Geschäftsreisen

Zukunft mit „Subscription“-Fees: Business Travel wird neu durchdacht

Print-Ausgabe 6. November 2020

Peter Tolinger

„Die Branche hat es verabsäumt, zu zeigen, was sie alles kann“, so Peter Tolinger von der Verkehrsbüro Group

Ohne „Grundabsicherung“ wird der 24/7-Bereitschaftsdienst der TMCs nicht mehr aufrecht zu erhalten sein – spätestens ab 2021 soll „Network Access Fee“ kommen

Das Geschäftsmodell TMC (Travel Management Company) bedarf einer Neuorientierung. Das hat nicht nur mit der Corona-Pandemie zu tun und ihren Folgen, sondern zeichnete sich bereits lange davor ab. „Die Branche hat es verabsäumt, zu zeigen, was sie alles kann“, so Peter Tolinger, Managing Director der Verkehrsbüro-Sparte Business Touristik mit deren beiden Tochtergesellschaften Verkehrsbüro Business Travel GmbH und AX Travel Management GmbH (Umsatz zusammen 2019 rund 180,9 Mio. Euro, Jahresüberschuss 0,981 Mio. Euro). Die Verkehrsbüro Business Touristik ist damit die größte TMC Österreichs und Peter Tolinger mit 35 Jahren Erfahrung im Top-Management (zuvor American Express) einer der profundesten Kenner der Materie.

Die Frage, ob oder warum ein Geschäftsreisebüro benötigt wird, müsse außer Frage stehen, auch und vor allem für Travel ManagerInnen. Denn es gebe viele gute Gründe, die allen KundInnen bewusst sein sollten. „Allen voran die Tatsache, dass die Netzwerke der TMCs 24/7 zur Verfügung stehen“, so Peter Tolinger. „Die Kunden erwarten von den TMCs absolut zu Recht eine effiziente, kundenspezifisch fokussierte Dienst- und Beratungsleistung.“ 

Wobei das unternehmerische Risiko ausschließlich beim Reisebüro liege. Daran habe der Wechsel von (durch Leistungsträger bezahlten) Provisionen hin zu Transaktionsgebühren nichts geändert. Doch „genau dieser Umstand scheint nun den Fortbestand der Branche massiv zu gefährden“, gibt Tolinger zu bedenken. 

Dieses Problem werde auch international diskutiert. In den letzten Wochen wurden deshalb – speziell im englischen Sprachraum – sogenannte „Subscription“-­Modelle vorgestellt. Deren Ziel ist es, Vereinbarungen über bestimmte Abnahmemengen zu treffen und dadurch eine Art „Grundabsicherung“ zu erhalten. „Das ist ein sehr guter Ansatz“, meint Peter Tolinger, der im selben Atemzug aber zu bedenken gibt, dass dies „in Zeiten mit aktuell schwer planbaren Aufkommen und durchschnittlich deutlich kleineren Reiseetats kaum umzusetzen“ ist, noch dazu in einem Markt wie Österreich, der vorrangig von KMU (Klein- und Mittelbetrieben) geprägt ist. 

Peter Tolinger sieht den Ausweg in einer Art Grundgebühr. Diese müsse ein Kunde zahlen, der das Netzwerk eines Anbieters ohne Abnahmegarantie nutzt und zwar auch dann, „wenn die Leistungen nicht oder nur sporadisch in Anspruch genommen werden. In vielen anderen Branchen ist das schon lange üblich“, betont Tolinger. Als Beispiele nennt er Mobilfunkanbieter und Automobil-Clubs, die ihren KundInnen jährliche Servicepauschalen oder Mitgliedsbeiträge verrechnen. Tolinger: „Auch im Geschäftsreise-Bereich muss dieses System eingeführt werden.“ Zeitpunkt? „Spätestens ab dem kommenden Jahr.“ 

Tolingers Ansatz geht in Richtung einer monatlichen Gebühr, als „Network Access Fee“, die sich im niedrigen einstelligen Euro-Bereich pro Reisenden auf Basis jährlicher Verrechnung bewegt. „Anders wird der ‚Bereitschaftsdienst‘ der Geschäftsreisebranche künftig nicht mehr so qualitativ hochwertig und 24/7 aufrecht zu erhalten sein“, ist Peter Tolinger überzeugt, dem noch eines wichtig ist: „Die Lösung muss dabei fair und verträglich sein.“  

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