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Sie hätte ein toller Erfolg werden sollen, die Indien-Reise mit Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer an der Spitze. Letzterer hatte dabei u.a. ein neues Filmabkommen abgeschlossen, mit dem indische Produktionen künftig erleichtert in Österreich drehen können, nicht zuletzt um den Tourismus anzukurbeln.
Im Fokus dabei steht allen voran „Bollywood“, also die Hindi-Filmindustrie in Mumbai. „Indien ist die größte Filmnation der Welt, dort werden jedes Jahr mehr Filme produziert als in Hollywood“, betonte Wolfgang Hattmannsdorfer in einem Instagram-Beitrag (https://www.instagram.com/reels/DXHpODUjI7L/).
Lange Liste an Produktionen in Österreich
Doch die indische Filmindustrie hat so ihre Probleme mit Österreich. „Die aktuelle Situation in der Zusammenarbeit ist nicht länger akzeptabel“, meinte dazu der österreichisch-indische Unternehmer Ishvinder „Baba“ Maddh. Seit 2009 vertritt er die Interessen mittel- und osteuropäischer Länder in Indien und leitet indische Film- und Fernsehproduktionsfirmen bei deren Produktion in Österreich. Zu seinen bemerkenswertesten Projekten zählten Filme wie „Saaho“, „Tiger Zinda Hai“ und „Ae Dil Hai Mushkil“ sowie der Fernsehserie „Pardes Mein Hai Mera Dil“, die alle zumindest zum Teil in Österreich gedreht wurden.
Weitere Filme waren 2023 „Tiger 3“, 2025 „War 2“ oder „Junior NTR“, der in Zell am See gedreht wurde. „Die in Österreich gedrehten Szenen in diesem Film wurden aber als Davos Schweiz dargestellt“, so Ishvinder Maddh. Dem Österreich-Tourismus kamen die Kosten der Dreharbeiten trotzdem zu gute.
Größte Firmen waren aber nicht eingeladen
Weshalb ist die Zusammenarbeit trotzdem nicht länger akzeptabel? Die Antwort darauf ist einfach: Denn laut Ishvinder Maddh wurden Unternehmen wie „DharmaMovies“ (es zählt zu Indiens führenden Filmproduktionsfirmen), „UV Creations“ (eines der erfolgreichsten Produktionshäuser im südindischen Kino), „Yash Raj Films“ (Kurz: yrf, eines der größten Filmproduktions- und -vertriebsunternehmen Indiens) und das Filmstudio „T-Series“ (bislang wurden mehr als 100 Filme produziert) weder in dem Besuch von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer eingebunden noch eingeladen.
„Diese Produktionshäuser haben durch ihre Projekte in Österreich enorme internationale Sichtbarkeit sowie wirtschaftlichen Mehrwert in Millionenhöhe generiert“, so Ishvinder Maddh, der die Rolle der Österreich Werbung (ÖW) besonders kritisch sieht. Die ÖW bearbeitet mit 19 Büros über 30 internationale Herkunftsmärkte, so auch Indien mit Christine Mukharji als Market Representative. Seine Kritik: „Seit über 25 Jahren liegt dieser Bereich faktisch in denselben Händen, ohne erkennbare strategische Weiterentwicklung.“
Große Chance wurde vertan
Zurück zu den „Bollywood“-Leistungen in Österreich: In den letzten zwei Jahrzehnten wurden rund 100 indische Filmproduktionen umgesetzt. Doch in den zurückliegenden zwei Jahren gab es laut „Cine Tirol“ noch die „Vienna Film Commission“ keine öffentlich dokumentierten größeren Hindi-Filme, die in Österreich gedreht wurden. Der Trend der 2010er-Jahre mit regelmäßigen 4–6 Produktionen pro Jahr hat sich offenbar nicht fortgesetzt.
Wobei dies nicht ganz stimmt, denn laut Ishvinder Maddh gab es 2024 und 2025 Filmproduktionen in Österreich mit knapp 2 Mio. Euro, für die es aber keinerlei Förderungen gab. Ein weiteres Projekt, das sich abzeichnet und Österreich einen Umsatz von mehr als 10 Mio. Euro bringen soll, „wäre ein toller Erfolg für die Reise des Bundeskanzlers und des Wirtschaftsministers gewesen, wenn man diese Filmproduktion als erfolgreiches Projekt announcen und mit nach Hause bringen hätte können.“ Warum dies nicht der Fall war? Siehe oben.
Zusammenarbeit & Transparenz
Ishvinder Maddh abschließend: „Ein Blick auf den Indien-Markt ist längst überfällig. Wenn Österreich in der Filmindustrie wachsen will, braucht es echte Zusammenarbeit, Transparenz und Verantwortlichkeit – statt bloßer Inszenierung.“
Minister Wolfgang Hattmannsdorfer zeigt übrigens für die Anliegen von Ishvinder Maddh Verständnis: Er lud ihn „zu einem Café mit dem zuständigen Referenten“ Paul Kapl ein. Möglicher Weise findet dieses Treffen bereits Anfang Mai statt.
Im Tourismus verbuchte Indien im Vorjahr mit über 391.000 Übernachtungen (+14,9 %) ein „all time-high“. Es lag sogar um 11,4 % über den Zahlen vor der Pandemie. Und mit 380 Euro geben indische Tourist:innen in Österreich pro Tag mehr als das Doppelte aus wie durchschnittliche Besucher:innen.
Erstellt am: 17. April 2026
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