DZT – Deutsche Zentrale für Tourismus

Breites Angebot für Leisure-Gäste. „Sind diesbezüglich in Europa einzigartig“

Print-Ausgabe 15. Mai 2026

Petra Hedorfer
„Die österreichische Nachfrage bewegt sich durch Flugverbindungen und Nachtzüge verstärkt nach Norden“, so Petra Hedorfer (Foto: © DZT / Farideh Diehl)

Deutschlands Angebotsvielfalt ist überaus groß – dass es im Vorjahr trotzdem ein Minus im Incoming gab, ist dem Geschäftstourismus und der Fußball EM 2024 geschuldet

Sie war seit zwei Jahren nicht mehr in Wien, jetzt war es wieder soweit: Petra Hedorfer, die seit Ende 2003 die DZT (Deutsche Zentrale für Tourismus) als CEO leitet. T.A.I. traf sie zu einem Interview, das Petra Hedorfer zusammen mit dem Leiter des Österreich-Büros, Laszlo Dernovics (er ist auch für die Märkte Slowakei sowie Südosteuropa zuständig), führte.

T.A.I.: Im Vorjahr stieg die Zahl der Übernachtungen der deutschen Inlands-Gäste um +0,7 % auf 413,7 Mio., jene der Ausländer sank aber um -2,0 % auf 83,6 Mio. Was waren die Gründe dafür?

Petra Hedorfer: „Das hatte mehrere Gründe, wie die Sondereffekte der Fußball EM 2024. Alleine dazu kamen rund 2,5 Mio. zusätzliche Gäste. Deutschland gilt zudem als Geschäftsreise-Ziel Nr. 1, und zwar weltweit. Da wirkt sich die veränderte Nachfrage überproportional aus. Aus Europa gab es -6 % bei Geschäftsreisen, aus Übersee -3 %. Vor allem die traditionellen Geschäftsreisenden (Firmenreisende) brechen weg. Bei den Urlaubsreisenden aus Europa hatten wir trotz Fußball EM +/- 0 %, aus Übersee sogar +8 %.“

T.A.I.: Die Leisure-Gäste im Incoming entwickeln sich also gut?

Petra Hedorfer: „Ja, der Urlaubsreiseverkehr läuft eindeutig gut. Die Gäste bleiben auch länger und wir haben eine sehr hohe Wiederholer-Quote: Drei Viertel aller Gäste waren schon mehr als einmal da!“

T.A.I.: Was bewegt Ausländer:innen zu einer Deutschlandreise?

Petra Hedorfer: „Wir sind kein klassisches ‚Sun & Beach‘-Ziel. Unser Schwerpunkt liegt auf Städte- und Kulturreisen, und da haben wir den größten Anteil in Europa. Das ist einerseits der Fläche geschuldet, andererseits dem tollen Angebot an Kulturzielen. Wir sind diesbezüglich in Europa einzigartig. Im Anholt Nation Brands Index assoziieren die Gäste mit Deutschland folgende Attribute: fascinating, educational, exciting, relaxing und romantic. Deutschland war früher ein Industrieland, heute sind nur noch 20 % der Gäste Geschäftsreisende. Auch gilt Deutschland als Naturland: 36 % unserer Fläche sind geschützte Natur! Das ist ein fantastisches Angebot für Leisure-Gäste.“

T.A.I.: Wie sieht es denn mit der Wertschöpfung aus?

Petra Hedorfer: „Laut WTTC (World Travel & Tourism Council) beträgt der Beitrag zum BIP (Bruttoinlandsprodukt) des deutschen Tourismus 526 Mrd. US-Dollar – darin sind die Zahlen des Outgoing, Incoming sowie Domestic enthalten und sie stammen aus 2024. Wir sind also die Nummer 3 hinter den USA und China. Laut DZT-Aufstellung von 2025 waren es im Incoming 78,6 Mrd. Euro. Das ist eine gewaltige Summe. Darin enthalten ist alles, was der Gast benötigt, von der Anreise über Unterkünfte und der Verpflegung bis hin zu Eintrittskarten.“

T.A.I.: Kommen wir zur Kultur. Was macht das Reiseland Deutschland zum Kulturreiseziel Nr. 1. und was für eine Rolle spielt die Kultur als Produkt bei der DZT?

