Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft Burgenland

„Das Burgenland darf nicht hinter
die anderen Bundesländer zurückfallen!

Print-Ausgabe 15. Dezember 2017

Eben das befürchtet Spartenobmann Helmut Tury angesichts der aktuellen Ankünfte- und Nächtigungszahlen – auch der Forderungskatalog an die Bundesregierung ist lang

Das Burgenland ist vom touristischen Volumen her der Benjamin unter Österreichs Bundesländern, doch mit einem Anteil der Tourismus- und Freizeitwirtschaft von 17 Prozent der Wertschöpfung kommt der Branche ein enormer Stellenwert zu. Im Gespräch mit Spartenobmann Helmut Tury – der Gastronom steht seit drei Jahren an der Spitze der Tourismussparte im Burgenland – ging es um aktuelle Entwicklungen sowie Forderungen an die neue Bundesregierung.

T.A.I.: Das Burgenland hat mit Hannes Anton einen neuen Tourismusdirektor. Was erwarten Sie von ihm?

Helmut Tury: „Jeder, der dazu beiträgt, den burgenländischen Tourismus voranzubringen ist willkommen. Es zählen die Taten. Wir dürfen nicht zurückfallen. Die Konkurrenz an interessanten Destinationen ist im In- und Ausland groß. Es bedarf großer Anstrengungen, um mithalten zu können.“

T.A.I. Anfang Herbst äußerte die Sparte Tourismus „große Besorgnis“ bezüglich Entwicklung der Nächtigungsstatistik. Wie ist das zu verstehen?

Tury: „Wenn andere Regionen in der Nächtigungsstatistik davonziehen und wir nicht, dann muss man sich schon fragen, woran das liegt. Während das Burgenland in der Nächtigungsstatistik von Jänner bis Juli 2017 noch leicht im Plus (+0,4 Prozent) gegenüber dem Vorjahr lag, steht das Bundesland in der aktuellen Sommerauswertung der Statistik Austria (Mai - Oktober 2017) an letzter Stelle, was die Entwicklung der Anzahl der Nächtigungen betrifft. Wir müssen uns der Realität stellen und wir müssen uns anstrengen, um nicht hinter den anderen Bundesländern zurückzufallen.“

T.A.I.: Was wären Ihre Vorschläge?

Tury: „Das Burgenland ist kein klassisches Tourismusland, wie etwa die westlichen Bundesländer. Wir müssen gemeinsam mit den Tourismusverantwortlichen im Land innovative Angebote ausarbeiten, die sowohl heimische als auch Gäste aus anderen Bundesländern und anderen Nationen ansprechen. Ideen und Initiativen sind gefragt. Spätestens jetzt.“

T.A.I.: Die Tourismussparte fordert höhere Förderungen vom Land. Seit Amtsantritt von Landesrat Petschnig vor zweieinviertel Jahren wurden in über 300 Fällen 8,5 Mio. Euro För-
dergelder für Investitionen im Tourismus ausbezahlt. Ist das zu wenig?

Tury: „Es geht nicht um zu viel oder zu wenig, es geht darum, wie effizient die Mittel eingesetzt werden können. Der Wettbewerbsdruck nimmt auch im burgenländischen Tourismus zu. Es besteht wie bereits erwähnt die Gefahr, dass das Burgenland hinter den anderen österreichischen Bundesländern zurückbleibt.

Unsere Erwartungshaltung, was den Tourismus betrifft, ist sehr hoch, ist er doch der Markenbotschafter für unser Land. Viele Branchen zählten auf den Tourismus, wie das Lebensmittelgewerbe, der Handel und noch viele andere Branchen. Sie profitieren und investieren ihrerseits, so erklärt sich der unschätzbare Wert der Tourismuswirtschaft im Burgenland. Etwa 17 Prozent der heimischen Wertschöpfung entfällt auf den Bereich Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Unsere Forderung lautet deshalb, dass die Fördermittel dem Tourismus nachhaltig zugutekommen sollen.“

T.A.I.: Zurzeit laufen zwei Sonderförderaktionen („Familie, Wellness, Sport und Outdoor“ sowie „Virtuelle Darstellung des touristischen Angebotes im World Wide Web“). Wo sehen Sie zusätzlichen Bedarf?

Tury: „Impulse sind besonders für Gastronomiebetriebe, die übernommen beziehungsweise von Familienmitgliedern weitergeführt werden, notwendig. Aber auch Beherbergungsbetriebe im 2-Sternebereich brauchen zukunftsweisende Initiativen, wenn sie dem ‚Zeitgeist‘ entsprechend sollen. Um sich als Region besser positionieren zu können, braucht es Anstöße zu einer Angebotsentwicklung im Freizeitbereich, die die Zielgruppen anspricht.“

T.A.I.: Welche Anliegen haben Sie an die neue Bundesregierung?

Tury: „Allen voran geht es uns um Deregulierung, Entbürokratisierung und Auflagenreduktion. Zudem muss Schluss sein mit dem vorauseilenden Gehorsam bei der Umsetzung von EU-Bestimmungen. Die innerstaatliche Gesetzgebung darf nur das umsetzen, was auch wirklich notwendig ist.

Eine weitere Forderung betrifft die Abschaffung des Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetzes sowie des Kumulationsprinzips bei Verwaltungsstrafen. Wir benötigen überdies weitergehende und vereinfachte flexible Arbeitszeitmodelle, die sich an den Kundenbedürfnissen und den Anforderungen der Betriebe orientieren.

Und dann fordern wir gleiches Recht für alle. Es geht uns um ‚Fairplay‘: für unsere Mitgliedsbetriebe sollen bei der Ausübung ihrer gewerblichen Tätigkeit dieselben Ausnahmen und Erleichterungen gelten, wie für alle anderen Marktteilnehmer.

Weitere Punkte betreffen das Budget der Österreich Werbung: es muss abgesichert und aus Budgetmitteln des Bundes erhöht werden. Die Betriebsübergabe muss erleichtert werden und wir treten für eine Entlastung der Besteuerung von Grund und Boden sowie Gebäuden als Betriebsmittel ein. Ebenso fordern wir eine Verkürzung der Abschreibungszeiten (AfA) und wir sprechen uns für die Förderung zusätzlicher alternativer Finanzierungen wie z.B. Crowdfunding aus.“ 

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Erstellt am: 15. Dezember 2017

am Bild: Spartenobmann Helmut Tury, (c) WKB-Mädl

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