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Wiener Hotellerie blieb auf Steuererhöhung sitzen

Print-Ausgabe 10. Februar 2017

Mit einem Plus von 4,4 Prozent auf fast 15 Mio. Nächtigungen konnte die Präsidentin des Wien Tourismus, Vizebürgermeisterin Renate Brauner, mit berechtigtem Stolz das 7. Rekordergebnis in Folge verkünden, wie T.A.I. bereits berichtete. Sie räumte aber ein, dass dem darüber anlassgerecht lachenden Auge auch ein weinendes gegenüber steht: Der Umsatz der Hotellerie ist erstmalig nicht mitgewachsen: Mit 663 Mio. Euro ist er zwar nur um 0,3 Prozent unter das Vorjahr gesunken, aus dem Minus von zwei Mio. Euro wären aber unter dem Strich 31 Mio. Plus geworden, wenn der Umsatz im gleichen Ausmaß wie die Übernachtungen zugenommen hätte. Die Statistik weist nur die ersten elf Monate des Jahres aus und der sehr gute Dezember lässt erwarten, dass die „rote Null“ im Endergebnis zu einer „schwarzen Null“ dreht.

Nur Prozentwerte sind eindrucksvoll

Als Ursache für das Umsatzminus ortet Tourismusdirektor Norbert Kettner vor allem Verschiebungen bei den Herkunftsmärkten, insbesondere Rückgänge bei finanzstarken Gästen aus Russland, arabischen Ländern oder den USA. Außerdem blieb die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Logis um ein Drittel auf 13 Prozent nicht ohne Folgen.

Auch ohne endgültige Zahlen ist ein genauerer Blick auf die Gründe für die schwachen Umsätze aufschlussreich. Bei den Herkunftsmärkten dominieren nach wie vor Deutschland und Österreich mit einem Anteil von rund 40 Prozent an den Nächtigungen. Mit einem Plus von sieben bzw. acht Prozent deckten sie zwei Drittel des Zuwachses von insgesamt 630.000 Nächtigungen ab. Beim Umsatz lag das Plus nur bei drei Prozent bzw. 6,8 Mio. Euro auf 228 Mio., etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes. Bei den anderen Herkunftsländern finden eindrucksvolle Prozentveränderungen nur in bescheidenen absoluten Zahlen ihren Niederschlag. So führte ein Umsatzzuwachs von acht Prozent dazu, dass China erstmals unter die Top 10-Herkunftsmärkte für Wien kam. Tatsächlich betrug das Plus aber nur 1,2 Mio. Euro. Die 26 Prozent Wachstum des indischen Marktes brachten unterm Strich gerade 1,4 Mio. Euro mehr Umsatz.

Bei den Rückgängen zeigte sich das gleiche Bild: Die 9,3 Prozent Minus vom US Markt entsprechen 5,3 Mio. Euro, eindrucksvolle 20 Prozent Rückgang aus Russland vier Mio., die arabischen Länder brachten mit minus 18 Prozent um knapp 5 Mio. weniger Umsatz und der Rückgang des japanischen Marktes um 19,3 Prozent manifestierte sich in einem Umsatzminus von 3,2 Mio. Euro. Wenn man Zuwächse und Rückgänge der wichtigsten Quellmärkte saldiert, ergibt sich ein Umsatzausfall von knapp acht Mio. Euro. Der „Rest der Welt“ brachte 6 Mio. Umsatzplus, sodass sich letztlich das Gesamtminus von 0,3 Prozent bzw. zwei Mio. Euro ergab. Bei einem 663 Mio.-Markt ist das erst eindrucksvoll, wenn sich daraus ergibt, dass außer vom europäischen Markt selbst nur schwache Wachstumsimpulse für den heimischen Tourismus erkennbar sind. Bis „Hoffnungsmärkte“ wie China oder Indien substantielle Beiträge ergeben, ist noch ein weiter Weg.

Airbnb boomt

Die Auswirkung der Mehrwertsteuererhöhung wird besonders deutlich, wenn man die Umsatzentwicklung der Wiener Hotellerie (1 - 5 Sterne) alleine – ohne Jugendherbergen, Campingplätze und Ferienwohnungen – ansieht. Hier beträgt der Umsatzrückgang auf 595 Mio. Euro mit drei Prozent das Zehnfache, immerhin 18 Mio. Euro. Bei einem zu den Nächtigungen parallelen Zuwachs wären um gut 45 Mio. Euro mehr in den Kassen der Hotels gelandet. In den Umsatzzahlen sind Frühstück und Mehrwertsteuer nicht enthalten, das Minus zeigt klar, dass es der Markt nicht zugelassen hat, die höhere Steuerbelastung in den Preisen unterzubringen. Der REVPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) ist folgerichtig von 57,7 auf 54,9 Euro abgesackt. Die Politik hat dafür gesorgt, dass auch in Wien trotz Nächtigungsboom die Tourismusbäume nicht in den Himmel wachsen.

Einen Boom gilt es noch zu berichten: Die Nächtigungen in Ferienwohnungen sind in Wien um 60 Prozent auf 508.000 gestiegen. Wieviel davon auf die inzwischen 5.500 Quartiere von Airbnb entfällt, ist seriös nicht wirklich abschätzbar, denn die Plattform gibt nach wie vor keine Daten über ihre Vermieter bekannt. Renate Brauner räumte erstmalig ein, dass das neue Tourismusgesetz auch eine andere Lösung zulässt, an der die Hotellerie allerdings wenig Freude haben dürfte.

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Erstellt am: 10. Februar 2017

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