Petra Hedorfer: „Da kann ich mehrere Argumente nennen. Wir haben eine unglaubliche Angebotserweiterung durch den Mauerfall erhalten, das war ein Geschenk. Man denke nur an die Wartburg bei Eisenach und Städte wie Weimar oder Leipzig. Dann haben wir aufgrund von Deutschlands Geschichte mit vielen Königreichen und Fürstentümern viele Schlösser und Burgen, wir haben also ein mannigfaltiges Angebot, das historisch bedingt ist. Und im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich ein großer Ansatz zeitgenössischer Kunst von der Neuen Sachlichkeit bis hin zu Streetart formiert. Auch ein Teil der Industriegeschichte wurde erlebbar gemacht.“

T.A.I.: An welcher Stelle liegt Österreich? Gab es 2025 einen Zuwachs der Übernachtungen aus Österreich oder einen Rückgang?

Petra Hedorfer: „Wir hatten bei den Ankünften einen ganz leichten Rückgang, da die Fußball EM viele Gäste aus Österreich anzog. Aber bezüglich der 4,4 Mio. Übernachtungen konnten wir das Niveau von 2024 halten.“

T.A.I.: Welche deutschen Bundesländer sind bei den Österreicher:innen am beliebtesten?

Petra Hedorfer: „Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Erding in Bayern ist durch die Österreicher:innen wegen der Thermen sogar unter den Top-10 Zielen Deutschland. Fest steht, dass sich die österreichische Nachfrage, die früher süddeutsch geprägt war, durch Flugverbindungen und Nachtzüge verstärkt nach Norden bewegt. Ich nenne da den Ostsee-Charter von Eurotours oder die Flüge von Austrian Airlines nach Sylt.“

T.A.I.: Sie setzen heuer auf die vier weltweiten Kampagnen zu den Themen Kultur, Kulinarik, Städtereisen und Natur. In welchen Märkten werben Sie dafür?

Petra Hedorfer: „Wir bearbeiten aus 22 Auslandsbüros 40 Märkte weltweit. „Culinary Germany“ und die Städtekampagne werden zum Beispiel weltweit ausgespielt. Darüber hinaus gibt es marktspezifische Schwerpunktthemen, zum Beispiel „Family&Friends“ in Europa und Österreich, Golfreisen in den USA und Dänemark oder die ‚Oranien-Route‘ für die Niederlande. ‚Events & Feierlichkeiten‘, wie z. B. 150 Jahre Wagner, präsentieren wir in kulturaffinen Märkten und die IGA (Internationale Gartenausstellung) im Ruhrgebiet bewerben wir vor allem in UK, den Niederlanden und Belgien.“

T.A.I.: Welche Rolle spielt denn die KI (Künstliche Intelligenz) in der täglichen Arbeit der DZT?

Petra Hedorfer: „Sie ist heute ein ganz wichtiges strategisches Tool, dessen Reichweite wir im Reiseland Deutschland vergrößern. Wir haben einen datengetriebenen Ansatz, damit die KI-Agenten auf Daten zurückgreifen können, zum Beispiel für Einzelreisende. Auch Reiseveranstalter und -büros können Anwendungen machen. Durch das MCP (Model Context Protocol) ist die Schnittstellen-Thematik erledigt. Fest steht, dass wir das Angebot durch KI sichtbarer machen und digitale Erlebnisse vor bzw. während der Reise machen können.“

T.A.I.: Wie sieht Ihrer Meinung nach KI in der Zukunft aus?

Petra Hedorfer: „Wir gehen davon aus, dass KI in spätestens 10 Jahren Alltag ist. Sie kann aber nie persönliche Erlebnisse und Reisen ersetzen, aber kann Buchungsprozesse vereinfachen, etc.“

T.A.I.: Die DZT gilt mit „Open Data“ und dem „Knowledge Graph“ (z.B.: „Zeig mir Golfrouten nahe Michelin-Restaurants in Berlin, die per Zug erreichbar sind“) seit 2023 in der KI einer der Vorreiter. Wo setzen sie diese Aktivitäten ein?

Petra Hedorfer: „Weltweit. Denn im Grunde genommen ist der ‚Knowledge Graph‘ sprachenunabhängig. Er ist auch für potenzielle Quellmärkte relevant, die wir nicht bearbeiten. Im DACH-Raum inklusive Südtirol arbeiten wir über die ODTA (Open Data Tourism Alliance) mit den Kolleg:innen der Österreich Werbung zusammen an gemeinsamen Datenstandards.“

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