Print-Ausgabe 15. Jänner 2026

Ziel war der Beweis, dass der gesamte norwegische Küstenverkehr klimaneutral gestaltet werden kann – Biogas war dafür die Lösung – vier weitere Havila-Schiffe ante portas
Es war ein Meilenstein für die umweltfreundliche Schifffahrt und T.A.I. war live mit dabei: Ende des Jahres 2025 wurde das Kreuzfahrtschiff Havila Polaris von Havila Voyages mit 350 m³ reinem, verflüssigtem Biogas betankt und damit erstmals eine klimaneutrale 12-tägige Rundreise entlang der norwegischen Küste von Hammerfest nach Bergen und zurück durchgeführt. „Wir wollten beweisen, dass klimaneutraler Betrieb auf der Küstenroute bereits heute möglich ist – und künftig der Standard sein sollte“, betonte der CEO von Havila Voyages, Bent Martini, nach der Reise: „Wir wollten ein starkes Signal an die norwegische Regierung und an die gesamte Branche senden.“
Seit 2021 ist die Reederei Havila Voyages mit vier baugleichen, modernen Schiffen (alle Baujahr 2021 bis 2023) auf der traditionellen Postschiffroute entlang der Küste von Norwegen unterwegs. Das Quartett verfügt über 179 Kabinen auf vier Decks in verschiedenen Kategorien und bietet mehrheitlich (75 %) Außenkabinen sowie Suiten. Die maximal 640 Gäste genießen auf den vier Havila Voyages-Schiffen große Freiareale, einen Panoramasalon samt Panoramabar, ein kleines Fitnessstudio, ein Jacuzzi an Deck sowie – neben einem 24h-Kiosk – zwei Restaurants mit regionaler, saisonaler Küche.
Die Muttergesellschaft Havila Holding war ursprüngliche im Fischfang, im Unterwasserbau und bei der Plattformversorgung aktiv, weitete ihre Tätigkeiten ab den 2010er-Jahren auf den Tourismus aus und als Norwegen 2017 das Monopol für die Postschiff-Reisen komplett auflöste, griff Havila zu und bestellte die vier Schiffe.
Von Beginn an war es eine Vision von Per Sævik, dem Gründer und Inhaber von Havila (der Name stammt aus der Bibel und bezeichnet das Land im Garten Eden, in dem es Gold gibt), dieses Unternehmen nachhaltig zu betreiben und damit der Natur entlang der Küste Tribut zu zollen. So erlauben die Batteriepakete in den Havila Voyages-Schiffen über vier Stunden einen völlig emissionsfreien Betrieb in den engen, kilometerlangen Fjorden. Damit erfüllt Havila bereits jene Auflagen der norwegischen Regierung, die erst in einigen Jahren in Kraft treten.

Die Havila Polaris, angedockt in der Basis bei Hammerfest, beim Tanken von LNG
Wirksame Lösung, geringe Emissionen
Mit dem Umstieg von LNG (Liquefied Natural Gas)-Betrieb auf die erneuerbare Energie Biogas ist nun ein weiterer Entwicklungsschritt eingeleitet worden: Am 30. November 2025 legte die Havila Polaris in Bergen zur ersten beinahe klimaneutralen Fahrt entlang der Postschiffroute ab. Betankt war sie mit 350 m³ Biogas für die Reise. Mit an Bord waren neben führenden Persönlichkeiten von Havila auch Expert:innen aus der maritimen Industrie und Energieversorger.
„Wir tragen Verantwortung für die Menschen und Gemeinden entlang unserer einzigartigen Küste. Und wir wissen, dass Biogas bereits eine wirksame Lösung ist, um die Postschiffroute mit sehr geringen Emissionen zu befahren, ohne dass wir technische Änderungen an unseren Schiffen vornehmen müssen“, erklärte Bent Martini.
Derzeit werden in Norwegen aktuell jährlich rund 800 Gigawattstunden (GWh) Biogas produziert. Auch die Havila Holding ist in die Produktion eingestiegen und lässt drei Anlagen in Haugaland, Trøndelag und Innlandet errichten, die in den Jahren 2027 und 2028 in Betrieb gehen sollen. Jede Anlage ist auf eine jährliche Produktion von rund 100 GWh Biogas ausgelegt. Das ist dringend notwendig, denn allein die vier Schiffe von Havila Voyages würden knapp die Hälfte der derzeit produzierten Menge benötigen, um das ganze Jahr über nur mit Biogas zu fahren.
Derzeit sind die Schiffe von Havila mit einer 30-prozentigen Beimischung von Biogas zum LNG (Liquefied Natural Gas) unterwegs. Bis Ende 2028 soll die ausschließliche Betankung mit Biogas möglich sein.

