Print-Ausgabe 13. März 2026

„Wir befahren den Geiranger-Fjord seit 2022 nur mit Batterie, das kann kein anderer Anbieter“, so Pia Kuusisto
Der Postschiffrouten-Anbieter Havila Voyages gehört zu den Pionieren mit besonders großen Akkus – neues Konzept „Lofoten Coastal Stopover“ ab Mitte März buchbar
Die extrem junge Flotte von Havila Voyages – die Havila Capella, Castor, Polaris und Pollux nahmen alle zwischen 2021 und 2023 ihren Dienst auf – verfügt als einzige über große Batteriepakete, die bis zu vier Stunden rein elektrisch und emissionsfrei fahren können. Und sie sind bereits jetzt voll auf die ausschließliche Betankung mit Biogas eingestellt, wie die Reederei Ende vorigen Jahres auf ihrer weltweit ersten klimaneutralen Kreuzfahrt-Rundreise unter Beweis stellte. Doch es gibt auch viel anderes zu berichten, wie T.A.I. im Interview mit der „Head of Sales“ für die DACH-Länder (Deutschland, Österreich und Schweiz), die Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika), AP (Asien, Pazifik) und SA (Südamerika), Pia Kuusisto, feststellte.
T.A.I.: Wie waren Sie im Vorjahr mit der Buchungsentwicklung im Quellmarkt Österreich zufrieden und womit rechnen Sie 2026?
Pia Kuusisto: „Mit über 20 % Umsatzwachstum bin ich sehr zufrieden und sehe in Österreich noch viel Potenzial für weiteres Wachstum – das wir sicher 2026 haben werden.“
T.A.I.: Havila gibt ein „Nordlicht-Versprechen“ ab. Wie oft mussten Sie es bisher einlösen?
Pia Kuusisto: „Man muss schon sehr großes Pech haben, wenn man die Nordlichter auf einer 12-tägigen Reise nicht zu sehen bekommt. Wir haben das Nordlicht-Versprechen von Anfang an angeboten und haben in der Saison 2024/2025 exakt 40 solcher Buchungen gehabt.“
T.A.I.: Über welche Neuerungen à la „Nordlicht-Versprechen“ dürfen wir uns in naher Zukunft freuen?
Pia Kuusisto: „Wir bleiben beim bewährten Modell: Wenn Gäste von 1. Oktober bis 31. März eine 12-tägige Reise bei uns machen und keine Nordlichter zu sehen bekommen, können sie für die nächste Saison eine kostenlose 6-tägige Reise bei uns buchen. Grundsätzlich hat man die besten Chancen auf Nordlichter, wenn man sich entweder regelmäßig an Deck bewegt oder aber den Nordlicht-Alarm in der Kabine angeschaltet hat, um im Fall einer Sichtung schnell für das Naturschauspiel bereit zu sein.
Ganz ‚frisch‘ ist aber unser neues Konzept ‚Lofoten Coastal Stopover‘. Hier wird der Landaufenthalt Teil des Gesamterlebnisses, ohne dass die Kontinuität der Küstenroute verloren geht. Gäste, die von Kirkenes aus in Richtung Süden fahren, können in Svolvær von Bord gehen, 2 bis 3 Nächte im Thon Hotel Svolvær verbringen und dann mit dem nächsten Schiff von Havila Voyages weiter in Richtung Süden fahren – in derselben Kabinenkategorie wie vor dem Zwischenstopp. Das ‚Lofoten Coastal Stopover‘ kann ab dem 16. März gebucht werden, die ersten Abfahrten finden im Mai 2026 statt.“
T.A.I.: Bis Ende des Jahres 2028 soll die ausschließliche Betankung der Havila-Flotte mit Biogas möglich sein. Derzeit mischen sie rund 30 % bei. Wie sieht es denn ab 2028 mit den Möglichkeiten für die ausschließliche Betankung aus?
Pia Kuusisto: „Unsere Flotte ist bereit. Wir haben letzten November die erste klimaneutrale Rundreise von Bergen nach Kirkenes und zurück gemacht – ausschließlich mit Biogas. Möglich ist es also schon heute. Doch aktuell ist Biogas noch etwa doppelt so teuer wie LNG (Liquefied Natural Gas) und nicht ausreichend verfügbar. Es fehlt an Lieferanten und einer ausreichenden Infrastruktur entlang der Küste. Hier ist auch der norwegische Staat gefordert. Wir erwarten jedoch, dass sich die Rahmenbedingungen verbessern werden und planen weiterhin mit dem klimaneutralen Betrieb der Postschiffroute ab 2028.“
T.A.I.: Welche Wettbewerbsvorteile haben denn die Schiffe der Havila-Flotte gegenüber anderen Kreuzfahrtschiffen?
Pia Kuusisto: „Was unsere Schiffe so besonders macht, ist ihr Antriebssystem: LNG bzw. Biogas und Batterie. Mit ihr können wir bis zu vier Stunden komplett emissionsfrei fahren. Das tun wir auch regelmäßig und befahren Welterbestätten wie den berühmten Geirangerfjord schon seit 2022 nur mit Batterie. Das kann kein anderer Anbieter in dieser Form. Wir sind übrigens auch der einzige Anbieter, der bereits ab Anfang April in den Geiranger-Fjord einfährt.“
T.A.I.: Seit Jahresbeginn gilt die Null-Emissions-Pflicht für kleinere Passagierschiffe. Für größere Schiffe wurde von der „Norwegian Maritime Authority“ (NMA) die Frist jedoch um sechs Jahre bis zum 1. Jänner 2032 verlängert. Wie sehen Sie diese Entscheidung?
Pia Kuusisto: „Diese Entscheidung war ein Rückschlag, insbesondere für die vielen empfindlichen Ökosysteme entlang unserer schönen Küste. Doch auch für uns als Unternehmen, das sich für mehr Klimaschutz einsetzt und vorangehen will, war diese Entscheidung hart. Unsere Haltung dazu ist kein Geheimnis. Wir fordern, dass spätestens für die nächste Ausschreibungsperiode der Postschiffroute verbindliche Regelungen zum Schutz der Umwelt entlang der Küste getroffen werden. Diese Leitlinie soll dann verbindlich für alle gelten.“
T.A.I.: Eine andere Frage: Müssen Ihre Gäste die gesamte Tour von Bergen nach Kirkenes und retour mitmachen oder sind auch Teilstrecken zur Buchung freigeschaltet?
Pia Kuusisto: „Von Kurzreisen auf einem beliebigen Teil der Strecke bis hin zum Klassiker, der 12-tägigen Rundreise, ist alles möglich. Neu hinzugekommen ist nun auch die Möglichkeit, einen Zwischenstopp auf den Lofoten einzulegen und die Schiffsreise ein paar Tage später fortzusetzen. In Zukunft werden wir dieses Stopover-Modell auch an anderen Stationen der Route anbieten. So können unsere Gäste die norwegische Küste in ihrem ganz eigenen Tempo erleben.“
T.A.I.: Welche der 34 Häfen, die Havila anläuft, sind Ihre persönlichen Favoriten?
Pia Kuusisto: „Das ist eine sehr schwierige Frage, da alle Häfen ihren ganz eigenen Charme haben. Einer meiner Favoriten ist aber ganz klassisch Bergen. Hat man die Möglichkeit, sollte man unbedingt eine Pre-Nacht dazubuchen. Wir arbeiten dafür mit mehreren Hotels zusammen. Am schönsten ist es, und am größten die Vorfreude, wenn man oben auf dem Berg Fløyen steht und sieht, wie unser Havila-Schiff in den Hafen einfährt.“
Erstellt am: 13. März 2026
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