Standpunkt

Robust, aber anspruchsvoller

Print-Ausgabe 15. Mai 2026

Wie man’s dreht und wendet, die Welt ist seit Ende Februar nicht mehr dieselbe. Vor allem die Kerosin-Krise zeigt spürbare Auswirkungen auf den österreichischen Tourismus, egal ob Outgoing oder Incoming. Erfreulich ist, dass der Standort Österreich weiterhin als relativ resilient gilt, vor allem dank seiner starken europäischen Herkunftsmärkte. Im Outgoing ist die Lage durchmischt. Vor allem auf Langstrecken und bei Verbindungen über die Golf-Drehkreuze müssen Reisende 2026 von und nach Österreich zumindest für den Sommer mit spürbar höheren Ticketpreisen rechnen, besonders bei neuen Buchungen.

Die Kerosin-Versorgung ist jedenfalls angespannt. Realistisch ist eine längere Blockade der Straße von Hormus, durch die rund 20 % der weltweiten Kerosinlieferung erfolgen. Laut Ryanair-Chef Michael O’Leary sind im Mai und Juni sogar bis zu 25 % der Kerosinlieferungen nach Europa gefährdet. Und der Chef der in Paris ansässigen IEA (International Energy Agency), Fatih Birol, sah Ende April seine Befürchtung der weltweit größten Energiekrise der Geschichte bestätigt: „Die Öl- und Gasmärkte befinden sich in großen Schwierigkeiten.“

Wobei auch Düngemittel – besonders für Entwicklungsländer von großer Bedeutung – sowie Petrochemikalien durch Lieferengpässe stark beeinträchtigt werden. All dies hat Auswirkungen auf Kunststoffe, Pharmazeutika und Kosmetika, um nur einige Bereiche zu nennen. Fatih Birol spricht von einem Vertrauensverlust vieler Länder in fossile Brennstoffe. Dies führe zu einem Rückgang der Nachfrage, während erneuerbare Energien und Kernenergie einen deutlichen Aufschwung erleben werden.

Zurück zum Tourismus und die bevorstehende Sommerreisesaison. Im Incoming brachen und brechen vor allem Fernmärkte aus den Golf-Staaten sowie Teile Asiens teilweise stark ein. Aktuell werden bis zu 80–100 % weniger Buchungen in manchen Segmenten gezählt, während europäische Gäste (rund 80 % der Übernachtungen Österreichs) weitgehend stabil bleiben. Die offizielle Einschätzung der Bundesregierung und von Branchenvertreter:innen bleibt aber positiv und stabil, es wird von beiden Seiten kein flächendeckender Einbruch erwartet.

Im Outgoing wurden jüngst die Sommerurlaubspläne der Österreicher:innen im Rahmen des „ÖAMTC Reisemonitorings“ erhoben. 94 % gaben per Ende März – da war der Iran-Krieg schon voll im Gange – demnach an, im Sommer 2026 verreisen zu wollen. Rund 40 % hatten damals gebucht. Wobei trotz hoher Reiseabsicht wirtschaftliche und geopolitische Faktoren die Planung spürbar beeinflussen.

Fest steht: Reisen wird teurer und komplizierter, besonders bei Flugverbindungen in und aus Übersee oder über den Nahen Osten. Vor allem dürfte es ab Juni/Juli aufgrund der anhaltenden Sperre der Straße von Hormus auch in Europa zu Engpässen bei Kerosin kommen.

Der Kern des österreichischen Tourismus – Inlands- und Incoming-Gäste – ist jedoch robust und zeigt keine Anzeichen eines Kollapses. Die Branche rechnet mit einer soliden, wenn auch etwas gedämpften Sommersaison 2026. Der Markt – auch im Outgoing – ist trotz Krisen und Inflation robust, aber anspruchsvoller geworden, bedauert diesmal kein besseres Bild geben zu können der

Lupo

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