Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair organisierte Ende April zwei Mediengespräche in Österreich: Eines in Wien mit dem Ryanair Group CEO, Michael O’Leary (r.), an der Spitze sowie Andreas Gruber (l.), Managing Director der Tochter Laudamotion (bzw. Lauda Europe), und Marcel Pouchain Meyer (Ryanair Country Manager & Head of Communications DAC+) sowie zwei Tage später rund um das 25 Jahre-Jubiläum in Salzburg, an dem neben Andreas Gruber und Marcel Pouchain Meyer auch Salzburgs Flughafengeschäftsführerin Bettina Ganghofer sowie der Aufsichtsratsvorsitzende des Salzburg Airports, Stefan Schnöll, teilnahmen. Der Schwerpunkt da wie dort lag auf der Abschaffung der Flugverkehrsabgabe von 12 Euro.

Zusätzliches Wachstum …

Michael O’Leary forderte bei seinem Auftritt im Hotel Le Méridien Wien sogar eine Entscheidung bis zum 1. Mai 2026, weil danach die Planungen für den Winterflugplan 2026/2027 beginnen würden. Wenn es zu einer Abschaffung der Abgabe käme, sei Ryanair nach O’Learys Worten bereit, „für neues Wachstum an Österreichs Flughäfen zu sorgen, insbesondere in Wien.“ Ryanair will demnach rund 850 Mio. Euro) in Österreich investieren und das Passagieraufkommen bis 2030 um 70 % auf ca. 12 Mio. Fluggäste jährlich erhöhen. Zum Vergleich: 2025 waren es rund 7,05 Mio., wobei der Löwenanteil mit 6,659 Mio. auf Wien entfiel.

Diese Steigerung um 70 % beträfe allerdings nicht nur Wien, sondern auch die Flughäfen in Salzburg, Linz und Klagenfurt, wo Ryanair ab 2030 rund 1 Mio. Passagiere transportieren möchte. Das entspräche sogar einem Plus von 150 %. Die Anzahl der angebotenen Strecken könnte dann insgesamt um 40 auf insgesamt 130 steigen, die Zahl der Beschäftigten in Österreich um 300 auf gut 1.000.

… versus drohende Kürzungen

Wobei laut Andreas Gruber der 1. Mai „keine feste Deadline" sei. Man benötige jedoch zügig Klarheit für die Planung der Wintersaison. Was aber eher wahrscheinlich ist, sind die weiteren Kürzungen des Flugangebots. Ryanair hat bereits die Zahl der in Wien stationierten Laudamotion/Lauda Europe-Flugzeuge von 19 auf 14 zurückgenommen (insgesamt hat die auf Malta ansässige Ryanair-Tochter Lauda Europe 26 Maschinen), die angebotenen Routen sanken um -9 auf 73. Ein vollständiger Abzug von Ryanair sei aber nicht geplant.

Andreas Gruber: „Länder wie die Slowakei, Ungarn, Italien oder Schweden haben ihre Flugabgaben abgeschafft, in Deutschland habe es immerhin eine Senkung gegeben.“

Kein Zusammenhang zwischen Flugabgabe und Passagier-Aufkommen

Die Flugabgabe Österreichs wurde durch das Budgetbegleitgesetz 2011 eingeführt und ist im Flugabgabegesetz (FlugAbgG) geregelt. Die aktuelle Fassung trat am 1. September 2020 in Kraft. Die 12 Euro gelten generell, wobei für Flüge mit einer Entfernung von weniger als 350 km (Inlandsflüge, Utra-Kurzstrecken) sogar 30 Euro pro Passagier anfallen.

Laut VCÖ (Verkehrsclub Österreich) werden in Dänemark für die Mittelstrecke umgerechnet 35 Euro, für die Langstrecke 43 Euro eingehoben. In Deutschland sind es für dieselben Distanzen 39 Euro bzw. 71 Euro, in den Niederlanden pauschal 30 Euro für alle Flüge. In Großbritannien liegt die Spannbreite für Linienflüge Anfang 2026 bei etwa 8 bis 259 Euro, je nach Distanz- und Reiseklasse. Eine aktuelle Studie der europäischen Dachorganisation von Umweltverbänden mit Verkehrsschwerpunkt T&E (Transport and Environment) mit 101 analysierten Flughäfen in Europa kommt zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen Standortkosten und Fluggast-Aufkommen gibt.

Bei Flügen von/nach Österreich sind grob gesagt an Zusatzkosten pro Ticket in Höhe von 50 Euro (Kurzstrecke), über 70 Euro (Mittelstrecke), bis 250 Euro (Langstrecke) zu rechnen, wobei die Flugabgabe relativ niedrig ist. Weitere Gebühren entstehen durch Passagierentgelte an Airports, die Luftsicherheitsgebühr oder jene für Air Traffic Control.

Interessant sind ergänzend dazu folgende weiterführende Berichte:
Österreichs Verkehrsflughäfen

Pax-Rückgang gegenüber 2025, aber viele neue Strecken und Airlines

13. Februar 2026 | Luftfahrt

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