T.A.I. live vor Ort auf den Seychellen

Cruise-Trip durch die Insel-Idylle mit Segeln, Schnorcheln und Relaxen

Print-Ausgabe 15. April 2022

Sea Star von Silhouette Cruises

Auch Taucher*innen kommen bei den Trips von Silhouette Cruises auf ihre Rechnung – es gibt keine bessere Art, die Vielfalt der Seychellen kennenzulernen

Nicht die Hardware, sondern die Software ist entscheidend. Das gilt auch in der analogen Welt, besonders in der Touristik. Ein hervorragendes Beispiel dafür liefert Silhouette Cruises auf den Seychellen: Die Dreimaster des Mini-­Kreuzfahrtunternehmens (drei Großsegler für maximal 18 Gäste) sind charmant, aber keinesfalls state-of-the-art. Die neunköpfigen Crews dafür umso mehr.

„Lächeln ist ansteckend“, betonte Skipper Randy (er möchte nicht Captain genannt werden) zur Begrüßung jener von Kreuzfahrt-Experten John Will initiierten individuellen Tour, bei der T.A.I. Mitte März Gelegenheit hatte, Produkt, Land und Leute kennenzulernen. Randy hatte mit seinen Worten Recht, ebenso mit der Ankündigung, dass die internationale Gäste-Truppe (sechs Französ*innen, zwei Deutsche, sechs Österreicher*innen) zu einer Familie zusammenwachsen werde.

„Hakuna matata“

Die Anreisen erfolgten mit Qatar, Turkish und Emirates sowie mit Air Austral (einer der Teilnehmer kam von La Réunion). Der Transfer vom Seychelles International Airport (SEZ) zum Einschiffungshafen ist kurz. Wobei „Hafen“ im Falle der Silhouette Cruises etwas zu hoch gegriffen ist: Es handelt sich eher um eine einfache Anlegestelle. Spätestens dann wird klar, dass bei der Hardware Abstriche gemacht werden müssen.

Die „Sea Star“, eine 40 Meter-Yacht mit drei Masten und fünf Bermuda-­Segeln, Holz-Innenausbau und neun Gästekabinen, kommt am frühen Samstagmorgen in den Abfahrtshafen retour, gefolgt von Gäste-­Checkout und Beladen bzw. Vorbereitung für den nächsten Trip.

Um die Zeit bis zum Ablegen kurzweilig zu gestalten, lohnt ein Kurzbesuch des Zentrums der Seychellen-­Hauptstadt Victoria (ca. 20 Minuten zu Fuß) mit ihrem samstägigen Markt. Spätestens da fallen die Reste des stressigen Zu-Hause-Alltags ab, inklusive Eintauchen in die Welt des „hakuna matata“ (sinngemäß: Es gibt keine Probleme/Schwierigkeiten, die Sorgen bleiben immer fern).

Dem Boarden der „Sea Star“ folgt noch ein kurzer Rückfall ins gewohnte Stressleben: Kabine eher klein, wenig Stauraum, alles ein wenig „shabby“, dafür jede mit eigenem Bad (Dusche, WC). Und die oben erwähnte herzliche Begrüßung stand im Kontrast zum eher uncharmanten (allerdings teak-­getäfelten) Speisesaal. „Hakuna matata“. Natürlich zu viel fürs Bordleben eingepackt. Kurze Hosen, T-Shirts, Badekleidung und für den Abend ein paar Leinenhemden reichen. Schuhe? An Bord nicht benötigt (da alle barfuß), für Landausflüge reichen leichte Schuhe oder oft nur Flipflops.

Schnorcheln & Tauchen, Inselerkun­den, Relaxen

Dann beginnt’s. Relaxen pur. Die Frage: Wie kann man anders Seychellen-­Urlaub verbringen als auf einem der drei Silhouette Cruises-­Segler (neben der 20-jährigen „Sea Star“ der ebenso alte 42 Meter lange Zweimaster „Sea Bird“ mit ebenfalls neun Kabinen inkl. Bädern, sowie die 100 Jahre alte, romantische „Sea Pearl“ mit acht Kabinen sowie vier Gemeinschaftsduschen und drei Gemeinschafts-WCs)? Die Antwort liegt auf der Hand. Denn bei den Seychellen handelt es sich um insgesamt 115 Inseln, die sich über 1200 km zwischen dem 4. und 10. Breitengrad südlich des Äquators erstrecken. Wobei sich die Segel-­Kreuzfahrten von Silhouette Cruises auf die „Inner Islands“ (32 Inseln) konzentrieren, von denen Praslin, La Digue, Aride und Curieuse sowie die Privatinsel „Grand Soeur“ angefahren werden – jede mit einzigartigem Charakter.

