Bei den ÖBB ist im Schlaf- und Liegewagen ein Frühstück immer inklusive, bei „European Sleeper“ nur im Schlafwagen.
Beide Bahngesellschaften gelten bei Nachtzugverbindungen in Europa als führend. Die ÖBB habend sich dabei als größter Betreiber von Nachtzügen einen Namen gemacht. Das Netz umfasst 7 Länder und 22 Städte. „European Sleeper“ folgt mit deutlichem Abstand als Nummer 2. Es ist geplant, zusätzlich zu den bestehenden Routen ab September 2026 die Route Brüssel–Mailand aufzunehmen, ebenfalls dreimal wöchentlich.
Nachtzüge erfreuen sich reger Nachfrage, wobei die ÖBB bewiesen haben, dass sie unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich betrieben werden können. Zwar sind Nachtzüge deutlich schwieriger profitabel zu machen als Tageszüge, aber nicht unmöglich. Die Nightjets der ÖBB gelten mittlerweile als eines der erfolgreichsten Nachtzugmodelle Europas und sind stark wachsend.
Konkrete Umsatzzahlen und Ergebnisse nur für den Nightjet veröffentlicht die ÖBB nicht. Er ist aber kein Verlustgeschäft mehr, etwa kostendeckend bis leicht positiv. „European Sleeper“ schreibt im Gegensatz dazu noch keine schwarzen Zahlen, ein positives Ergebnis (Netto-Gewinn) wird erst für den Zeitraum 2028 bis 2030 prognostiziert.
Erstellt am: 26. März 2026
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