Sustainable Aviation Fuel (SAF)

Kapazitäten halten mit dem tatsächlichen Bedarf nicht Schritt

Print-Ausgabe 13. März 2026

Laut Willie Walsh gibt es von Seiten der Politik „keine ausreichenden Maßnahmen, um das ‚Net Zero‘ Engagement zu unterstützen“ (Foto: © IATA)

Bis 2023 dürften fast 50 % der benötigten Menge an SAF fehlen, um den weltweiten Bedarf an nachhaltigem Kerosin zu befriedigen

Beim „World Sustainability Symposium“ (WSS) Ende vorigen Jahres ging es darum, die Bemühungen der Luftfahrtbranche rund um das Ziel der Netto-Null-CO₂-Emissionen bis 2050 zu intensivieren. Denn laut Willie Walsh, dem Generaldirektor der IATA (International Air Transport Association), gibt es insbesondere von Seiten der Politik „keine ausreichenden Maßnahmen, um dieses Engagement zu unterstützen“. Das Symposium war insofern erfolgreich, als am Ende klar adressiert wurde, dass „das Hochfahren der SAF (Sustainable Aviation Fuel) Produktion weiter vorangetrieben werden muss und die Luftfahrt eine stärkere politische Unterstützung benötigt, um Investitionen in neue SAF-Anlagen auszulösen.“ T.A.I. hat sich schlau gemacht, wieviel SAF die Airline-Industrie zur Verfügung hat und wie groß der tatsächliche Bedarf wäre – jetzt und in Zukunft.

Aktuellen Prognosen zufolge liegt die weltweite SAF-Produktion 2026 bei etwa 2,4 Mt (Millionen Tonnen). Vor zwei Jahren waren es noch ca. 1,0 Mt. Doch auch mit den aktuellen Werten beträgt der SAF-Anteil am Weltverbrauch nur rund 0,8 %. Es besteht also derzeit eine erhebliche Versorgungslücke.

Mit Start der „ReFuelEU“-Quote Anfang vorigen Jahres wurde die verbindliche Beimischung von SAF verpflichtend festgelegt. Heuer sind es 2 %, was einem Volumen von 1,4 Mt entspricht. Die Produktion innerhalb der EU (etwa 1,4 Mt) reicht damit gerade aus, um die EU-Eigenquote zu decken. Ab 2030 sieht die „ReFuelEU“-Quote dann 6 % vor.

Laut IATA-Schätzung soll die weltweite SAF-Nachfrage bis 2030 auf etwa 17 bis 22 Mt pro Jahr ansteigen, was in etwa einer Verzehnfachung gegenüber dem heutigen Wert entspricht. Um bis 2050 das angestrebte Ziel der Netto-Null-Emissionen zu erreichen, schätzt die IATA die dann benötigte Menge auf etwa 450 bis 500 Mt SAF pro Jahr.

Doch bereits im Vorjahr überstieg das Interesse der Airlines trotz hohem Preis das tatsächliche Angebot (SAF ist 3- bis 5-mal so teuer wie fossiles Kerosin). Zwar sind bis Ende des Jahrzehnts über 170 Projekte zur SAF-Herstellung geplant, doch deren Umsetzung ist noch unsicher. Um den Bedarf bis 2030 decken zu können, wären Investitionen von etwa 100 Mrd. Euro in die Produktionsinfrastruktur erforderlich.

In Österreich wird SAF in vergleichsweise geringen Mengen produziert. Als Standort hat die OMV dafür die Raffinerie Schwechat gewählt, um biogene Rohstoffe direkt im Kerosinerzeugungsprozess mitzuverarbeiten. Aktuelle Schätzungen sprechen von rund 20.000 bis 30.000 Tonnen SAF jährlich, die für Austrian Airlines sowie andere Partner der Lufthansa Group hergestellt werden. Sie gelangen über eine Pipeline zum Flughafen Wien (die Bundesländer-Airports werden über die Straße beliefert). Die OMV plant, die SAF-Produktion massiv hochzufahren. Das Ziel liegt bei über 700.000 Tonnen pro Jahr.

Weltweit gilt die Lufthansa Group als einer der größten Abnehmer von SAF. Die diesjährige Pflichtmenge liegt bei ca. 200.000 Tonnen, doch werden es tatsächlich deutlich mehr sein. Auch Air France-KLM nutzt SAF intensiv. Erst vor kurzem wurde der Bau der ersten SAF-Fabrik in den Niederlanden gestartet, die ab 2028 jährlich rund 100.000 Tonnen produzieren soll. Die IAG (International Airlines Group) setzt ebenfalls auf SAF. 2025 waren es etwas mehr als ca. 300.000 Tonnen, was jedoch nur eine grobe Hochrechnung ist.

International gilt United Airlines als einer der führenden Investoren in SAF-Technologien (die US Airlines nutzen nachhaltiges Kerosin vor allem an Drehkreuzen der US-Westküste, wo die Infrastruktur bereits besser ausgebaut ist), ebenso Air Canada (sie hat Verträge über zehntausende Tonnen SAF geschlossen, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu stützen) und Cathay Pacific. Auch Japans ANA (All Nippon Airways) und Emirates setzen auf SAF und bauen ihre Nutzung weiter aus. Emirates unterzeichnete etwa 2025 eine Vereinbarung, um eine großangelegte Lieferkette in Dubai aufzubauen. ANA gilt als Vorreiter in Asien.

Soweit die Airlines. Doch die benötigten Kapazitäten halten mit dem tatsächlichen Bedarf nicht Schritt. Die IATA geht davon aus, dass die SAF-Produktion 2026 leicht an Dynamik verlieren wird, da politische Förderungen in vielen Regionen (außer der EU) schwach sind. Bereits jetzt wird deshalb von der 2030-Lücke gewarnt: Bis Ende des Jahrzehntes wird der globale Bedarf auf ca. 46 Mt SAF geschätzt, doch aktuelle Schätzungen sprechen davon, dass bis dahin maximal 24 Mt zur Verfügung stehen. Es fehlen 2030 also fast 50 % der benötigten Menge.

Interessant ist ergänzend dazu folgender weiterführender Bericht:
„World Sustainability Symposium“

„Deutliche Beschleunigung des SAF-Wachstums dringend nötig“

17. Oktober 2025 | Luftfahrt

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