Österreichs Top 40 Seilbahnunternehmen

Umsatzkaiser und Überflieger, Plätze an der Sonne neu verteilt

Print-Ausgabe 6. November 2020

Stark unterwegs mit 12,6 % Umsatzwachstum 2019: die Kärntner Katschbergbahnen (www.katschi.at)


 

Kein Stein auf dem anderen – das wäre etwas übertrieben. Aber das diesjährige Top-40 Ranking von Österreichs größten Seilbahnen unterscheidet sich doch stark von früher

Dies hat mit dem Erscheinungstermin zu tun: Bislang erschien das Ranking stets Ende April/Anfang Mai, so auch 2019. Heuer wäre dies der denkbar schlechteste Zeitpunkt gewesen: der 1. Lockdown war gerade zu Ende und niemand wusste zu dem damaligen Zeitpunkt, wann und wie in die Sommersaison 2020 gestartet werden kann.

Der 2. Lockdown ist auch nicht gerade optimal, aber mit November doch früh genug angeordnet worden, um den Großteil der Wintersaison 2020/2021 vielleicht doch noch – in welcher Form auch immer – zu retten.

Ranking ist aktuell wie nie zuvor

Einen entscheidenden Vorteil hat die Veröffentlichung des Rankings zum jetzigen Termin Anfang November aber: Es ist so aktuell wie nie zuvor! Die Daten basieren durch die Bank auf den Jahresabschlüssen 2019 und sind zum Teil erst dieser Tage im Firmenbuch verfügbar.

Bedeutendste Ausnahme ist diesbezüglich die Silvrettaseilbahn AG: Vom Umsatz her (und auch von den Kennzahlen) Österreichs erfolgreichstes Bergbahnunternehmen hat seine diesjährige Hauptversammlung erst für Mitte November anberaumen können. Der Jahresabschluss bzw. Geschäftsbericht ist damit noch nicht genehmigt. Das Unternehmen hat T.A.I. aber freundlicherweise die Umsatzwerte für 2018 und 2019 genannt und somit das Ranking möglich gemacht.

Drei Big-Player: Alle über 50 Mio. Euro

Die Nummer 1 unter Österreichs Seilbahnen befindet sich also unverändert in Ischgl. Dahinter blieb gegenüber dem letztjährigen Ranking – wie bereits eingangs erwähnt – kaum ein Stein auf dem anderen. So rückte nun die Berg­bahnen AG Kitzbühel (KitzSki) auf Rang 2 vor.

Platz 3 nehmen als neuer Stern auf Österreichs Seilbahn-Firmament die Snow Space Salzburg Bergbahnen ein. Der gewaltige Sprung von Rang 18 im Vorjahr gelang vor allem durch die Fusion der beiden vormals getrennt agierenden Bergbahnen AG Wagrain mit der Bergbahnen Flachau GmbH. Beide standen mehrheitlich im Eigentum der Fremdenverkehrs GmbH (= Raiffeisenverband Salzburg), die damit ihre starke Rolle im Salzburger Seilbahngeschehen verdeutlichte. Denn neben den Snow Space Salzburg Bergbahnen mischt der Raiffeisenverband über die Fremdenverkehrs GmbH auch bei den Alpendorf Berg­bahnen und den Oberpinzgauer Bergbahnen unter den Top 40 Seilbahnen Österreichs mit.

Drei Überflieger im Top 40 Ranking

Große Sprünge nach vorne – und zwar ohne Fusionen – verzeichneten die Leoganger Bergbahnen (von Platz 41 auf 29), die Bergbahnen Ellmau – Going Hartkaiserbahn (37 auf 22) und die Skiliftgesellschaft Sölden – Hochsölden (14 auf 8).

Die Basis für das starke Vorrücken im Ranking wurde in Leogang bereits im Jahr 2018 mit Eröffnung der neuen Muldenbahn 8er am Asitz gelegt (um 7,5 Millionen Euro; es kam zu einer Kapazitätserhöhung um 45 Prozent, zudem handelte es sich um die erste 8er D-Line Sesselbahn von Doppelmayr weltweit) sowie mit der starken Umsatzsteigerung im Sommer um 15,7 Prozent.

Der extreme Vorstoß um 15 Plätze der Bergbahnen Ellmau – Going Hartkaiserbahn ist das Ergebnis einer kompletten Neuausrichtung (beginnend mit der Ende 2015 eröffneten 23 Millionen Euro teuren neuen Hartkaiserbahn, bis hin zu Gastronomie, Aktionen, Attraktionen und Events), wodurch es gelang, den Umsatz gegenüber dem früheren Zeitraum massiv zu steigern.

Die Skiliftgesellschaft Sölden – Hochsölden punktete vor allem mit Ausweitung ihrer Attraktionen, den Restaurants und der Hotellerie, allen voran dem 5-Sterne Hotel Central. 2019 wurden nur 49 Prozent des Umsatzes durch Beförderungsleistungen erzielt, 46 Prozent trugen die Erlöse aus der Gastronomie bei.

