Tourismusausschuss im Nationalrat

Mehr Expertise für den Ausschuss! Christoph Steiner sorgt als Obmann für frischen Wind

T.A.I. 24 Top News

„Es würde wenig Tourismusdebatten im Parlament geben, wenn es den Tourismusausschuss nicht gäbe.“ Der das sagt, ist nicht nur Tourismussprecher seiner Partei, sondern auch in der neuen Legislaturperiode der Obmann dieses Ausschusses: Christoph Steiner. Der gebürtige Zillertaler, – er vereinigte in der Bundes- Landes- und Wahlkreisliste 29.090 Vorzugsstimmen auf sich, davon mehr als 7.800 auf der Landesliste sowie über 11.800 auf der Wahlkreisliste Schwaz/Innsbruck-Land –, wechselte Ende vorigen Jahres in den Nationalrat (zuvor war er im Bundesrat Fraktionsvorsitzender seiner Partei) und übernahm am 26. Februar dieses Jahres als Obmann den Tourismusausschuss. Dessen Zukunft war in der aktuellen Gesetzgebungsperiode – wie leider so oft in der Vergangenheit – nicht sicher. Doch nunmehr fanden bereits zwei Sitzungen unter seiner Obmannschaft statt. T.A.I. traf Christoph Steiner zu einem Interview.

T.A.I.: Heuer gab es nur zwei Sitzungen. Wie viele sind üblich und wann findet die nächste statt?

Christoph Steiner: „Es sind vier Tourismusausschuss-Sitzungen pro Jahr geplant. Ich hätte es gerne öfters. Die nächste findet voraussichtlich am 9. April 2026 statt.“

T.A.I.: Sie sind gelernter Koch und haben diesen Beruf anfangs auch ausgeübt. Weshalb sattelten Sie später auf Masseur um?

Christoph Steiner: „Das war eine persönliche Sache und hing mit dem frühen Tod meines Vaters zusammen. Ich war damals erst 17 Jahre. Mein Vater hatte einen Verkehrsunfall und nur dank Rettung noch vier Tage gelebt. So konnten wir uns von ihm verabschieden. Ich wusste anschließend etwas mit Menschen und mit der Rettung zu tun haben zu wollen. Deshalb habe ich bis 2011 neben meiner Tätigkeit als Souschef in einem Betrieb im Zillertal und später als Rettungssanitäter die Ausbildung als Heilmasseur und Therapeut für alternative Heilmedizin absolviert.“

T.A.I.: Das Zillertal gilt als Tourismushochburg. Haben Sie da nicht auch mit Tourismus zu tun?

Christoph Steiner: „Selbstverständlich, tagtäglich! Darum kenne ich den Tourismus aus nächster Nähe und kann so einen ständigen und direkten Austausch mit den Touristikern pflegen. Mir ist es besonders wichtig, die Probleme und Anliegen der Branche nicht nur aus Berichten und Statistiken zu kennen, sondern ganz praktisch. Meine Familie ist außerdem relativ groß und hat da und dort auch Tourismusunternehmen, ich habe meine Ausbildung aber außerhalb gemacht.“

Pläne für den Tourismusausschuss

T.A.I.: Wie legen Sie Ihre Tätigkeit als Obmann des Tourismusausschusses an?

Christoph Steiner: „Indem ich zum Beispiel mit möglichst vielen Expert:innen im Austausch stehe, das sind für mich auch ganz besonders, wie schon erwähnt, die Touristiker:innen selbst, – von normalen Pensionsbetrieben bis zu 5-Sterne Hoteliers oder auch Obleuten von Tourismusverbänden. Wir wollen nämlich den Tourismusausschuss nicht nur mit Regierungsmitgliedern füllen, sondern wollen auch wirkliche Expert:innen im Ausschuss haben. Ich hatte zum Beispiel für die Sitzung Ende September den Präsidenten der ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung), Walter Veit, und ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer geladen, um Dinge aus deren Sicht darzustellen. Beide waren sehr froh darüber, dass die ÖHV, als größte unabhängige Hoteliersvereinigung in Österreich, nach sehr langer Zeit wieder im Tourismusausschuss zu Wort gekommen ist. Wichtig ist, eine solche Expertise in den Tourismusausschuss zu holen.“

T.A.I.: Haben Sie diesbezüglich bereits Pläne für die nächste Sitzung Anfang April?

Christoph Steiner: „Ja, wir laden für den nächsten Ausschuss den Deregulierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn ein (Anm.d.Red.: der frühere ÖHV-Präsident war früher Tourismusmunternehmer und Gastronom). Ich gebe ihm als Obmann die Möglichkeit sich zu erklären. Ich will wissen, was er vorhat, da es ja für seinen Zuständigkeitsbereich keinen parlamentarischen Fachausschuss für Deregulierung gibt. Die Abgeordneten können Fragen an ihn stellen und wenn er nicht sofort eine Antwort weiß, kann er es binnen einer Frist schriftlich nachreichen. Es geht mir darum, dass er seine lange angekündigten Vorhaben, insbesondere im Bereich Gastronomie bzw. Tourismus in Bezug auf die Deregulierung, nun endlich konkret als Regierungsmitglied erklärt. Ebenso wird aller Voraussicht nach noch ein externer Experte geladen.“

T.A.I.: In der Bundesrepublik gibt es seit Mitte der 1990er Jahre einen eigenen Tourismusausschuss. Wie sieht die Zusammenarbeit mit ihm aus?