La Digue mit ihrem Nationalpark wird auf dem Fahrrad erkundet, Praslin besticht mit dem UNESCO-­Weltnaturerbe-Nationalpark „Vallée de Mai“, wo die einzigartige, zweigeschlechtliche Kokos-Nuss „Coco de Mer“ ihre Heimat hat (sie hat Form und Aussehen der Hüftregion von Frauen, das männliche Gegenstück erinnert in seiner Formgebung an ein überdimensionales Prachtexemplar der Männer). Auf Aride entdecken die Gäste in einem weiteren Nationalpark die grandiose Vielfalt der Vogelwelt und auf Curieuse regieren Riesen-Schildkröten.

Die Besuche von täglich einer anderen Insel sind absolute Highlights und ein „Must“ für jeden Seychellen-­Aufenthalt. In keiner anderen Form ist es möglich, die extrem junge Republik (1770 durch Menschen erstmals besiedelt, seit 1976 unabhängig; Landessprachen sind Französisch und Englisch sowie Seychellenkreol) in ihrer Vielfalt kennen, leben und lieben zu lernen.

Der Tag an Bord eines Silhouette-­Seglers beginnt um 7 Uhr früh mit einem Schnorchel- bzw. Tauch­ausflug (Equipment ist vorhanden, eigenes mitzunehmen empfiehlt sich jedoch, erstklassige Tauch-­Instruktoren), gefolgt von einem einfachen aber exquisiten Frühstück (wie alle Bordmahlzeiten und BBQs wirklich großartig), Insel­trip, Nachmittags-Schnorchel- und -Tauchtour, Relaxen an Bord, Night-Dive (tägliches Highlight für die Taucher*innen) und gemütlichem Abendessen. Um spätestens 10 Uhr abends sind dann alle so müde, dass die Schlafenszeit anbricht (einige genossen sie an Deck). Für Taucher*innen sind die maximal 15 Meter tiefen Tauchgänge eher einfach, die Vielfalt der Meeresbewohner hingegen atemberaubend, auch für Schnorchler*innen: Kleine Haie, Wasserschildkröten und Rochen sind keine Seltenheit, der Fisch­reichtum großartig.

Jugendtraum, Pandemie und Restart

Bei den Silhouette-Schiffen handelt es sich um umgebaute Fischkutter, womit sich Geschäftsführer und Gesellschafter Amit Wasserberg einen Jugendtraum erfüllte: „Meine Idee war es, den Charme der Seychellen mit der Romantik des Segelns zu verbinden“, erzählte der gebürtige Israeli im Gespräch mit T.A.I. Nach seiner fünfjährigen Marine-Dienstzeit heuerte er als Kapitän auf Dreimastern an, kam 1991 erstmals mit den Seychellen in Berührung, shipperte danach sechs Jahre auf diversen Weltmeeren, um 1997 zusammen mit Investoren Silhouette Cruises zu gründen. Den Anfang bildete die (mittlerweile nach Südafrika verkaufte) „Sea Shell“. 1999 folgte deren Schwester „Sea Pearl“, 2004 die „Sea Star“ und 2007 die „Sea Bird“. Zwei Motorschiffe (ein Research-Boot und ein kanadisches Fischerboot für Gäste) komplettieren die Flotte.

Die Pandemie brachte für Amit Wasserberg und sein 70-köpfiges Silhouette-Team (vier im Büro, 12 in der Maintenance) eine große Zäsur. Sieben Monate half der Staat aus (Stützung von 60 % der Gehälter), danach musste sich jedes Unternehmen selbst über Wasser halten. „Wir haben immer einen Monat gearbeitet und dann drei Monate pausiert“, erinnert sich Wasserberg, der in dieser Zeit auf Premium-Gäste setzen konnte, die mit dem Privatflugzeug anreisten: „Die sind immer gekommen.“ Der Restart folgte dann im März 2021, mit anfänglich wenig Gästen (vor allem aus Russland und Israel). März und April 2022 laufen gut, wobei Amit Wasserberg „ein paar Bedenken für den Sommer wegen der Ukraine“ hat.

Es werden auch Special Cruises mit Standup-Paddeln, Kajaks oder nur für Taucher*innen offeriert. Für die Zukunft plant Amit Wasserberg Touren mit Fotografie-Kursen oder Yoga. GSA für die DACH-Länder ist moana concepts in Frankfurt (www.moana-concepts.de, info@moana-concepts.de).

Perfekte Art, die Seychellen zu bereisen

Zurück zum „Sea Star“-Trip: Der Abschied tat, wie von Skipper Randy zu Beginn der Reise angekündigt, weh. Weniger schmerzt er, sofern der Tag zwischen De-Boarden und Abflug für einen Aufenthalt in einem Resort-Hotel genutzt wird (im Falle der T.A.I. im charmanten Augerine Hotel an der Nordküste am Beau Vallon Beach; rasche Transfers vom Silhouette-Hafen und zum Airport). Am Strand liegen und die Seele baumeln lassen bieten eine exzellente Möglichkeit, die Woche auf der „Sea Star“ nochmals Revue passieren zu lassen, die sich wie kaum eine andere Form eignet, die Seychellen zu erleben und zu genießen. Nicht die Hardware, sondern die Software ist entscheidend. „Hakuna matata“.

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