ABTA (Austrian Business Travel Association)

Wirksame CO2-Maßnahmen statt „Greenwashing“ wird zur Realität

Print-Ausgabe 16. Dezember 2022

V.l.: Alfred Posch / Uni Graz, Romana Rauter / Uni Graz, Sabine Toplak / Accor, Vizepräsidentin ABTA, Angela Lille / Erste Group Services, Vizepräsidentin ABTA, Karin Huber-Helm / csr and communication und Roman Neumeister / Präsident ABTA

V.l.: Alfred Posch / Uni Graz, Romana Rauter / Uni Graz, Sabine Toplak / Accor, Vizepräsidentin ABTA, Angela Lille / Erste Group Services, Vizepräsidentin ABTA, Karin Huber-Helm / csr and communication und Roman Neumeister / Präsident ABTA

Wie dies funktioniert und welche Herausforderungen diesbezüglich Geschäftsreisen gegenüber stehen, stand im Fokus der jüngsten ABTA Business Travel Lounge

Brisanten und aktuellen Themen, wie der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und den „Green Deal“-CO2-Reduktionszielen der EU widmete sich die ABTA (Austrian Business Travel Association) Ende November in ihrer Business Travel Lounge. Nach Ausflügen in die Bundesländer (Salzburg und Graz) ging sie wieder in der Bundeshauptstadt über die Bühne, diesmal im Vienna Marriott. ABTA-Präsident Roman Neumeister (Travel Officer bei der OSCE – Organization for Security and Co-operation in Europe) und die Vizepräsidentinnen Sabine Toplak (VP Corporate Sales & Trademarketing Northern Europe bei Accor) sowie Angela Lille (Head of HR Systems & Travel Management bei der Erste Group Services) konnten dabei Top-Experten als Vortragende gewinnen.

Prof. Alfred Posch und Assoz. Prof. Romana Rauter von der Uni Graz legten die ersten Ergebnisse der neuen Studie „Transflight – shaping the future of air travel – Entscheidungskriterien bei der Planung von Geschäftsreisen“ vor, während Executive Direktorin des „Circular Economy Forum Austria“, Karin Huber-Heim (sie gilt als Expertin auf dem Gebiet der Umsetzung von Dekarbonisierungszielen in Unternehmen) über die notwendigen Schritte in diesem zunehmend komplexer werdenden Bereich informierte.

In der „Transflight“-Studie wurden österreichische Unternehmen zu ihren Klimazielen sowie konkreten Umsetzungsmaßnahmen befragt. Im Vordergrund dabei stehen laut Romana Rauter Effizienzgewinn und Kosteneinsparungen. Gelingen kann eine Dekarbonisierung nach Meinung der Befragten nur durch konkrete Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung und einer „Think-Twice-Travel-Policy“, um Mitarbeiter*innen zu mehr Bahnfahrten sowie der Bündelung von Terminen zu animieren. Rauter: „Das Management des Unternehmens muss derartige Projekte forcieren, damit sie erfolgreich werden.“

Weitere Erkenntnisse der Studie: Geschäftsreisen gelten längst nicht mehr als „Statussymbol“, Kund*innen und Business-Partner erzeugen zunehmend Druck auf Unternehmen, damit diese nachhaltiger agieren, und auch „New Work“ mit mehr Homeoffice sowie virtuellen Besprechungen verändern die Sicht. An der Befragung hatten 14 Unternehmen teilgenommen, von der Autoindustrie über Unternehmensberatung bis hin zur außeruniversitären Forschung. Neun davon haben mehr als 500 Mitarbeiter*innen.

Doch nun zur CSRD, eine Maßnahme die sich aus dem „Green Deal“ der EU ableitet. Sie sieht vor, dass in verschiedenen Schritten bis 2026 Unternehmen von einer intensiven Nachhaltigkeits-Berichterstattung betroffen sein werden. Die dafür notwendigen Strategien und Rechtsakte greifen laut Karin Huber-Heim „wie ein Uhrwerk ineinander.“ Ziel ist es, das ressourcenschonende Wirtschaften zu unterstützen sowie mehr Geld in nachhaltige Investitionen zu lenken.

Eine zentrale Rolle dabei spielt die „EU Taxonomy“, also die Kreditvergabe durch Banken auf Basis einer Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen. Diese sind gemäß CSRD verpflichtet, künftig ihre Beiträge zu den EU-Klimazielen sowie Geschäftsrisiken durch Klimawandel offenzulegen. Wer diesbezüglich wenig zu bieten hat, muss mit Risi­koaufschlägen rechnen. Dies gilt ab 2024 für große börsennotierte Unternehmen, ab 2025 für große nichtbörsennotierte Betriebe und ab 2026 für börsennotierte KMU (Klein- und Mittelbetriebe).

Mit diesen Maßnahmen, so Karin Huber-Heim, „rutscht das Thema Nachhaltigkeit vom Marketing endgültig in die Bereiche Compliance und Accounting“. Dem viel strapazierten Begriff des „Greenwashing“ wird ein Riegel vorgeschoben. Karin Huber-Heim: „Der ökologische Fußabdruck wird ab jetzt zum Maß aller Dinge.“ Für Airlines und Geschäftsreisen hat dies zur Folge, dass sie sich „smarte Ziele setzen und diese auch messen müssen“.

In der abschließenden Diskussion der „Business Travel Lounge“, an der sich auch die online zugeschalteten ABTA-Mitglieder beteiligten, kam u.a. das Thema der Kompensationszahlungen für CO2-Emissionen von Flugreisen zur Sprache. Doch Karin Huber-Heim betonte, dass Dekarbonisierung nichts mit Kompensation zu tun habe: Bei letzterer fließe Geld in oft problematische Projekte. Sie sei nur ein „momentanes Pflaster“, keine Dauerlösung. Aus ihrer Sicht sind CO2-Kompensationen letztlich nichts anderes als „Greenwashing“.

Die nächste ABTA „Business Travel Lounge“ geht Mitte Februar in Wien über die Bühne, gefolgt von einem Termin in Salzburg und Linz. Die Jahrestagung wird Anfang Juni in der OÖ Landeshauptstadt abgehalten.

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