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Luftfahrtsymposium 2019

Mehr Biene oder eher Wespe? Drohnen halten die Luftfahrt in Atem

Print-Ausgabe 20. September 2019

Prominent besetzt: das Panel bei der Podiumsdiskussion am diesjährigen Luftfahrtsymposium
© Fotos: ÖLFV/Fotos Sabine Klimpt

Mit dem Thema „Drohnen – Bedrohung oder Innovationstreiber für die Zivilluftfahrt“ landete der Luftfahrtverband in mehrfacher Hinsicht einen Volltreffer

Der 11. September (9/11) ist nicht unbedingt ein Datum, das in der Luftfahrt positive Assoziationen hervorruft. Heuer fand exakt an diesem Tag das 18. Luftfahrtsymposium des Österreichischen Luftfahrtverbandes statt. Zufall oder nicht: Das Generalthema „Drohnen – Bedrohung oder Innovationstreiber für die Zivilluftfahrt“ war aufgrund seiner Brisanz bestens gewählt und erhielt wenige Tage später höchste Aktualität, denn am Angriff gegen die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens, der die Rohölpreise umgehend nach oben schnellen ließ (sie liegen trotzdem noch um ca. 14 Prozent unter dem Niveau vor einem Jahr), waren auch 20 Drohnen beteiligt.

Der militärische Einsatz dieser unbemannten, ferngelenkten Fluggeräte ist nichts Neues. Die jetzigen Drohnen-Angriffe waren aber die bislang folgenschwersten – samt Ankündigung, dass die „nächste Operation noch größer und schmerzhafter“ ausfallen werde.

Beim Luftfahrtsymposium ging es logischer Weise nicht um kriegerische Einsätze, sondern um die zivile Nutzung: Drohnen als Spielzeug von Privatpersonen sowie in Form von Arbeitsdrohen mit vielseitigen Anwendungsgebieten. Sie sind in der Lage, Aufgaben auszuführen, die bis dato von Hubschraubern übernommen werden mussten. Die Bandbreite reicht von Kontrollflügen entlang von Starkstromleitungen, Geländeumzäunungen (z. B. am Köln/Bonn Airport) oder Gleisanlagen, über Suchaufgaben bei maritimen Rettungen und Hochwässern, bis hin zu Feuerwehr- oder Polizeieinsätzen sowie Film- und Fotoaufnahmen etc.

Auch die Zivilluftfahrt setzt vermehrt auf Drohnen: Austrian Airlines nutzt neuerdings eine mit speziellen Kameras und Sensoren ausgestattete Arbeitsdrohne zur Kontrolle von Lackierung und Außenhaut (Kratzer, Dellen, Lackabsplitterungen und Folgen von Blitzeinschlägen) ihrer Jets. Die dadurch erreichte Arbeitszeitersparnis beläuft sich je nach Flugzeuggröße auf zwei bis acht Stunden.

Probleme bereiten Drohnen laut Luftfahrtverbands-Präsident Peter Malanik vor allem bei Einsätzen in Flughafennähe, wie in Heathrow oder Frankfurt, wo die Flugbetriebe für Stunden gesperrt werden mussten. Drohnen kommen zudem oft gefährlich nahe an startende oder landende Flugzeuge: die Zahl an derartigen gefährlichen Drohnen-Sichtungen durch Piloten erreichte in Deutschland im Vorjahr 158 Fälle, ein Plus von 80 Prozent gegenüber 2017. Für Peter Malanik ist es deshalb unbedingt notwendig, speziell für den privaten Gebrauch „noch mehr entsprechende Regularien und Gesetze länderübergreifend einzuführen“ – von Flugbeschränkungen (z. B. absolutes Flugverbote in Flughafenzonen) bis hin zur Meldepflicht und Drohnenführerschein.

Aktuell finden über Europa laut Günter Martis, Gründer und Eigentümer der in Brüssel tätigen Air Traffic Consulting, täglich rund 35.000 Flüge mit Drohnen statt („autonomes Fliegen“). Bis 2050 wird sich diese Zahl auf ca. 68.500 nahezu verdoppeln. Der vermehrte Einsatz von Sicherheitssystemen wie Kollisionswarnung, digitale Landkarten, GPS-Navigation, etc. könnte den Weg in Richtung autonomes Fliegen beschleunigen. Gefordert ist auch die ATC (Air Traffic Control). Reine Radar­überwachung und herkömmlicher Funksprechverkehr reichen kaum mehr aus. Eine Luftraumoptimierung würde Kosten und Flugverspätungen reduzieren sowie die CO2 Reduktion auch der Umwelt zu Gute kommen.

In Österreich gibt es nach Angaben von Austro Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl aktuell rund 100.000 Drohnen, die Mehrheit davon privat („Spielzeug“) und nicht registriert. Die 2014 eingeführten Bestimmungen für den Gebrauch (je nach Gewicht, Größe und Antriebsart) werden derzeit überarbeitet und 2020 durch neue Vorgaben ersetzt (zwingende Registrierung aller Drohnen, Haftpflichtversicherung sowie Befähigungsnachweis/Drohnenführerschein).

Einig waren sich alle Referent­Innen beim 18. Luftfahrtsymposium, – zu ihnen zählten auch Richard Schenz, Vorsitzender des Infrastrukturausschusses in der Industriellenvereinigung, und Jens Carsten, Vorstandsmitglied des Verbandes für unbemannte Luftfahrt – dass Drohnen verstärkt Partner und Teil der allgemeinen Luftfahrt sein werden, der Einsatz von autonomen Fluggeräten für den gewerbsmäßigen Transport von Menschen – Stichwort Flugtaxi – allerdings noch relativ lange dauern wird. Erste Probeflüge finden aber bereits statt, wie jüngst in Stuttgart oder – so die aktuelle Planung – im Frühjahr 2020 in Österreich. Die österreichische FACC hat in Kooperation mit dem chinesischen Technologieunternehmen EHang ein Drohnentaxi entwickelt, von dem in den nächsten zwei Jahren 300 Einheiten hergestellt und weltweit ausgeliefert werden sollen. Ob die FACC-Prognosen zutreffen (bis 2025 weltweit 3.000 elektrisch betriebene Passagierdrohnen mit rund 100.000 Passagieren pro Jahr, 2050 soll es bereits 98.000 Passagierdrohnen geben), wird sich zeigen.

>Den Abschluss des diesjährigen Luftfahrtsymposium bildete eine kurze Rede sowie ein Statement von Andreas Reichhardt, Bundesminister für Verkehr, Innovation & Technologie: „Ich bin überzeugt, dass diese neue Drohnentechnologie eine Chance für Österreich und deren Industrie darstellt. Wir sind hier gut aufgestellt, mit Top-Firmen und MitarbeiterInnen in der Produktion wie Forschung, um auch auf diesem Gebiet weiterhin international reüssieren zu können“. 

Vorne v.l.: Alexis von Hoensbroech / CEO Austrian, Andreas Reichhardt / Bundesminister für Verkehr, Innovation & Technologie sowie Peter Malanik / Präsident Öster­reichischer Luftfahrtverband mit einer Arbeitsdrohne

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