Print-Ausgabe 17. April 2026

„Sölden zählt zu den Regionen mit einer besonders langen Wintersaison“, berichtet Jakob Falkner (Foto: © hueller)
Der „Kraftwerkswald“ ist in seiner Form und Dimension weltweit einmalig – doch ist es nicht die einzige Besonderheit, die Sölden über andere Skigebiete hinweg hebt
Es ist zwar nicht Österreichs größtes Skigebiet, doch gilt Sölden (es gehört zu den Top-10) mit seinen drei Dreitausendern (bis 3.340 m), zwei Gletschern, 146 Pistenkilometern, 31 Liftanlagen, 100 % Schneegarantie und dem Weltcup-Status als Top-Region. Im Winter 2024/25 wurden 2,11 Mio. Übernachtungen gezählt (rund 80 % der Jahresnächte), die für Sölden einen Bestwert bedeuteten. T.A.I. sprach mit Tourismuspionier und Visionär Jakob „Jack“ Falkner, seit mehr als drei Jahrzehnten für die Bergbahnen Sölden tätig und seit Anfang der 1990er Jahre an deren Spitze, über die Einzigartigkeit der Region, die jüngsten Investitionen und die kommende Saison.
T.A.I.: Wie entwickelte sich der zu Ende gehende Winter 2025/2026?
Jakob Falkner: „Der Winter 2025/26 hat die sehr positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt. Wir konnten erneut eine sehr gute Auslastung verzeichnen, wobei insbesondere die starke internationale Nachfrage sowie die konstant guten Skifahrbedingungen im gesamten Saisonverlauf eine wichtige Rolle spielten. Auch wenn die endgültigen Zahlen erst nach Saisonende vorliegen, können wir bereits jetzt sagen, dass wir wieder auf einem guten Niveau unterwegs waren und an das erfolgreiche Vorjahr anschließen konnten.“
T.A.I.: Weshalb sind drei Bergbahnunternehmen im Gebiet von Sölden tätig?
Jakob Falkner: „Die drei Unternehmen – Skiliftgesellschaft Sölden–Hochsölden, Ötztaler Gletscherbahn und Schilifte Gampe – sind historisch gewachsen und aus lokalen Initiativen entstanden. Heute sind sie unter dem Dach der Bergbahnen Sölden vereint und arbeiten in allen Bereichen eng zusammen. Für unsere Gäste tritt das Skigebiet daher als geschlossenes Gesamterlebnis auf. Die bestehende Struktur hat sich über viele Jahre bewährt und ermöglicht gleichzeitig eine starke regionale Verankerung.“
T.A.I.: Wie viel wurde in die neuen 8er-Sesselbahnen „Silberbrünnl“ und „Einzeiger“ investiert und wie wurden diese angenommen?
Jakob Falkner: „In die beiden 8er-Sesselbahnen wurde ca. 40 Mio. Euro investiert. Insgesamt betrug die Investition für die Wintersaison 2025/2026 aber über 70 Mio. Euro. Ziel war es, wichtige Verbindungsachsen im Skigebiet weiter zu optimieren und den Komfort sowie die Beförderungskapazität deutlich zu erhöhen. Die Resonanz unserer Gäste ist durchwegs sehr positiv. Vor allem die komfortablen Sitze, die Wetterschutzhauben sowie die höhere Förderleistung tragen dazu bei, Wartezeiten zu reduzieren und den Skitag noch angenehmer zu gestalten.“
T.A.I.: Die 56 neuen Schneeerzeuger galten heuer als eine der größten Anschaffungen. Brauchen Sie aufgrund der Höhenlage überhaupt solche Investitionen?
Jakob Falkner: „Gerade in einem hochalpinen Skigebiet wie Sölden sind moderne Beschneiungstechnologien ein zentraler Bestandteil der Infrastruktur. Unsere Höhenlage bietet zwar grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen für Schneesicherheit, dennoch geht es bei der technischen Beschneiung vor allem um Qualität, Planbarkeit und Effizienz. Mit modernen Schneeerzeugern können wir früher in die Saison starten, die Pistenqualität sichern und gleichzeitig energie- und ressourcenschonender arbeiten.“
T.A.I.: Wie steht es um die Photovoltaikmodule? Sind jene im „Kraftwerkswald“ wirklich weltweit einzigartig?
