T.A.I.-Serie Nachhaltigkeit und Tourismus (Teil 16)

Nachhaltigkeit bedingt Haltung! Destinationen können die Zukunft nur gemeinsam gestalten

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Der Tourismus – auch der österreichische – steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Denn der Klimawandel (Stichwort: Waldbrände), Ressourcenknappheit, gesellschaftliche Veränderungen und steigende Erwartungen von Gästen stellen die Destinationen vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass der Tourismus weit mehr ist als nur ein Wirtschaftszweig. Wie also können diese Destinationen die Zukunft besser gestalten? Dieser Frage geht in vorliegendem Beitrag der T.A.I.-Serie Nachhaltigkeit und Tourismus Florian Grösswang nach, der als TourCert-Manager für Österreich auf diesem Gebiet eine bedeutende Rolle spielt.

Für Florian Grösswang ist klar: „Eine zukunftsfähige Destination entsteht nicht durch ein Zertifikat, eine Kampagne oder einige Leuchtturmprojekte. Sie entsteht vielmehr dort, wo Menschen beginnen, Verantwortung zu teilen.“ Nachhaltigkeit gilt deshalb weniger als eine Sammlung einzelner Maßnahmen, soindern vielmehr als Ausdruck einer gemeinsamen Haltung.

Vom Tourismusmarketing zur Zukunftsgestaltung

Lange Zeit waren Tourismus-Organisationen in erster Linie Vermarkterinnen. Heute werden sie mit der Lebensraumperspektive (siehe dazu auch den Beitrag „Lebensraum-Perspektive „keine Option, sondern eine Notwendigkeit!“, www.tai.at/destinationen/oesterreich/lebensraum-perspektive-keine-option-sondern-eine-notwendigkeit) immer stärker zur Gestalterinnen eines gemeinsamen Entwicklungsprozesses. Denn viele der entscheidenden Hebel – von Raumplanung über Mobilität bis hin zu Infrastruktur oder Naturschutz – liegen außerhalb ihres unmittelbaren Einflussbereichs. Florian Grösswang: „Was sie jedoch gestalten können, ist der Dialog. Sie können Orientierung geben, Akteur:innen vernetzen und unterschiedliche Interessen an einen Tisch bringen. Sie können aus Einzelinitiativen eine gemeinsame Bewegung machen.“

Dieser Gedanke findet sich auch in der „Vision T“, Österreichs neuer Tourismusstrategie, wieder. Nachhaltigkeit wird dort bewusst als Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung verstanden. „Es geht nicht allein um Klimaschutz, sondern um die Zukunft unserer Lebensräume“, betont Florian Grösswang. Erfolgreicher Tourismus bedeutet daher nicht möglichst viele Gäste, sondern eine Entwicklung, von der Gäste, Betriebe und die Bevölkerung gleichermaßen profitieren.

Nachhaltige Entscheidungen stellen immer die Frage nach der langfristigen Wirkung:

  • Sie fördern öffentliche Mobilität statt zusätzlichem Individualverkehr
  • Sie lenken Besucherströme intelligent, um Natur und Ortszentren zu entlasten
  • Sie setzen auf Qualität statt auf reines Mengenwachstum
  • Sie stärken regionale Produzent:innen, investieren in ressourcenschonende Infrastruktur und beziehen die Bevölkerung frühzeitig in Entwicklungsprozesse ein.
Akzeptanz durch dialogorientierte Kommunikation

Entscheidungen mit entsprechender Wirkung entstehen jedoch nicht am Reißbrett. Sie brauchen Akzeptanz. Und Akzeptanz entsteht durch dialogorientierte Kommunikation. Sie schafft Orientierung und macht Zusammenhänge verständlich. Sie zeigt auf, warum Veränderungen notwendig sind, welchen Nutzen sie bringen und wie jede und jeder Einzelne dazu beitragen kann.

Dabei unterscheiden sich die Perspektiven der Ökosystem-Akteure einer Destination erheblich:

  • Betriebe möchten wissen, wie Nachhaltigkeit wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden kann.
  • Mitarbeitende suchen Orientierung für ihren Arbeitsalltag.
  • Gemeinden und Politik benötigen belastbare Daten und Wirkungskennzahlen.
  • Die lokale Bevölkerung möchte verstehen, welchen Beitrag Tourismus für ihren Lebensraum und ihre Lebensqualität leistet.
  • Gäste wiederum interessieren sich für konkrete Möglichkeiten, ihren Urlaub verantwortungsvoll zu gestalten.

Für Florian Grösswang ist klar: „Alle diese Zielgruppen verbindet eine gemeinsame Erwartung: Sie wünschen sich nachvollziehbare Informationen, Transparenz und konkrete Handlungsmöglichkeiten.“

Gleichzeitig begegnen Destinationen auch Vorbehalten. Nachhaltigkeit erscheint manchen zu abstrakt, anderen zu komplex oder zu teuer. Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander, Veränderungsmüdigkeit macht sich bemerkbar und nicht zuletzt stehen „Greenwashing“-Vorwürfe im Raum.

Aus Betroffenen werden Mitgestalter:innen

„Gerade deshalb braucht auch unsere Nachhaltigkeitskommunikation eine neue Qualität“, so Florian Grösswang. Sie muss authentisch sein und zum eigenen Handeln passen. Sie muss offen über Fortschritte ebenso sprechen wie über Herausforderungen. Sie sollte Lösungen statt Schuldzuweisungen in den Mittelpunkt stellen und Menschen motivieren, statt sie zu belehren. Vor allem aber muss sie den Dialog fördern.

Immer mehr Destinationen zeigen, wie dieser Weg aussehen kann:

  • Sie organisieren Nachhaltigkeitswerkstätten, Bürgerdialoge oder Klima-Stammtische.
  • Sie machen regionale Produzent:innen sichtbar, öffnen Dorffeste bewusst für Gäste oder laden Besucher:innen dazu ein, Kulturlandschaften aktiv mitzugestalten.
  • Sie initiieren Clean-up-Aktionen entlang von Wanderwegen, gemeinsame Baumpflanzungen, Citizen-Science-Projekte oder Erntetage mit landwirtschaftlichen Betrieben schaffen Begegnungen und machen Nachhaltigkeit unmittelbar erlebbar.

Für Florian Grösswang steht fest: „Nachhaltigkeit ist dabei kein Projekt mit Enddatum und keine Checkliste, die man irgendwann abhaken kann. Sie ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der von Vertrauen, Dialog und gemeinsamer Verantwortung lebt.“ Destinationen werden künftig nicht daran gemessen werden, wie oft sie den Begriff Nachhaltigkeit verwenden. Sondern daran, ob es ihnen gelingt, Menschen für eine gemeinsame Haltung zu gewinnen. „Denn am Ende entscheidet nicht die perfekte Strategie über den Erfolg einer Destination. Es entscheidet die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen – für den Lebensraum, für die Menschen, die dort leben, und für jene, die ihn als Gäste erleben dürfen.“

Interessant ist ergänzend dazu folgender weiterführender Bericht:
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