Airports Council International (ACI)

Viel Palermo, bewegendes Odessa und eine starke Ansage aus Innsbruck

Print-Ausgabe 15. April 2022

Andrea Andorno (CEO Flughafen Turin), Marco Pernetta (Geschäftsführer Flughafen Innsbruck) & Olivier Jankovec (Generaldirektor ACI Europe)

V.l.: Andrea Andorno (CEO Flughafen Turin), Marco Pernetta (Geschäftsführer Flughafen Innsbruck) & Olivier Jankovec (Generaldirektor ACI Europe)


 

Auf der jüngsten Konferenz von Europas Regionalflughäfen wurde mit Marco Pernetta der Geschäftsführer des Flughafens Innsbruck zum neuen Vorsitzenden gewählt

Ende März ging in Palermo die 13. Regional Airports Conference & Exhibition des Airports Council International (ACI) über die Bühne. Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Pandemie vor zwei Jahren trafen sich dabei im Teatro Massimo der sizilianischen Hauptstadt Flughafenmanager*innen aus allen Teilen des Kontinents. Auf dem Programm standen für die rund 200 Delegierten so gut wie alle Herausforderungen, die der europäische Luftverkehr derzeit zu bewältigen hat, von der Pandemie über den Krieg in der Ukraine bis hin zum nachhaltigen Luftverkehr.

Aus österreichischer Sicht erfreulich: Marco Pernetta, Geschäftsführer des Flughafens Innsbruck, wurde für die kommenden zwei Jahre zum Vorsitzenden der ACI Regionalflughäfen gewählt, Andrea Andorno (CEO Flughafen Turin) zu seinem Stellvertreter. Es handelt sich mit über 250 Airports um die Mitglieder-stärkste Gruppe von ACI Europe, die insgesamt rund 500 Flughäfen aus 55 Ländern zu ihren Mitgliedern zählt.

ACI Europe Generaldirektor Olivier Jankovec konnte dabei trotz allem mit positiven Meldungen aufwarten, denn trotz einiger Schwierigkeiten, mit denen der Luftverkehr in der EU in den ersten beiden Monaten 2022 kämpfen musste, hat er sich dynamisch erholt. Jankovec: „Das ist vor allem dem Inlandsverkehr zu verdanken.“ Europas größter Inlandsmarkt ist weiterhin Spanien, gefolgt von Italien, Deutschland, Frankreich und UK, das seit dem Brexit bekanntlich kein EU-Mitglied mehr ist und Kopf-an-Kopf mit Norwegen liegt.

Auch die weiteren Erholungsaussichten bleiben laut Olivier Jankovec „für die meisten europäischen Regionalflughäfen ziemlich gut.“ Den aktuellen Plänen der Fluggesellschaften für die Sommersaison 2022 zufolge könne die von den Airlines eingesetzte Kapazität sogar wieder das Niveau von vor der Pandemie übersteigen. Jankovec geht für die Regionalflughäfen sogar von einem kleinen Plus in Höhe von 1,2 bis 2,2 % aus, während die Kapazitäten der größeren Flughäfen deutlich unter diesem Niveau bleiben werden.

Die hohe Nachfrage an den regionalen Airports während der Sommersaison bringe aber auch Probleme mit sich: „Viele Flughäfen benötigen das ganze Jahr über Personal für die saisonalen Spitzen, doch das jährliche Passagieraufkommen liegt immer noch unter dem Niveau von vor der Pandemie“, so Olivier Jankovec. „Dieses Problem muss angegangen werden.“ In welcher Form, darauf ging der ACI Generaldirektor nicht ein.

Dafür warnte er vor einem möglichen Abwärtstrend im Luftverkehr, der in den kommenden Monaten aufgrund des Krieges in der Ukraine einsetzen könnte. Betroffen davon seien ihm zufolge „vor allem Länder wie Zypern, die baltischen Staaten und die bulgarische Schwarz Meer-Küste.“ Für die übrigen europäischen Flughäfen seien diese negativen Verkehrsrisiken vorerst weniger akut: „Der EU-Tourismus wird im Westen blühen, während östliche Regionen mit großen Verlusten rechnen müssen.“

Für generelle Unsicherheit sorgen hingegen steigende Öl- und Rohstoffpreise, die Fluggesellschaften zu Preiserhöhungen veranlassen. „Das verfügbare Einkommen der Haushalte wird so verringert und auch das Vertrauen der Verbraucher*innen und Unternehmen könnte beeinträchtigt werden“, gibt Jankovec zu bedenken.

Für Emotionen sorgte im Rahmen der Konferenz der bewegende Auftritt des kommerziellen Direktors vom Flughafen Odessa, Vyacheslav Cheglatonyev. Er berichtete in seiner mit langem Applaus bedachten Rede über die dramatischen Entwicklungen und Folgen des Kriegs in der Ukraine. Gerade die zivilen Flughäfen und ihre Mitarbeiter*innen seien seit Kriegsbeginn eines der Hauptziele der russischen Angriffe.

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