Christoph Steiner: „Deutschland ist unser mit Abstand stärkster internationaler Quellmarkt. Mein großes Ziel ist es deshalb, mit unserem Nachbarn den Austausch zu pflegen. Das ist leider mit Corona eingeschlafen. Ich werde deshalb im Dezember Kontakt mit dem dortigen Tourismusausschuss bzw. dessen Obfrau Jana Schimke aufnehmen. Derzeit gibt noch keinen Kontakt mit ihr, ich habe aber kürzlich ein Treffen mit einem ordentlichen Mitglied des Ausschusses gehabt. Wir werden nun in Folge in Abstimmung mit den anderen Parteien den Ausschuss nach Wien einladen. Ins Auge gefasst habe ich als Termin dafür das nächste Frühjahr.“

Pläne für Österreichs Tourismuspolitik

T.A.I.: Welche Themen sind für Sie bezüglich der österreichischen Tourismuspolitik vorrangig?

Christoph Steiner: „Das gibt es einiges: Betriebsübergaben zu erleichtern, oder die Bürokratie – die ohnehin aus Brüssel kommt – nicht auch noch im Nationalrat durch sogenannten „goldplating“ zu verdoppeln und zu verdreifachen, aber beispielsweise auch die Absurdität mit den Abschreibungsdauern endlich zu ändern. Sie gehören dringend reformiert. So betragen z.B. Abschreibungen für Saunen, Pools und Badezimmer 40 Jahre. Eine Betonwand hält so lange, aber kein Gast möchte in einer 40 Jahre alten Sauna schwitzen oder in einem 40 Jahre alten Bett nächtigen! Da habe ich bereits längst die dritte Sauna im Haus, bevor sie über 40 Jahre abgeschrieben ist. Mitarbeiter-Wohnhäuser haben sogar eine 66-jährige Abschreibung. Wir wollen deshalb eine funktionale Abschreibung.“

T.A.I.: Gibt es weitere Themen?

Christoph Steiner: „Ja, unter anderem das Thema Fake-Reviews! Die Bewertungen auf Google etc. sind problematisch, weil dort viele ‚fake reviews‘ vorherrschen. Diese Fake-Bewertungen sind längst zu einem eigenen Geschäftsmodell geworden. Wir sind uns diesbezüglich parteiübergreifend zwar einig, aber Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner meint, dass sie dieses Thema nicht lösen kann, es besteht ja auch in anderen Branchen. Dabei könnte doch gerade unser Bereich, den es besonders betrifft, die Richtung vorgeben. Es wäre es einfach: Wer bewertet, muss nachweislich ein Gast gewesen sein, wie etwa bei Bewertungen bei Booking.com. Es sollte bei Bewertungen über andere Portale über einen Verifizierungsschritt eine Bestätigung über den tatsächlichen Aufenthalt geliefert werden müssen. Heute technisch einfacher denn ja. Ein anderes Thema wären dann noch die Lohnnebenkosten …“

T.A.I.: Was ist mit denen?

Christoph Steiner: „Sie brauchen eine dringende Senkung. Ich kann das Vertrösten der ÖVP nicht mehr hören. Auch bezüglich Fachkräftemangel. Es ist immer Dasselbe. Wir brauchen für letzteren keine Kompensierung durch Zuwanderung mehr, sondern müssen bei der Wurzel beginnen. Also auch bei der Familienpolitik. Kinder müssen wieder leistbar werden, auch mehrere und sogar viele. Es braucht weiters ein Bildungssystem, das sich an den Arbeitsmarkt anpasst wird. Ich habe gerade mit einem Tourismusbetrieb in Tirol geredet, der seit September 2024 zwei Köche und eine Servierkraft sucht. Bis heute – also Ende November 2025 – hat er keine Antwort vom zuständigen AMS (Arbeitsmarktservice) erhalten. Diese Regierung macht System-Bekämpfungen und packt nicht die Probleme bei der Wurzel an! Stattdessen wird die Ausweitung der Rot-Weiß-Rot-Karte als einziger Ausweg angepriesen. Falsch! Das darf nach der Nutzung des Potenzials am Arbeitsmarkt durch bessere Vermittlung, oder einer Attraktivierung der Lehre, höchstens der allerletzte Schritt sein. Das alles wollen wir ändern, auch und vor allem für den Tourismus!“

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
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27. Februar 2025 | Tourismuspolitik

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