Jakob Falkner: „Photovoltaik wird in immer mehr alpinen Regionen eingesetzt, allerdings ist unser ‚Kraftwerkswald‘ in dieser Form und Dimension durchaus ein innovatives Projekt. Das Besondere ist die Kombination aus alpiner Lage, intelligenter Flächennutzung und der Einbindung in unsere bestehende Energieinfrastruktur. Ziel ist es, einen möglichst großen Teil des Strombedarfs nachhaltig selbst zu erzeugen und damit einen wichtigen Schritt in Richtung Energieautonomie zu setzen.“
T.A.I.: Ab Herbst 2025 wurde besagter „Kraftwerkswald“ weiter ausgebaut. In welcher Form?
Jakob Falkner: „Vor diesem Zeitpunkt waren nur 12 Helioplant-Testbäume im Betrieb. Im Herbst erfolgte dann der erste größere Ausbauschritt, bei dem rund 70 PV-Bäume in Betrieb genommen wurden. Die vollständige Umsetzung des Projekts ist mit etwa 800 PV-Bäumen geplant. Die noch fehlenden Anlagen werden 2026 errichtet und sollen rechtzeitig zur Wintersaison vollständig in Betrieb gehen. Der Ausbau stellt einen wichtigen Schritt in Richtung teilweiser Energieunabhängigkeit sowie einer erhöhten Eigenstromerzeugung dar.“
T.A.I.: Wodurch unterscheiden sich die Söldener Skigebiete noch von anderen Regionen?
Jakob Falkner: „Neben den beiden Gletscherskigebieten, die direkt mit dem Winterskigebiet verbunden sind, überzeugt Sölden vor allem durch die Kombination aus Größe, Höhenlage und Vielfalt. Über 3.000 Meter Höhe, die ‚BIG 3‘-Aussichtsplattformen, moderne Liftanlagen und ein abwechslungsreicher Pistenmix bieten ein besonders vielseitiges Skierlebnis. Dazu kommen eine starke Infrastruktur sowie ein lebendiges Après-Ski- und Eventangebot mit Highlights wie dem Weltcupauftakt, dem Gletscherschauspiel Hannibal, EMF (Electric Mountain Festival), der James Bond Erlebniswelt ‚007 ELEMENTS‘ und dem ‚iceQ‘, Österreichs höchstgelegenem Haubenlokal.“
T.A.I.: Wie sieht es aktuell mit der Erweiterung Richtung Pitztaler Gletscher aus?
Jakob Falkner: „Bei diesem Projekt handelt es sich um ein sehr komplexes Vorhaben. Derzeit befindet sich das Projekt in einer Warteschleife.“
T.A.I.: Sie begehen das Saisonfinale mit dem erwähnten „Electric Mountain Festival“. Was ist die Besonderheit daran?
Jakob Falkner: „Das Electric Mountain Festival ist mittlerweile ein Fixpunkt zum Saisonfinale in Sölden. Die Besonderheit liegt in der Kombination aus internationaler Top-DJ-Szene, spektakulärer alpiner Kulisse und Skisport. Die Konzerte finden direkt im Skigebiet statt, was für eine einzigartige Atmosphäre sorgt und den Saisonabschluss zu einem echten Highlight macht.“
T.A.I.: Wann starten die Bergbahnen in die Saison 2026/2027?
Jakob Falkner: „Traditionell starten die Gletscherbahnen am Rettenbach- und Tiefenbachgletscher bereits im Herbst in die Wintersaison. Die Anlagen im übrigen Skigebiet öffnen – abhängig von Schneelage und Witterung – üblicherweise Mitte bis Ende November. Damit zählt Sölden zu den Regionen mit einer besonders langen Wintersaison.“
Erstellt am: 17. April 2026
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