Austrian Airlines

„Back on track“ mit Lichtblicken, Leisure, Lieferketten & Langstrecke

Print-Ausgabe 20. Mai 2022

Bei den Ticketpreisen „orientieren wir uns, was der Markt bereit ist zu geben“, berichtet Michael Trestl


 

Der seit Mitte März bestehende Schwung bei Buchungen und Auslastung setzt sich im zweiten Quartal 2022 fort – im Geschäftsreise-Segment tut sich Bemerkenswertes

Wie geht es Austrian Airlines? Lufthansa CEO Carsten Spohr hatte die Österreich-Tochter in seiner Hauptversammlungsrede Mitte Mai zweimal erwähnt – im Zusammenhang mit dem Call Center in Lwiw und als es um den starken Trend zu Urlaubsreisen ging –, was aber zu wenig war, um Antworten auf diese Frage zu finden. Grund genug, um im Zuge eines Teams-Meetings mit Austrian Airlines CCO (Chief Commercial Officer) Michael Trestl mehr in die Tiefe zu gehen. Der hatte wenige Tage zuvor gemeinsam mit COO (Chief Operating Officer) Francesco Sciortino die Ergebnisse des ersten Quartals 2022 präsentiert, inkl. kurzem Statement der neuen CEO Annette Mann, mit der laut Trestl „eine super Zusammenarbeit“ besteht.

Erstes Stichwort: Staatshilfen. Laut Carsten Spohr wurden diese von Lufthansa nach der Kapitalerhöhung vollständig an die deutsche Bundesregierung zurückgezahlt und auch in der Schweiz „stehen wir kurz davor, den Kredit des Bundes für SWISS und Edelweiss vollständig zurückzuzahlen.“ Wie sieht es diesbezüglich bei Austrian
Airlines aus? „Wir sind mit der Tilgung im Plan. Noch sind 240 Mio. Euro aushaftend, die nächste Tranche von 30 Mio. Euro zahlen wir Ende des zweiten Quartals zurück. Wir halten an unserem Rückzahlungsmodus fest, so wie er geplant war“, so Trestl.

Die Kurzarbeit beim operativen Personal (Cockpit, Kabine) ist seit Ende März vorbei, die adminis-
trativen Mitarbeiter*innen folgen Ende Mai. „Dann ist das gesamte Unternehmen aus der Kurzarbeit draußen“, betont Trestl. Was bleibt, ist der „Krisen-Kollektivvertrag“, der seinerzeit „zur Überwindung der Corona-Krise und zur Sicherung des Fortbestands von Austrian Airlines“ bis Ende 2024 (Bord) bzw. bis Ende 2023 (kaufmännisches und technisches Personal) vereinbart wurde, jeweils mit Inflationsanpassungen beim Auslaufen. „Alles wurde sozial gestaffelt“, unterstreicht Trestl.

Noch ein paar Worte zum ersten Quartal? Trestl: „Bemerkenswert war, dass wir ab Ankündigung der Lockerungen der Corona-Maßnahmen Mitte März einen sehr deutlichen Aufschwung hatten. Wir haben fast viermal so viele Passagiere befördert, wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Produktion und Confidence im Markt sind unheimlich schnell gestiegen. Und wir konnten diesen Schwung ins zweite Quartal mitnehmen.“

Der Peak rund um Ostern stellte „die erste hohe Bewährungsprobe für uns und die Systempartner, wie den Flughafen Wien“ dar, mit „über 90 % Auslastung zu Warmwasserzielen und fast 100 % auf die Malediven und nach Mauritius.“ Auch der „Sommer stimmt uns positiv. Da kommt was rein, es wird gebucht.“ Bei einigen Strecken liege das Buchungs-Niveau bereits über jenem von 2019 und die Feiertage im Mai sowie Juni seien „super gebucht.“

Dies betreffe auch das Geschäftsreise-Segment, wobei Michael Trestl einen Trend als „bemerkenswert“ bezeichnet: „Es besteht die Tendenz zu mehr Premium. Die Firmen erlauben ihren Mitarbeiter*innen wieder mehr Komfort.“ Ebenso begünstigen „die aufgestauten Travel-Budgets“ der Unternehmen diese Entwicklung.