Havrand Restaurant, wo Frühstück, Mittag- und Abendessen serviert werden
Biogas spielt eine wichtige Rolle in der Kreislaufwirtschaft: Es hilft bei der Bewältigung von Abfallproblemen und nutzt Ressourcen wie Lebensmittelabfälle, Ausscheidungen von Nutztieren und Fischabfälle, die zur Erzeugung von Biogas verwendet werden. Darüber hinaus entstehen bei der Biogasproduktion Nebenprodukte wie Biodünger. Davon profitiert der Agrarsektor entlang der norwegischen Küste.
Vorläufige Berechnungen zeigen, dass die Havila Polaris ihre tatsächlichen CO2-Emissionen durch den Einsatz von Biogas und den Batteriepaketen des Schiffes um fast 92 % reduzieren wird. Darüber hinaus werden bei der Verwendung von Biogas die lokalen NOx- und SOx-Emissionen vollständig eliminiert (schon jetzt senken die vier Schiffe von Havila Voyages durch ihren LNG-Antrieb für um 35 % geringere CO2-Emissionen, NOx – also Stickstoffoxid – wird um 90 % reduziert). „Biogas funktioniert. Die Havila Polaris verhält sich genau wie bei der Verwendung von Erdgas, da Erdgas und Biogas die gleichen Eigenschaften haben“, sagt Kurt Nærbø, erfahrener Kapitän an Bord der Havila Polaris.
„Ich bin stolz darauf, die Ehre zu haben, dieses Schiff zu steuern, wenn wir zum ersten Mal klimaneutral mit Biogas fahren, und in einem Unternehmen zu arbeiten, das eine Vorreiterrolle dabei einnimmt, zu zeigen, dass umweltfreundlicherer Schiffsverkehr möglich ist“, so Kurt Nærbø. „Sicherheit hat oberste Priorität – ich würde niemals einwilligen, dieses Schiff zu steuern, wenn auch nur der geringste Zweifel bestünde.“

CEO Bent Martini bei einer Präsentation für Gäste an Bord der Havila Polaris
Für Bent Martini wird die Produktion von Biogas entlang der norwegischen Küste einen erheblichen lokalen Mehrwert schaffen: „Dieses Gas wird entlang der norwegischen Küste produziert und bezogen. Es hat einen kurzen Transportweg, schafft lokale Arbeitsplätze und stärkt die Wertschöpfungsketten entlang unserer Route. Als norwegisches Unternehmen in norwegischem Besitz ist dies für uns wichtig.“
2026 ist für Havila Voyages von höchster Bedeutung , denn im Laufe des Jahres wird die norwegische Regierung in Oslo die neue Ausschreibung der klassischen Postschiff-Route zwischen Bergen und Kirkenes (insgesamt 34 Häfen) für die nächste Periode bekannt geben, die ab 2030 beginnt.
Auch die Pläne für weitere Schiffe von Havila Voyages sind fertig, mit etwas längerem Rumpf und zusätzlichen Suiten. Der Grund: „Diese Kategorie wird immer stärker nachgefragt“, so Bent Martini. Somit ist Havila vorbereitet, bei erfolgter Neuausschreibung ihre Bewerbung mit bis zu acht Schiffen einzureichen, die nicht nur höchste Umweltstandards erfüllen, sondern auch auf nachhaltige Weiterentwicklung in allen Bereichen ausgelegt sind.
Mit dem Bau der neuen Schiffe soll zeitgerecht begonnen werden, um damit ab 2030 fahren zu können. Es dürfte also kein zufälliges zeitliches Zusammentreffen sein, dass wenige Monate vor der Verkündung der Ausschreibung Havila Voyages mit dem Betrieb mit Biogas ein Zeichen setzte. „Mit dieser Reise wollen wir beweisen, dass es durchaus möglich ist, die gesamte Küstenroute klimaneutral zu betreiben – etwas, das unserer Meinung nach auch die Mindestanforderung in der nächsten Ausschreibungsperiode für die Küstenroute sein sollte“, sagt CEO Bent Martini.
Die Kombination aus effizienter Technik und sauberem Kraftstoff ist entscheidend für die Zukunft der nachhaltigen Kreuzfahrt. Die Umstellung auf Biogas stellt also einen weiteren Schritt zur Erreichung der Umweltziele dar.

Junior Suite, im vorderen Bereich von Deck 7
Fotos: © Havila Voyages
Erstellt am: 15. Jänner 2026
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