T.A.I. Werbe Grand Prix
T.A.I.-Serie Nachhaltigkeit und Tourismus

Nicht nur Vermarktung ist wichtig, sondern auch Verständnis & Akzeptanz

Print-Ausgabe 15. Jänner 2026

Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich nicht allein auf den Märkten, sondern in der Gesellschaft,“ so Florian Grösswang

Tourismusakzeptanz und -bewusstsein sind eng miteinander verbunden und doch nicht dasselbe – Florian Grösswang erklärt warum und zeigt Wege auf, beides zu stärken

„Die Destinationen und ihre Leistungsträger haben seit einiger Zeit steigende Herausforderungen zu bewältigen“, betont Florian Grösswang, Gesellschafter von TourCert Austria und Berichterstatter für T.A.I., in seinem aktuellen Beitrag, den er unter den Titel „Ohne Bewusstsein keine Akzeptanz“ stellt. Der Grund für die zunehmenden Herausforderungen ist einfach erklärt: Diverse ökonomische, soziale und ökologische Entwicklungen gefährden die Balance des Tourismus, der sich im Spannungsverhältnis zwischen der Wettbewerbsfähigkeit einerseits und den Interessen der lokalen Bevölkerung andererseits befindet.

Idealer Weise soll ein Zustand erreicht werden, in dem die Tourismuswirtschaft eine wettbewerbsfähige Wertschöpfung erzielt und dabei gleichzeitig die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung verbessert wird. Doch anders, als in diesem Zielbild dargestellt, wächst derzeit in so mancher Destination der gesellschaftliche Druck. Denn der Tourismus wird aufgrund steigender Besucherzahlen, Nutzungskonflikten, ökologischen Belastungen und soziale Spannungen zunehmend kritisch hinterfragt.

Akzeptanz und Bewusstsein: Zwei zentrale Begriffe

Es geht also um Tourismusakzeptanz und Tourismusbewusstsein. „Beide Begriffe sind eng miteinander verbunden – und doch nicht dasselbe“, so Florian Grösswang. Eines steht für ihn aber fest: „Wer den Tourismus zukunftsfähig gestalten will, muss beide Konzepte verstehen und aktiv gestalten.“

Was bedeutet also Tourismusakzeptanz? Dieser Begriff beschreibt die subjektive Einstellung der lokalen Bevölkerung gegenüber den Auswirkungen des Tourismus in der Region. Tourismusakzeptanz kann positiv, negativ oder neutral sein. Ebenso ist sie kein statischer Zustand, sondern ein dynamisches Stimmungsbild. Sinkt die Akzeptanz in den Destinationen, entstehen Konflikte, die Entwicklungen hemmen.

Bewusstsein als Schlüssel für sachliche Diskussionen

Anders verhält es sich mit dem Tourismusbewusstsein. Während Akzeptanz vor allem als Haltung definiert werden kann, handelt es sich beim Bewusstsein um eine Kompetenz. Es beschreibt das Verständnis aller Beteiligten – Bevölkerung, Politik, Betriebe und Gäste – für die Wirkungszusammenhänge des Tourismus. Ein hohes Tourismusbewusstsein führt dazu, dass Diskussionen sachlicher, Lösungen konstruktiver und Entscheidungen nachhaltiger werden.

Was bedeutet das nun für die Praxis? Florian Grösswang: „Ein ausgeprägtes Tourismusbewusstsein ist oft die Voraussetzung für stabile Akzeptanz – erzeugt aber nicht automatisch gleich Zustimmung.“ Denn Zustimmung oder Ablehnung können auch entstehen (oder sind schon entstanden), ohne dass tiefes Wissen über das System Tourismus vorhanden ist. Für Florian Grösswang steht deshalb fest: „Wenn wir also Maßnahmen in unseren Destinationen planen, sollten wir uns zuerst fragen, ob wir das Bewusstsein oder die Akzeptanz stärken wollen.“

Wechselwirkungen und typische Konfliktmuster

Die Ansätze zur Entwicklung von Tourismusakzeptanz und -bewusstsein liegen auf der Hand. Beide stehen in einer engen, wechselseitigen Beziehung zueinander: „Wo das Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge des Tourismus fehlt, entstehen häufig vereinfachte Schuldzuweisungen“, so Florian Grösswang, der Beispiele dafür nennt: Der Tourismus wird etwa pauschal als Ursache für steigende Preise, Verkehrsprobleme oder den Verlust von Lebensqualität gesehen. Umgekehrt führt mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung oft zu Widerstand gegen touristische Entwicklungen, Projekte oder Investitionen – selbst dann, wenn diese langfristig sinnvoll wären.

Um beides – also Tourismusbewusstsein und -akzeptanz – nachhaltig zu stärken, braucht es also ineinandergreifende Ansätze. Eine zentrale Rolle spielt dabei das, was Florian Grösswang „transparente Kommunikation“ nennt. Dazu gehört etwa die offene Offenlegung von Zahlen, Wirkungen und Zielkonflikten, wie eine ehrliche Darstellung sowohl der Chancen als auch der Belastungen des Tourismus. „Nur wer versteht, was passiert und warum Entscheidungen getroffen werden, kann diese nachvollziehen“, betont Florian Grösswang.

Was Destinationen konkret tun können

Ebenso wichtig ist für ihn die aktive Beteiligung der Bevölkerung: „Dialogformate, wie Workshops, Bürgerforen oder moderierte Gespräche, schaffen Räume für Austausch und Mitwirkung“, ist Florian Grösswang überzeugt. Besonders entscheidend ist dabei die frühzeitige Einbindung bei Projekten und zwar bevor Fronten entstehen und Positionen sich verhärten.

Einen weiteren Grundpfeiler stellen Bildung und Sensibilisierung dar. „Tourismus sollte als Thema in Schulen und Ausbildungswegen verankert sein, ergänzt durch Informationsangebote und Kampagnen für Einheimische“, betont Florian Grösswang. Gleichzeitig braucht es auch Bewusstseinsbildung bei Gästen, etwa durch klare Verhaltensregeln und verständliche Kommunikation über lokale Besonderheiten und Erwartungen.

Ein wesentlicher Faktor für Tourismusakzeptanz ist zudem die faire Verteilung der Effekte. Florian Grösswang: „Regionale Wertschöpfung muss sichtbar gestärkt werden, und die Lebensqualität der Einheimischen sollte als zentrale Zielgröße touristischer Entwicklung definiert sein – nicht allein Übernachtungszahlen oder Umsätze.“

Haltung, Werte und Grenzen des Wachstums

Schließlich braucht jede Destination eine klare Haltung. „Leitbilder und Werte sollten sichtbar und erlebbar sein, ebenso wie die Bereitschaft, Grenzen des Wachstums zu benennen“, sagt Florian Grösswang.

Das Fazit von alldem: Destinationen, die ausschließlich auf Marketing und Wachstum setzen, riskieren Akzeptanzverluste. Jene Destinationen hingegen, die in Bildung, Dialog und Transparenz investieren, schaffen langfristige Stabilität. Für Florian Grösswang ist klar: „Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich daher nicht allein auf den Märkten, sondern in der Gesellschaft.“ Tourismusakzeptanz wird dabei zur neuen „License to operate“, während das Tourismusbewusstsein jenes Fundament bildet, auf dem diese Akzeptanz entsteht.

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
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