Standpunkt

Dabei sein ist nicht alles

Print-Ausgabe 12. August 2016

Österreichs Null-Nummer in London 2012 ist noch gut in Erinnerung. Ob heuer mehr als die zwei von der US-Zeitschrift „Sports Illustrated“ prognostizierten Segel-Medaillen unter dem Strich stehen, wird sich weisen. Wie auch immer: die Erwartungen sind – anders als bei Winterspielen – nicht allzu hoch geschraubt.

Dafür gibt’s wieder ein Österreich Haus. In London hieß es „Austria House Tirol“, mit der Tirol Werbung als Hauptsponsor des 1 Mio. Euro teuren Projektes, das zum ersten Mal auch für die breite Öffentlichkeit geöffnet war. Das machte durchaus Sinn: Großbritannien ist der viertstärkste internationale Quellmarkt Tirols und Österreichs. Das Österreich Haus in Rio 2016 steht ohne Tirol, dafür mit Kornspitz und Österreich Werbung als Hauptsponsoren da. Diesmal sind 1,7 Mio. Euro an Kosten budgetiert. Die ÖW steuert dazu 700.000 Euro bei. Diese stammen von jenem Zusatzbudget, das vom Wirtschaftsministerium Ende 2015 in Höhe von 4 Mio. Euro gewährt wurde. Für ein „Impulsprogramm zur Vertiefung und Ausweitung der Marktbearbeitung“ in sieben Ländern Europas und Asiens.

Brasilien gehört bekanntermaßen weder zu dem einen, noch zu dem anderen. Es wurde zur Finanzierung des „Austria House“ nachträglich hineinreklamiert. Dass Brasilien – anders als UK – nicht der viertgrößte, sondern lediglich der 41. größte Quellmarkt Österreichs ist, spielt keine Rolle, denn dies lässt sich mit „Hoffnungsmarkt“ und BRIC argumentieren, selbst wenn dessen B und R derzeit ziemlich wegbröckeln: Brasilien ist aktuell im Österreich-Incoming mit einem knapp zweistelligen Rückgang konfrontiert und wird auf mittlere Sicht nicht so rasch wieder auf die Beine kommen.

Noch ein Vergleich: Umgerechnet auf das Incoming-Volumen wurden 2012 von touristischer Seite her rund 28 Cent pro Österreich-Nächtigung aus UK in das „Austria House Tirol“ investiert, im Falle Brasiliens sind es heuer 3,63 Euro.

Da muss bzw. müsste es schon ein kräftiges „Impulsprogramm“ im und rund um das „Austria House“ geben, damit die eingesetzten Mittel der erwähnten Aufgabenstellung des ÖW-Zusatzbudgets auch gerecht werden. Von der sportlichen Seite her, – was die internationale Aufmerksamkeit wie bei Olympischen Winterspielen verstärkt auf das Österreich-Haus lenken würde –, sind die Erwartungen nicht all zu hoch geschraubt. Ob dies durch die „zahlreichen internationalen Touristiker, Wirtschaftsvertreter, sowie 20 österreichischen Apotheker“ aufgewogen wird, welche sich angesagt hatten, ist ebenso fraglich, wie die Anwesenheit von Verteidigungs- (und Sport-) Minister Hans Peter Doskozil oder der von der Wirtschaftskammer organisierten Wirtschafts-Mission mit Top-Unternehmern inklusive eines großen Networking-Empfangs.

Dabei sein ist eben nicht alles. Ohne Spielverderber sein zu wollen: Die 700.000 Euro für das „Austria House“ in Rio aus dem ÖW Zusatzbudget hätten aus touristischem Blickwinkel her anderorts weit sinnvoller eingesetzt werden können, erlaubt sich die Feststellung der

Lupo

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