ÖRV – Österreichischer ReiseVerband

Stillstand in Nah Ost? ÖRV-Vortrag des CSA-Präsidenten hat an Brisanz nichts eingebüßt

T.A.I. 24 TOP News

Er ist Präsident des „Center for Strategic Analysis“ (CSA) und war früher Brigadier des Österreichischen Bundesheeres: Walter Feichtinger. Beim Frühjahrskongress des ÖRV (Österreichischer ReiseVerband) Mitte April 2026 im Hotel Werzer’s in Pörtschach hielt er einen Vortrag zur „geopolitischen Lage im Nahen Osten“ sowie die möglichen Auswirkungen und Erwartungen.

Das Überraschende: Seit dem ÖRV-Kongress sind gut zwei Wochen vergangen, doch hat sich kaum etwas in Nah Ost verändert. Die Sperre der Straße von Hormus ist weiterhin aufrecht (auch wenn zwischenzeitlich die vier festliegenden Kreuzfahrtschiffe aufgrund der kurzzeitigen Öffnung wieder in sichere Gewässer fahren konnten), die Kerosin-Krise hat sich verschärft und auch die Verwerfungen der Tourismusbranche sind unverkennbar. All dies macht Walter Feichtingers Vortrag heute noch absolut lesenswert.

Sechs wesentliche Akteure, drei Zäsuren

In der aktuellen Nahostkrise gebe es sechs wesentliche Akteure: Neben dem Iran, den USA und Israel seien dies China, Russland und Europa. Wobei Walter Feichtinger zunächst ein Board hervorholte, um darauf festzuhalten, wer von diesen sechs Hauptakteuren nach Ansicht der Zuhöhrer:innen des ÖRV-Kongresses gewinnen und wer verlieren wird.

Danach begann sein eigentlicher Vortrag. So handle es sich um einen konfessionellen Konflikt zwischen Schiiten (Iran) und den in der arabische Hemisphäre vorherrschenden Sunniten (Anm.d.Red: Der Kernunterschied geht auf die Frage zurück, wer nach dem Tod des Propheten Muhammad die Führung der muslimischen Gemeinschaft übernehmen sollte, also nahezu 1.400 Jahre.).

Ebenso sei die Region seit 1916 stets durch Konflikte und Kriege geprägt, wobei der Iran seit 1979 (laut Walter Feichtinger die „erste Zäsur“) die Region dominieren und Israel zerstören will.

Seit damals folgten 2 Golfkriege, der Irak-Krieg, der arabische Frühling („zweite Zäsur“) samt Bürgerkrieg in Syrien, der Überfall der Hamas auf Israel 2023 („dritte Zäsur), der Angriff der USA und von Israel auf den Iran im Vorjahr sowie ab Ende Februar der nunmehrige Krieg, der in einen unausgegorenen Waffenstillstad sowie der Sperre der Straße von Hormus mündete.

Für Walter Feichtinger steht fest: „Solange sich das nicht ändert (Anm.d.Red.: gemeint ist die vom Iran geforderte Auslöschung Israels), wird sich nichts tun.“ Wobei die Lage für den Iran alles andere als komfortabel sei: „Wenn 13 Tage lang kein Öl exportiert werden kann, fehlen nicht nur tägliche Einnahmen für den Iran von 435 Mio. Euro, sondern sie müssen auch die Öl-Produktion reduzieren.“

Als Nebeneffekte der Iran-Krise begrüßte es die neue Achse Ukraine-Syrien-Türkei („Das ist ein sehr geschickter Schachzug“), die Auseinandersetzung zwischen den USA und Europa („Die sind richtig sauer“), während sich die „Achse der totalitären Regime China-Nordkorea-Russland“ verstärke. Walter Feichtinger: „Es geht um den Einfluss auf der ganzen Welt.“ Wobei er ebenso meinte, dass sich auch „die Achse der Demokratien, also von Japan-Südkorea und Europa“ sehen lassen könne.

Und Russland? „Putin braucht den Ukraine-Krieg, um an der Macht zu bleiben.“ Dass die EU kein „bestimmender Akteur ist“, sei eine Tatsache, „aber kein Malheur.“

Flüge werden teurer, Kerosin wird knapp

Wie es weiter gehen wird? Auch diesbezüglich konnte Walter Feichtinger seinen Vortrag bereichern. Die Flüge werden teurer, Kerosin wird knapp und es gibt für den gesamten Tourismus Probleme. „Bis alles wieder in die Gänge kommt, kann es zwei Jahre dauern.“

Wichtig sei es jetzt, die stockenden Verhandlungen wieder aufzunehmen. Walter Feichtinger: „Alles dreht sich um die Straße von Hormus.“ Die USA befanden sich unter Zugzwang, ebenso aber – wegen dem Öl – der Iran.

Er sehe jedenfalls „keinen großen Sieg“, möglich sei ein „Mullah light“-Regime im Iran, wobei ein Fragzeichen über den Abraham-Abkommen (Anm.d.Red.: Friedensvertrag zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und dem Sudan) stehe. Für Walter Feichtinger steht aber eines fest: „Israel ist ein unheimlich wichtiger wirtschaftlicher Faktor in der Region.

Am Ende seines Vortrages holte Walter Feichtinger erneut sein Board her, um darauf festzuhalten, wie sich die Stimmung der Zuhöhrer:innen des ÖRV-Kongresses bezüglich der sechs Hauptakteure geändert habe. Ergebnis: Die Stimmung hatte sich nicht grundsätzlich, aber doch in vielen Dingen verändert. Feichtinger abschließend: „Ich gehöre zu den Optimisten.“

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
ÖRV – Österreichischer ReiseVerband

Frühjahrskongress im Zeichen der Erneuerung! ÖRV zwischen Iran-Krise und Kuhglocke

19. April 2026 | Reisebüros & Veranstalter

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