In Europa seien die Mittelmeer-Strecken „super, um 20 % über dem Vorkrisen-Niveau.“ Ebenso sei der Städte-Tourismus im Kommen, allen voran zu Metropolen wie Paris, London, Amsterdam und nach Deutschland sowieso. „Wir merken, dass da Volumen kommt, auch nach Italien.“ Der Fokus liege sowohl bei Leisure als auch bei den Corporates noch im Point-to-Point Verkehr, wobei teilweise „auch schon Umsteiger mehr“ würden.

Im Intercont-Bereich entwickle sich Nordamerika (großteils mit Boeing 767-300ER) vielversprechend, mit „Ladefaktoren und Preisniveaus, die Freude machen.“ So wurde erst Anfang Mai eine zusätzliche Frequenz mit der Boeing 777-200 nach Los Angeles in die Systeme gestellt (Anfang Juli bis Ende September 2022 sechs- anstatt fünfmal pro Woche), wobei es „bei den neuen Flügen zum Teil schon 80 Buchungen nach nur einem Tag gab und das nicht zu Ramschpreisen.“

Asien hinke hinterher, allen voran China (aktuell nur ein Flug pro Woche nach Shanghai), das „sehr volatil und instabil in der Handhabung“ sei. Dies aufgrund der sehr einschränkenden Verkehrsrechte von Seiten der Volksrepublik. Cockpit- und Cabin-Crews müssen vor Ort in Quarantäne-Hotels. Wenn die Passagierflüge aufgrund von festgestellten Corona-Infektionen untersagt sind, „dann fliegen wir nur Cargo. Das Aufkommen ist aber so hoch, dass das den Flug trägt.“

Ein „kleiner Lichtblick in Asien“ (sowohl bezüglich Fracht als auch Kabine) ist laut Michael Trestl Japan. Die Strecke nach Tokio/Narita wurde Mitte voriger Woche wieder aufgenommen. Geflogen wird mit Boeing 767-300ER dreimal pro Woche, allerdings mit „alternativem Routing“ (wegen Russland), wodurch der Flug jetzt 14 (statt 11) Stunden dauert, mit vier Mann im Cockpit sowie einer verstärkten Cabin-Crew.

Nach Bangkok geht es mit der Boeing 777-200 wieder täglich: „Wir fliegen fast wieder normal. Es war überraschend, wie das im ersten Quartal angelaufen ist. Bangkok ist wieder „back on the radar‘.“

Bleibt als vorletzte Frage jene nach der Flottenerneuerung. Von den bereits angekündigten vier Airbus A320neo für die Mittelstrecke werden nach aktuellem Stand zwei noch heuer ausgeliefert (Trestl: „Das hat sich verzögert, auch die Flugzeughersteller sind von den Lieferketten abhängig“). Und wie steht es um die Langstrecke? Carsten Spohr erwähnte in der Hauptversammlungs den am Tag davor bekannt gegebenen Kauf von weiteren 17 Boeing Langstrecken-Jets. Michael Trestl: „Wir sind mit unserer Boeing 767-Flotte bis 2025/2026 gut bestückt, mit den 777 sogar noch länger.“

Und wie steht es um die Ticketpreise? Womit ist hier zu rechnen? Michael Trestl: „Wir orientieren uns, was der Markt bereit ist zu geben.“ Durch die Preispolitik der Low Coster habe sich diese „in der Vergangenheit nicht an den Kosten orientiert, sondern daran, was der Wettbewerb ermöglichte.“ Dies wäre für die Billig-Airlines „nicht sehr erfolgreich“ ausgegangen. Der starke Anstieg der Treibstoffkosten (rund ein Drittel der Aufwendungen) habe die Situation verändert: „Preisanpassungen, um zumindest kostendeckend zu Fliegen, sind notwendig.“

Wie also geht’s Austrian Airlines? Dem Gespräch zufolge den Umständen entsprechend gut. Und das ist deutlich mehr, als noch vor wenigen Wochen zu erwarten war. Wie genau sich all dies auf das Finanzielle auswirkt, sollte sich spätestens bei der Ergebnis-Präsentation des zweiten Quartals 2022 am 4. August zeigen. T.A.I. wird berichten.

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