*)  Hauptversammlung 2020 erst Mitte November, dadurch noch kein Jahresabschluss 2019 verfügbar; Umsatz 2019 wurde freundlicherweise vorab genannt
**)  vorm. Bergbahnen AG Wagrain; mit Bergbahnen Flachau GmbH fusioniert
***)  Jahresabschluss noch nicht im Firmenbuch, Zahlen wurden von der Seilbahn Komperdell T.A.I. aber bekannt gegeben
****)  Noch kein Jahresabschluss im Firmenbuch; Umsatz geschätzt
*****)  Die letzte T.A.I.-Analyse über Österreichs 40 größte Bergbahnunternehmen erschien Ende April 2019; die Daten bezogen sich auf die Jahresabschlüsse 2017

Bergbahnen als Kennzahlen-Kaiser

Österreichs Top-40 Bergbahnen weisen tolle Kennzahlen auf. So liegt ihre durchschnittliche Entschuldungsdauer bei 4,0 Jahren und das trotz des enorm hohen Kapitals. Bei drei Unternehmen ist die Entschuldungsdauer sogar negativ!

Entschuldungsdauer der heimischen Bergbahnen in Jahren
*) Jahresabschluss 2019 noch nicht beschlossen; Wert aus 2018

Sölden - Hochsölden als klarer Sieger bei den EBT-Meistern

Eine wichtige Kennzahl ist die Relation zwischen EBT (Ergebnis vor Steuern) und dem erwirtschafteten Umsatz. Diesbezüglich erweisen sich die Top-40 Seilbahnunternehmen Österreichs als überaus erfolgreich. Im Durchschnitt erreicht deren EBT 12,3% vom Umsatz, der Mittelwert (Median) weicht mit 10,6% nicht weit davon ab. Mehr als die Hälfte legten zweistellige Werte hin. An der Spitze standen 2019 die Skiliftgesellschaft Sölden-­Hochsölden, die Arlberger Bergbahnen und die Snow Space Salzburg Bergbahnen. Mit Sicherheit auch im Spitzenfeld liegen dürfte die Silvrettabahn AG. Da ihr Jahresabschluss 2019 noch nicht vorliegt, wurde sie bei dem Vergleich nicht berücksichtigt. Im Vorjahr kam sie aber auf 26,5 %.

Snow Space Salzburg ist bei der Finanzierungskraft Spitze

Ein wesentlicher Indikator für die operative Finanzierungskraft eines Unternehmens ist die Berechnung des Cash Flows (EBT zuzüglich Abschreibungen und Zuführung/Auflösung von Rückstellungen) und dessen Relation zum Umsatz. Diese Kennzahl zeigt, wie viel Prozent der Umsatzerlöse für Investitionen, Kredittilgung und Gewinnausschüttung zur Verfügung stehen. Auch diesbezüglich stehen Österreichs Top 40 Seilbahn­unternehmen stark da: im Durchschnitt weisen sie einen Cash Flow in Relation zum Umsatz von 33,3 Prozent auf, der Median liegt bei 31,5 Prozent. Weitere interessante Kennzahlen und Grafiken (u.a. Entschuldungsdauer in Jahren) finden sich online auf www.tai.at.

Ellmau - Going Hartkaiserbahn stellte 2019 alles in den Schatten

Moderat zugelegt haben Österreichs Top 40 Bergbahnen beim Umsatz. Das durchschnittliche Wachstum lag bei 2,7 Prozent, der Median (mittlerer Wert) bei 1,3 Prozent. Zwölf Seilbahnunternehmen mussten sogar Umsatz-Rückgänge hinnehmen. Doch es gab gewaltige Ausreißer nach oben: sieht man von Snow Space Salzburg (+150 Prozent) ab, dessen Zahlen aufgrund der Fusion (Bergbahnen AG Wagrain mit Bergbahnen Flachau GmbH) nicht mit 2018 vergleichbar sind, liegt die Bergbahnen Ellmau - Going Hartkaiserbahn unangefochten an der Spitze. Zweistellige Zuwächse schafften auch die Katschbergbahnen und die Ötztaler Gletscherbahn.

Mega-Investitionen von „K-onnection“ bis Fleckalm

Für die größten Investitionen 2019 sorgten die Gletscherbahn Kaprun, die Planai - Hochwurzen - Bahnen, die Hinterglemmer Bergbahnen und die Bergbahn AG Kitzbühel „KitzSki“ (neue Fleckalmbahn). Jede dieses Quartetts steckte zumindest 30 Mio. Euro in neue Anlagen, die Gletscherbahn Kaprun für den 2. Teil des Projekts „K-onnection“ sogar knapp 50 Mio. Euro. Sie hoben damit den Durchschnitt aller Top-40 Investitionen auf über 10,5 Mio. Euro. Der mittlere Wert aller Investitionen kam bei knapp 5,2 Mio. Euro zu liegen. Nicht berücksichtigt in diesem Ranking ist die Silvrettabahn AG, da ihr Jahresabschluss 2019 noch nicht beschlossen wurde (2018 waren es 8,43 Mio. Euro).

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