People‘s

Solider Steigflug im Westen mit Skicharter, Snacks und Sonnenschein

Print-Ausgabe 17. Juni 2022

Thomas Krutzler, CEO People's

„Nach einer anfänglichen Zurück­haltung haben die Passagiere wieder Vertrauen gewonnen“, erklärt Thomas Krutzler (Bild: © People's)


 

Die Buchungslage der Wien-Altenrhein-Flüge weist nach oben, die Sommer-Charter bereiten Freude und die Winterflüge ex Skandinavien hatten eine erfreuliche Premiere

Sie ist Österreichs einzige im privaten Besitz befindliche Linienfluggesellschaft, gilt als Paradebeispiel Vorarlberger Unternehmertums und hat tapfer die Covid-19-Pandemie überstanden: die Fluglinie People’s, die seit Ende März 2011 im Embraer-Jet die Bundeshauptstadt Wien über den Flughafen St. Gallen Altenrhein mit Österreichs Westen bzw. dem Schweizer Osten verbindet. Jetzt geht es wieder aufwärts. Verantwortlich dafür sind neben der steigenden Nachfrage auch das umfangreiche Angebot an Urlaubsflügen sowie ein Bündel an Maßnahmen, das vom People’s-­Team in den zurückliegenden zwei Jahren umgesetzt wurde, wie deren CEO Thomas Krutzler im T.A.I-Interview gegenüber Martin Dichler erklärt.

T.A.I: Wie gut sind Sie rückblickend durch die Corona-Pandemie gekommen?

Thomas Krutzler: „Die letzten zwei Jahre waren sehr turbulent und ein ständiges Auf und Ab, weil es schwer war, einen Flugplan zu erstellen, der der Nachfrage entsprach. Wir haben die letzten beiden Jahre deshalb dazu genutzt, uns strukturell sowie bezüglich Effizienz neu aufzustellen. Die Entscheidung, bereits im Spätsommer 2019 – also noch weit vor Ausbruch der Pandemie – das zweite Flugzeug abzustoßen, war genau der richtige Schritt, wie sich später herausgestellt hat. Insgesamt sind wir primär aus zweierlei Gründen mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen: dank Unterstützung durch Härtefallmaßnahmen und Kurzarbeit-Regelung des Kanton St. Gallen, sowie durch die finanziellen Hilfsgelder Österreichs, wie Fixkostenzuschuss oder Verlustersatz.“

T.A.I.: Gab es während dieser Zeit einmal die Überlegung, den Flugbetrieb der Fluglinie zur Gänze einzustellen?

Thomas Krutzler: „Wir haben uns natürlich diese Frage gestellt und zwar zu einem Zeitpunkt, als das weitere Ausmaß der Pandemie noch völlig ungewiss war. Wir haben uns dann aber entschlossen, das Konstrukt der Holding, mit People‘s Airline, People‘s Flughafen und Immobilien, beizubehalten, mit dem Ziel, gestärkt aus dieser Krise herauszukommen. So haben wir unter anderem die Verträge mit unseren Partnern und Lieferanten neu verhandelt und konnten dadurch die Kosten substanziell reduzieren.“

T.A.I.: Trotzdem bietet People‘s auf den Linienflügen zwischen Wien und Altenrhein weiterhin kostenlose Tageszeitungen, Getränke und Snacks an Bord an. Hier Kosten zu streichen wurde nie angedacht?

Thomas Krutzler: „Grundsätzlich entspricht unser Produkt unseren Qualitätsansprüchen. Diese Frage hat sich deshalb nie wirklich gestellt. Im Gegenteil: Wir sind vor wenigen Monaten eine Kooperation mit einem regionalen, sehr erfahrenen Bäcker- und Cateringbetrieb eingegangen, um damit unser Angebot an Bord spürbar zu verbessern.“

T.A.I.: People‘s fliegt aktuell wieder an sechs Tagen pro Woche zwischen Wien und Altenrhein. Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Buchungslage?

Thomas Krutzler: „Die letzten Wochen waren durchaus zufriedenstellend, wenngleich wir noch weit von den Vor-Corona-Zahlen entfernt sind. Der Mai war der erste Monat, in dem es mit einer Auslastung von rund 60 % funktioniert hat. Wir haben die Zeit der Pandemie ja dazu genutzt, um uns auch tarifseitig neu aufzustellen, um die geringere Nachfrage durch höhere Tarife und somit den Deckungsbeitrag möglichst auszugleichen.“

T.A.I.: Gemeinsam mit Rhomberg und High Life Reisen geht es im Charter ab Alten­rhein heuer wieder zu zahlreichen Sommer­destinationen am Mittelmeer. Wie sieht hier das Buchungsverhalten aus?

Thomas Krutzler: „Hier kann ich nur die Aussagen der Reiseveranstalter zitieren. Der Aufholbedarf der Privatreisenden ist vorhanden, die Buchungseingänge liegen teilweise deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie. Nach einer anfänglichen Zurückhaltung haben die Passagiere wieder Vertrauen gewonnen und buchen auch wieder auf längere Frist bis in den Herbst hinein.“

T.A.I.: Ab Spätsommer wird im Charter erstmals Rennes in der Bretagne ab Altenrhein angeflogen. Sehen Sie Potential für weitere Verbindungen?

Thomas Krutzler: „Mit unserer Embraer können wir ab Altenrhein Destinationen mit einer maximalen Flugzeit von rund 2 Stunden 20 Minuten bedienen. Einige Destinationen in Griechenland oder Italien könnten durchaus von Interesse sein. Wir sind hierzu laufend mit unseren Reiseveranstalterpartnern im Austausch.“

T.A.I.: Seit dem vergangenen Jahr bringen Sie auch skandinavische Ski-Gäste nach Altenrhein. Wie gut hat sich das Geschäft entwickelt?

Thomas Krutzler: „Erste Überlegungen für Skicharterflüge gab es bereits vor drei Jahren. Im vergangenen Jahr haben wir dann gemeinsam mit der SkiTravelGroup das Thema neu aufgegriffen und trotz des schwierigen Umfeldes während der Pandemie ein gemeinsames Investment für die Zukunft gemacht. Für uns war es ein ganz wichtiger Schritt, mit dem Skicharter aus Schweden und Dänemark zu beginnen, denn damit können wir die starke Saisonalität halbwegs ausgleichen. Das Feedback der Gäste, die weiter in die nahegelegenen Skigebiete in Österreich reisten, war sehr erfreulich. Die Passagiere waren vom Produkt unserer Fluglinie und von den kurzen Wegen auf unserem Flughafen mehr als begeistert.“

Bild: © People's

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