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Die Privatisierung von TAP Air Portugal (Transportes Aéreos Portugueses) tritt in ihre heiße Phase: Am 29. Juli 2026 ist der finale Stichtag für die verbleibenden Bieter (Lufthansa Group und Air France-KLM), die Entscheidung, welcher Konzern den Zuschlag erhält, folgt dann im September. Wobei Portugals Regierung unter Premierminister Luís Montenegro zuletzt die Strategie klar über den Preis beim TAP-Verkauf gestellt hat.
Wie Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz vor einem Parlamentsausschuss betonte, wird „bei der Wahl eines Käufers nicht allein der Angebotspreis den Ausschlag geben.“ Welche Faktoren im Einzelnen damit gemeint sind, erläuterte er allerdings nicht näher.
Die Regierung hatte zuvor festgelegt, dass sich Bieter verpflichten müssen, sowohl den Betrieb und das Streckennetz am Drehkreuz Lissabon als auch an den neun weiteren portugiesischen Flughäfen zu stärken. Sie will damit verhindern, dass TAP künftig zu einer reinen Regional-Tochter degradiert wird und auch nicht die lukrativen Südamerika-Routen gekürzt werden.
Ziel der Privatisierung ist es, vorerst einen Anteil von 44,9 % an einen strategischen Partner aus der Luftfahrtbranche zu verkaufen. Weitere 5 % sind für die Belegschaft reserviert, der Rest soll bis auf weiteres in der Hand Portugals verbleiben, das damit die Mehrheit behält. Die portugiesische Regierung erwartet das „Closing“ des Investors – also von der Lufthansa Group oder Air France-KLM - für den Sommer 2027. Einen Zeitplan für eine vollständige Abgabe der staatlichen Mehrheit gibt es derzeit nicht.
Vor allem geht es Portugals Regierung darum, die globale Reichweite und Wettbewerbsfähigkeit der Airline zu stärken. Der größte Trumpf von TAP sind die Start- und Landerechte in Brasilien, in portugiesisch-sprachigen afrikanischen Ländern und in den USA.
TAP Air Portugal begeht heuer ihr 80-jähriges Jubiläum (die Airline wurde zwar bereits im März 1945 gegründet, doch hob sie erst Mitte September 1946 zu ihrem ersten offiziellen Flug ab). Aktuell betreibt sie eine Flotte von 104 Maschinen (Airbus A320-Familie, A330 sowie Embraer ERJ-190) und ist damit zu 86 Städten unterwegs (16 in Südamerika, 12 in Afrika, 10 in Nordamerika, 6 in Portugal und 42 im übrigen Europa). Insgesamt führt TAP heuer mehr als 1250 Flüge pro Woche durch.
Die Wien-Lissabon-Flüge sind übrigens laut Stefan Eiche, Market Manager Deutschland, Österreich und Schweiz von TAP Air Portugal, die bestausgelastete Verbindung im gesamten TAP-Netzwerk. Eiche erhofft „in zwei Jahren einen zweiten täglichen Wien-Flug zu haben. Wir sind hart dran!“
Erst Mitte Juni feierte TAP das 60. Jahr des Brasilien-Markteintritts. Seither hat die Fluggesellschaft ihre Präsenz in diesem Land kontinuierlich ausgebaut und verfügt heute über eines der größten Streckennetze zwischen Südamerika (neben Brasilien ist dies Caracas, also der Hauptstadt Venezuelas) und Europa. „Brasilien war in den vergangenen 60 Jahren ein großer Erfolgsfaktor für TAP – und seine Bedeutung wird in den kommenden Jahrzehnten weiterwachsen“, erklärte TAP Air Portugal CEO Luís Rodrigues zum Jubiläum. TAP bietet derzeit ab Portugal 15 Destinationen in Brasilien an.
Beide Gruppierungen, also sowohl die Lufthansa Group als auch Air France-KLM, verfolgen als strategisches Hauptziel, sich den wertvollen Marktzugang nach Südamerika (vor allem Brasilien) sowie Afrika zu sichern. Lufthansa-CEO Carsten Spohr betonte mehrfach, dass die Übernahme der TAP Air Portugal seine Gruppe „auf Augenhöhe mit Air France-KLM bringen soll“ und der Zuschlag zur Lufthansa Group den Verbleib von TAP in der Star Alliance sichern würde.
Der Fokus von Air France-KLM liegt laut ihrem CEO Benjamin Smith hingegen auf der „perfekten Ergänzung für die bestehende Mehrmarken-Strategie des Konzerns.“ Neben Air France und KLM sind dies die Air France Hop und der KLM Cityhopper, Transavia France und Transavia Holland sowie die Minderheitsbeteiligung von 19,9 % an SAS. Zudem soll das Drehkreuz in Lissabon gezielt ausgebaut werden, um die Kapazitätsengpässe an den Hubs Paris-Charles-de-Gaulle und Amsterdam-Schiphol abzufedern.
Welcher der beiden Konzernen den finalen Zuschlag erhält, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. T.A.I. wird berichten.
Erstellt am: 21. Juli 2026