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„Missing Link“ zwischen Seilbahn & Öffis! ConnX schwebt durch die Lüfte und fährt am Boden

T.A.I. 24 TOP News

Stellen Sie sich vor, Sie sind Gast in Berlin und schweben genüsslich in einer Kabine der im Zuge der IGA (Internationalen Gartenausstellung) 2017 errichteten Seilbahn über den Kienbergpark. Bei der Talstation steigen Sie aber nicht aus, sondern bleiben in der Kabine sitzen und rollen in dieser – jetzt in Form eines selbstfahrenden Fahrzeuges – flott im 36 km/h-Tempo zur 3,1 km entfernten U-Bahnstation „Kienberg – Gärten der Welt“ weiter. Unmöglich? Nein!

Exakt so ein System hat der Südtiroler Seilbahnhersteller LEITNER entwickelt und am 1. Dezember 2021 der staunenden Weltöffentlichkeit vorgestellt. Der Name dieser innovativen „Hybrid-Lösung“ (Kombination von Seilbahn mit einem autonomen fahrerlosen Transport): ConnX.

„Wir haben damit ein Seilbahn-Mobilitätssystem geschaffen, das Einschränkungen in urbanen Räumen – wie kurvige Strecken oder schwebende Kabinen im historischen Stadtkern – verhindert und damit noch flexibler einsetzbar ist“, so Vertriebs- und Technikvorstand Martin Leitner.

Einsatzmöglichkeiten der „Last Mile Connection“

LEITNER-Vorstandsvorsitzender Anton Seeber spricht von „neuen Maßstäben“, die durch ConnX gesetzt werden und der technische Direktor, Klaus Erharter, von einem „Missing Link“ zwischen verschiedenen Transportsystemen sowie von einer „Last Mile Connection“ für Personen und Güter.

Das Beispiel Berlin wurde eingangs genannt, da die Seilbahnanlage für die IGA 2017 von LEITNER errichtet wurde. Als weitere Einsatzmöglichkeiten für ConnX nannte LEITNER bei der heutigen Präsentation etwa Bozen (Verbindung zwischen der Rittner Seilbahn und dem Bahnhof Bozen) oder New York (Verbindung zwischen der „Roosevelt Island Tramway", Cornell Tech und Franklin Delano Roosevelt Memorial).

Signifikant erweiterter Einsatzbereich

Das System ConnX basiert – vereinfacht gesagt - auf einer Seilbahn, bei der die Kabine in der (Tal)-Station an ein autonomes Fahrzeug übergeben wird, das dann auf einer eigenen Trasse (in den Boden verlegte Führungsschiene) weiterfährt (siehe untenstehendes Video).

Die Vorteile liegen darin, dass durch ConnX …

  • topographische oder bauliche Hürden mit einer Seilbahn einfacher überwunden werden können und
  • nunmehr auch jene städtischen Bereiche erschließbar sind, in denen eine durchgehende Seilbahnvariante aus unterschiedlichsten Gründen bislang nicht realisierbar war (z.B. aufgrund infrastruktureller Barrieren – wie Gebäude oder Denkmäler – die mit ConnX einfach umfahren werden).

Martin Letiner: „ConnX wird somit wesentlich dazu beitragen, die Akzeptanz von Seilbahnen als öffentliches städtische Nahverkehrsmittel nochmals zu erhöhen und deren Anwendungsbereich signifikant zu erweitern.“

Aspekt der Nachhaltigkeit

Laut LEITNER ist ConnX nicht nur von den Betriebskosten her günstig, sondern auch in der Errichtung (kurze Bauzeit). Dazu kommen dank Elektromobilität der Aspekt der Nachhaltigkeit und eine deutliche Reduktion von Lärmemissionen.

Ebenso werden die zentralen Anforderungen an ein funktionierendes Öffi-System erfüllt. Dies durch die gleichmäßigen Fahrzeiten, die kontinuierliche Beförderung und die flexible Planungsmöglichkeit von Haltestellen und Zwischenstopps. Auf die ersten konkreten Umsetzungen dürfen wir gespannt sein.

Drei abschließende Fragen

Drei Fragen hatte T.A.I. noch bezüglich ConnX, die Gotthard Schöpf, Head of Marketing bei LEITNER, gerne beantwortete:

T.A.I.: Wie sieht es mit Sicherheitsgurten aus, sind die im Straßenverkehr nicht vorgeschrieben? Oder gilt ConnX als „Öffi“, d.h. man benötig keine Gurte?

Gotthard Schöpf: „Dadurch, dass ConnX eine eigene Fahrbahn benutzt, ist dieses System ähnlich wie andere schienengebundene Fahrzeuge zu behandeln, beispielsweise die Minimetro von LEITNER in Pisa, oder die MiniMetro® Perugia.“

T.A.I.: Wird jede Kabine auf einen „Selbstfahrer“ gestellt oder erfolgt das individuell?

Gotthard Schöpf: „Es kann, muss aber nicht jede Kabine abgekoppelt werden. Das ist auch von individuellen Bedürfnissen abhängig, wie z.B. der Förderleistung, etc.“

T.A.I.: In welcher Preisrelation bewegt sich ConnX im Vergleich zu reinen städtischen Seilbahnen?

Gotthard Schöpf: „Das ist natürlich schwer zu sagen, da der Preis von der Länge des Systems, der Förderleistung/Anzahl der Fahrzeuge, Haltestopps, etc. abhängig ist. Man spart jedoch u.a. eine Vielzahl an Stützen ein, die nicht mehr benötigt werden.“

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