T.A.I vor Ort in Indonesien

Drachenzähmen leicht gemacht.
Auf der Suche nach dem neuen Bali

Print-Ausgabe 14. Juli 2017

Der Komodo Nationalpark

Tourismus-Hotspot als Ausgangspunkt für Inselhopping. Unbekanntere Ziele Indonesiens sollen künftig stärker von Balis Anziehungskraft mitprofitieren.

Am besten zickzack laufen! So die Anweisung der Nationalpark-Ranger, sollte eine der Drachenechsen tatsächlich angreifen. Die Nervosität beim Sicherheits-Briefing stellt sich aber rasch als überzogen dar. Komodowarane muten trotz ihrer imposanten Statur eher faul und unbeweglich an. Ein gehöriger Respektabstand wird dennoch eingehalten. Sei es aufgrund des furchteinflößenden Erscheinungsbildes oder der Tatsache, dass ein Biss meist tödlich endet.

Vor geschätzt 900.000 Jahren ließen sich die Riesenechsen auf den drei indonesischen Inseln Rinca, Padar und Komodo nieder. Die prähistorischen Drachen sind hier nicht das einzig Außergewöhnliche, auch Landschaft und Vegetation muten surreal an. Auf Padar, der kleinsten der drei Nationalparkinseln, ragen von trockenen Gräsern bewachsene Felsen steil aus dem Meer empor. Siedlungen und (menschliche) Bewohner gibt es hier keine. Nur eine Handvoll Boote mit Ausflüglern, die der Hitze trotzend, den höchsten Felsen erklimmen. Der schweißtreibende Aufstieg wird belohnt mit einem Gipfelblick über eine schier endlose Szenerie aus Inseln und Wasser. Zusammen mit der Gewissheit, dass die prominentesten Bewohner dieser Landschaft büffeljagende Riesenechsen sind, entsteht hier rasch der Eindruck, am Ende der Welt zu stehen.

Nicht einmal anderthalb Flugstunden entfernt, im Konferenzzentrum Nusa Dua auf Bali, sind die Bemühungen groß, mehr Gästen dieses Erlebnis näherzubringen. Labuan Bajo, das Eingangstor in den Komodo Nationalpark, wurde 2017 von Indonesiens Tourismusministerium als eine von zehn Destinationen auserkoren, die unter „New Bali“ beworben werden. Vorgestellt wurde die Initiative bei der Bali & Beyond Tourism Fair (BBTF) von 8. bis 10. Juni in Nusa Dua. Diese fand heuer zum vierten Mal statt – von Jahr zu Jahr mit größerem Andrang. T.A.I. war auf Einladung des indonesischen Tourismusministeriums mit dabei.

Langfristig soll die BBTF als einflussreichste Tourismusmesse Südostasiens aufgebaut werden. Kurzfristig geht es darum, auch weniger bekannte Ziele von Balis Anziehungskraft profitieren zu lassen. Die Herausforderung liegt dabei nicht an der geringen Attraktivität anderer Destinationen. Im Gegenteil, spannende Urlaubsaktivitäten gibt es in Indonesien zur Genüge: von Regenwaldsafaris in Kalimantan und Sumatra, über Bergsteigen und Tempelbesichtigungen in Zentraljava, Strand- und Natururlaub auf Sulawesi hin zu Kultureisen zu den indigenen Stämmen Papuas. Der Grund, warum Indonesien-Besucher vorrangig Bali ansteuern, liegt vielmehr an der Popularität der Götterinsel selbst.

Es ist vor allem die besondere Mischung, die hier überzeugt. Surfer, Yoga-Fans, Naturliebhaber, Kulturreisende, Wassersportler, Familien und Partyurlauber fühlen sich gleichermaßen von Bali angezogen. Besonders deutlich wird die kulturelle Vielfalt am Puja Mandala. An diesem einzigartigen Komplex versammeln sich die fünf Hauptreligionen Indonesiens. Ein Hindu-Tempel, ein buddhistischer Tempel, eine Moschee sowie eine katholische und eine evangelische Kirche reihen sich unmittelbar aneinander. Die Gotteshäuser stehen Besuchern jeder Konfession offen und dienen als Symbol für religiöse Harmonie.

Eines der wichtigsten Hindu-Heiligtümer Balis ist der Uluwatu Tempel, der an der Spitze einer steil abfallenden Klippe thront. Die von Affen bevölkerte Anlage mit ihrem grandiosen Ausblick lädt zum Verweilen ein. Abends werden vor der stimmungsvollen Meereskulisse umjubelte Kecak-Aufführungen dargeboten. Das Tanzdrama beruft sich auf das indische Epos Ramayana. Ein Besuch lohnt sich auch für Zuseher, die mit der Erzählung der von Dämonen entführten Prinzessin nicht vertraut sind. Aufwendige Masken und Kostüme, tranceartiger Gesang und viel Feuer versprühen ihren eigenen Zauber.

Die meisten Gäste zieht es an die Traumstrände unweit des Flughafens in Denpasar, etwa in Sanur, Nusa Dua, oder Jimbaran. Für Abwechslung von Sonne und Meer ist ein Ausflug in die Hauptstadt selbst empfehlenswert. Ein Spaziergang durch die ausgedehnten Märkte bietet Einblicke in das tägliche Leben der Balinesen. Die angrenzenden Orte Legian, Seminyak und Kuta sind, neben ihren Stränden, vor allem für ihr Nachtleben bekannt. Zahlreiche Beach Clubs, Cocktail Lounges, Bars und Discos richten sich an die Bedürfnisse partyfreudiger Urlauber.

Die Einsamkeit Komodos mag so manch einer hier vermissen. Heute ist es schwer vorstellbar, dass aus der verschlafenen Fischerstadt Labuan Bajo ein „New Bali“ werden soll. Doch Bemühungen sind vorhanden. So wurde kürzlich der Flughafen erweitert, um künftig auch internationale Verbindungen (u.a. Singapur) zu bedienen. Aber auch wenn der Hotelbau in der Stadt merklich voranschreitet, so bleibt dennoch ein familiärer Charakter erhalten, mit gemütlichen Reggae-Bars und herrlichen Fischrestaurants. Die meisten Gäste bleiben dennoch nicht lange in Labuan Bajo. Der Ort ist gespickt mit Tourenanbietern, die Packages für Fahrten in den Komodo Nationalpark aber auch Rundreisen auf Flores im Angebot haben. Durch die belebte Unterwasserwelt (u.a. Manta-Rochen) hat sich Labuan Bajo bereits als Insidertipp unter Tauchern etabliert. Nun geht es darum, die Zielgruppe zu erweitern. 

Kecak-Aufführung mit feuriger Einlage

Impressionen aus Bali

Kecak-Aufführung mit feuriger Einlage

Der Komodo Nationalpark

Impressionen aus Bali

Der Komodo Nationalpark

Impressionen aus Bali

Bali Art Festival

Impressionen aus Bali

Bali Art Festival

Der Uluwatu-Tempel im Süden Balis

Impressionen aus Bali

Der Uluwatu-Tempel im Süden Balis

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Erstellt am: 14. Juli 2017

Fotos: © T.A.I. / V. Sufiyan

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