Tourismusförderungen

3. Meilenstein der Nachhaltigkeit! Tourismus-Premiere für den „ESG Data Hub“

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Gemeinsam präsentierten Mitte August Tourismus-Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler, der Geschäftsführer der ÖHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank) Matthias Matzer und die Gruppenleiterin Nachhaltigkeit & Projektprüfung der OeKB (Österreichische Kontrollbank), Nastassja Cernko, den ab sofort auch für Tourismusbetriebe zur Verfügung stehenden „ESG Data Hub“ (ESG steht für Environmental Social Governance). Das Mediengespräch markierte den Auftakt für die rund zweieinhalb Wochen dauernde Nachhaltigkeitstour des Tourismus-Staatssekretariates durch die Bundesländer.

Für Susanne Kraus-Winkler stellt der Data Hub „den 3. Meilenstein“ dar, der vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft heuer punkto Nachhaltigkeit gesetzt wurde. Begonnen hatte es Ende März mit der Neuausrichtung von Österreichs gewerblicher Tourismusförderung inkl. Nachhaltigkeitsbonus, gefolgt von der Unterstützung für Betriebe auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Aufgabe des ESG Data Hub

Entwickelt ab Februar 2022 von der OekB, feierte der ESG Data Hub im August vorigen Jahres seine Premiere. Ziel war es,

  • eine zentrale Plattform mit standardisiertem Fragebogen für alle österreichischen Banken zu erstellen (ansonsten hätte jedes Kreditinstitut sein eigenes System entwickelt),
  • um ein einheitliches System zu erhalten, das die von der EU bei der Kreditvergabe geforderten Nachhaltigkeits- und sozialen Informationen zusammenfasst.

Laut Nastassja Cernko ist der ESG Data Hub „einzigartig in Europa.“ Aktuell sind bereits rund 60 % aller österreichischen Banken im System registriert. Es wurden zudem bislang für acht Wirtschaftsbereiche sektorspezifische Fragebögen entwickelt, darunter der neu präsentierte für den Tourismus. Für ihn wurden mit Fragen zum Ressourcenverbrauch, zur Mobilität sowie Angaben zur Lieferkette drei Schwerpunkte gesetzt. Nastassja Cernko: „Ich freue mich, dass wir nun die Reise gemeinsam starten.“

Aufbau der Daten

Vonseiten der Unternehmen sind laut Nastassja Cernko aktuell 350 registriert (Anm.d.Red: hierzulande gibt es laut WKO aktuell rund 1.293 Großbetriebe mit mehr als 250 Mitarbeiter:innen, 5.734 zwischen 50 und 249 sowie 28.324 zwischen 10 und 49 Arbeitsnehmer:innen, der Rest sind Kleinstbetriebe), wobei diese Zahl ständig anwächst.

Da der Tourismus als Branche neu im ESG Data Hub erfasst ist, wurden nach Angaben von Nastassja Cernko erst rund 10 Betriebe der Branche angemeldet (Anm.d.Red: in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft gibt es laut WKO aktuell 6.618 Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten). Matthias Matzer ist aber überzeugt, dass diese Zahl rapide anwächst: „Rund 2.000 Betriebe sind ÖHT-Kunden, 50 % davon Bestandskunden. Ich gehe davon aus, dass bis 2024 rund 500 bis 600 Tourismus-Unternehmen im ESG Data Hub registriert sind.“ Dies nicht zuletzt aus dem Grund, da die in den Fragebögen bekanntzugebenden Infos bei allen Kreditanträgen nunmehr verpflichtend sind.

Hohe Qualität der Antworten

Für den Tourismus wurden spezielle Fragebögen entwickelt (20 Fragen für Klein- und Kleinstbetriebe, 42 sind es für mittelgroße sowie 70 für große Unternehmen). Die darin erhobenen KPIs (Key Performance Indicators) reichen von Angaben über den Primärenergiebedarf (pro Nacht oder pro Gedeck), über den gesamten Energieverbrauch in kWh (Kilowattstunden), den Wasserverbrauch in m³ (Kubikmeter), bis hin zu sozialen Infos wie Fluktuationsquote, Anteil weiblicher Führungskräfte. Susanne Kraus-Winkler: „Diese Daten werden von Jahr zu Jahr berichtet, erstmals 2024, um die Entwicklung aufzuzeigen.“

Für Matthias Matzer war es entscheidend, dass „die richtigen Fragen gestellt werden und es auch zumutbar für den Hotelier ist.“ Mit ins Boot geholt hat die ÖHT deshalb auch Beratungsunternehmen wie Prodinger, Kohl & Partner sowie die ÖHV (Österreichische Hoteliervereinigung) und die WKO

Die bisherigen Rückmeldungen der Betriebe an die ÖHT stimmen zuversichtlich: „Die Qualität der Antworten hat uns überrascht.“ Dies ist gut so, denn laut dem ÖHT-Geschäftsführer geht es in Sachen ESG „nicht nur um Image, sondern vor allem auch im Cash, das dahintersteckt. Es ist wichtig, dass Betriebe ihre Energiekosten im Griff haben.“

Senkung der Energiekosten für Betriebe vorrangig

Der große Investitionsschub der Branche ist derzeit allerdings vorbei (u.a. wegen der hohen Zinsen). Wurden 2021 noch 760 Fälle von der ÖHT gemeldet (vor Großkrediten über ERP-Kleinekredite bis hin zu Top-Jungunternehmer sowie Zuschussförderungen und Haftungen), waren es 2022 nur noch 484 Fälle mit einem damit ausgelösten Investitionsvolumen von 590 Mio. Euro. Matzer geht davon aus, dass 2023 die Zahlen „knapp über jenen von 2022 liegen werden.“

Erfreulich: „Ein Großteil der Investitionen geht in Richtung Senkung der Energiekosten“, so Susanne Kraus-Winkler. Der ESG Data Hub für den Tourismus kommt also zur richtigen Zeit.

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
Tourismusförderung „neu“

Drei Dimensionen und ein Bonus! Nachhaltigkeit besonders belohnt

14. April 2023 | Tourismuspolitik

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