Print-Ausgabe 17. April 2026

„Weitere Schiffe sind momentan nicht geplant, aber für 2029/30, da wollen wir neue Ziele ansteuern“, so Gebhard Rainer (Foto: © HX Expeditions)
Der Expeditions-Spezialist will in drei Jahren expandieren – die neue Eigenständigkeit wurde dazu genutzt, noch direkter und schneller auf den Markt reagieren zu können
Zu ihrem 130. Geburtstag – seit 1896 bringt sie Reisende zu den entlegensten Orten der Welt – wird HX Expeditions Anfang Mai 2026 auf dem Hybrid-Expeditionsschiff Fridtjof Nansen den größten Expeditions-FAM-Trip in der Geschichte der Reisebranche abhalten. Ziel des zweitägigen Kurztrips ist die Nordseeinsel Helgoland. „Wir werden dabei einen vollständigen Expeditionstag realitätsnah abbilden, inklusive Landgängen, Wildtierbeobachtungen, Wissenschaftsmodulen und Expertenvorträgen“, so HX Expeditions-CEO Gebhard Rainer, der nicht müde wird, auf den Unterschied zwischen Expeditionen und Kreuzfahrten hinzuweisen. „Eine Expedition ist keine Kreuzfahrt“, so Gebhard Rainer gegenüber T.A.I.
Wieso? „Bei Expeditionen ist das Schiff nur Transportmittel, die Destinationen sind dort, wo wir hinwollen. Bei einer Kreuzfahrt ist die Destination das Schiff.“ Wobei Gebhard Rainer festhält, dass „beides seine Berechtigung und seine Gäste habe. Und beide müssen auf höchstem Niveau agieren.“
HX Expeditions geht sogar noch einen Schritt weiter: Jedes der fünf HX Expeditions Schiffe (neben den beiden Hybrid-Schiffen für je 490 Gäste MS Fridtjof Nansen und MS Roald Amundsen sind dies die MS Spitsbergen und die MS Fram, die alle im Besitz des Unternehmens stehen, sowie die gecharterte, auf das Einsatzgebiet Galapagosinseln konzentrierte MS Santa Cruz II) hat eigene Wissenschaftler an Bord. HX arbeitet mit mehr als 30 wissenschaftlichen Instituten weltweit zusammen und hat unter seinen rund 1.000 Mitarbeiter:innen mit der schweizerisch-mexikanischen Biologin Verena Meraldi eine eigene Wissenschaftliche Leiterin. „Ihre Aufgabe ist es, das Wissenschafts- und Bildungsprogramm für unsere Gäste und die breitere wissenschaftliche Gemeinschaft weiterzuentwickeln und leitend mitzugestalten. Für uns sind Wissenschaft und Bildung essenziell“, so Gebhard Rainer.

MS Fram
Während im Winter vier der Schiffe die südliche Hemisphäre erkunden, bleibt die MS Spitsbergen (maximal 150 Gäste) das ganze Jahr über im Norden, um hier im Winterhalbjahr die beeindruckenden Nordlichter zu bewundern. HX Expeditions gibt dabei das „Nordlicht-Versprechen“ ab, bei dem Gäste, sofern während der Expeditions-Seereise keine Nordlichter vom Schiff aus gesichtet werden, ein Guthaben von bis zu 1.200 Euro pro Person für eine neue Seereise mit HX Expeditions geschenkt werden.
Im Sommer erkunden vier Schiffe den Norden von den schottischen Inseln bis in die hohe Arktis nach Spitzbergen, Grönland, Alaska und die Nordwest-Passage, während die Santa Cruz II (90 Gäste) weiterhin durch die faszinierende Welt der Galapagosinseln fährt.
HX Expeditions ist seit rund eineinviertel Jahren komplett eigenständig (davor Teil der Hurtigruten-Gruppe). Sitz ist London, ein Call Center befindet sich in Prag. Wobei die Führungsschicht laut Gebhard Rainer „vereinfacht wurde. Es gibt weniger Büroleiter. Wir sind jetzt viel direkter und können schnell Entscheidungen treffen.“ Ebenso wurde das Produkt optimiert, mit deutlichen Verbesserungen im Bereich der Antarktis-Expeditionen: „Das war früher ein Schmerzpunkt.“

MS Spitsbergen
Wie steht es mit weiteren Schiffen für HX Expeditions? „Momentan nicht“, sagt Gebhard Rainer, „aber für 2029/2030, da wollen wir neue Ziele ansteuern.“ Derzeit sind es Reisen zu 250 Zielen in mehr als 30 Ländern. Wobei sich HX Expeditions weiterhin auf die Nische der Expeditionen konzentrieren wird. Derzeit sind 75 bis 88 Expeditionsschiffe weltweit im Einsatz (Gebhard Rainer zufolge sind es gar nur um die 50, die als „echte“ Expeditionsschiffe gelten) und es kommen nur wenige dazu, die neu gebaut werden. „Wobei es viele Mitbewerber gibt, die es nicht schaffen“, wie die Ende vorigen Jahres insolvent gewordene Exploris Expeditions & Cruises. Gebhard Rainer: „Wir werden uns die gestrandeten Mitbewerber genau ansehen, auch deren Schiffe“, denn die Werften in Europa „sind bis 2032/2033 alle voll.“
Als wichtigste Mitbewerber sieht Gebhard Rainer die Lindblad Expeditions (24 Schiffe, durch die Partnerschaft mit dem Magazin „National Geographic“ USA-lastig), Ponant (8 der 15 Schiffe umfassenden Flotte sind im Expeditionsbereich angesiedelt) und Hapag-Lloyd Cruises (3 der 5 Mitglieder großen Flotte sind Expeditionsschiffe), „die sehr stark im deutschsprachigen Markt ist.“
Zeitdruck für die Expansion verspürt Gebhard Rainer jedenfalls keinen: „Wir haben die jüngste Flotte der Industrie.“ Die beiden Hybridschiffe haben die Baujahre 2019 und 2020, MS Fram sowie MS Spitsbergen wurden beide 2025 renoviert und MS Santa Cruz II im Jahr 2021.

MS Fridtjof Nansen
Erstellt am: 17. April 2026
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