Print-Ausgabe 13. März 2026

„Wir arbeiten daran, Österreich ins Rampenlicht zu stellen“, so Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Foto: © oecolution)
Das zeigte sich auch am Österreich-Stand – als sicheres Reiseziel dürfte Österreich heuer trotz weniger Gäste aus Asien und der Arabischen Hemisphäre profitieren
Es war nicht nur die 60. ITB Berlin, sondern auch eine, die unter einem besonderen Vorzeichen stattfand: Noch nie in ihrer bisher sechs Jahrzehnte währenden Geschichte war die ITB Berlin von einem Krieg überschattet. Doch als die ITB am 3. März ihren ersten Messetag hatte, zeigten sich die Folgen des am 28. Februar 2026 losgetretenen Iran-Krieges in voller Wucht: Vor allem Teilnehmer:innen aus den Golfstaaten, aus den übrigen arabischen Ländern sowie aus jenen asiatischen Staaten, die über die betroffenen Drehkreuze der Region anreisen wollten, blieben wegen der eingestellten Flüge der weltgrößten Tourismusmesse fern. Aber noch eines zeigte sich auf der ITB Berlin ganz deutlich: Wie krisenresilient der Tourismus mittlerweile geworden ist.
Das war bei dem Mediengespräch auf dem Österreich-Stand nicht anders, auch wenn Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner das „unfassbare menschliche Leid“ ansprach, das „rund um die Arabische Halbinsel, in den USA aber auch durch den Krieg in der Ukraine“ herrscht: „Es bewegt auch den Tourismus.“ Die Geschäftsführerin der Tirol Werbung, Karin Seiler, brachte es dann auf den Punkt: „In den letzten Tagen erinnerte ich mich daran, als mir jemand vor 10 Jahren (Anm.d.Red.: Europa stand damals am Höhepunkt der Flüchtlingskrise) gesagt hat, dass jene Länder profitieren werden, die klein, sicher, kühl und nahe sind.“ Österreichs Tourismus dürfte also zu den Gewinnern zählen, auch wenn „wichtige Drehkreuze ausfallen“, wie Staatssekretärin Zehetner betonte. Das Land habe die Chance, sich als Reiseziel zu profilieren und „wir arbeiten daran, Österreich ins Rampenlicht zu stellen.“
Der Gemeinschaftsstand im Hub 27 der ITB war mehr denn je dem Ganzjahrestourismus gewidmet. „Wir sind diesbezüglich schon relativ weit“, wie die Bundessektionsobfrau Tourismus in der WKÖ (Wirtschaftskammer Österreich), Susanne Kraus-Winkler, feststellte. Die Hälfte der Sommer-Nächtigungen wird bereits im Mai/Juni sowie September/Oktober generiert und es herrscht „eine starke Bewegung in diese Richtung. Wir können die Saisonalität ein wenig abflachen.“
Rund 70 % aller Tourismus und Freizeitbetriebe haben bereits ganzjährig offen, in den Städten sind es sogar 86 %. Im internationalen Vergleich führen Österreich und die Schweiz bezüglich Ganzjahrestourismus. Susanne Kraus-Winkler: „Österreich wird als Ganzjahres-Destination wahrgenommen.“
In diesem Zusammenhang konnte Astrid Steharnig-Staudinger, die Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW), festhalten, dass 2025 bereits über 28,1 % aller Gäste in der Nebensaison gekommen sind: „Der Österreich-Tourismus ist kein Mode-Artikel, sondern eine Ganzjahres-Marke.“
Zudem sei Österreich auch Innovationsführer. Um dies unter Beweis zu stellen, sorgte die ÖW auf der ITB zusammen mit dem Kooperationspartner „Ars Electronica“ Linz unter dem Motto „Austria – Won’t get it out of your head“ mit zwei interaktiven Installationen auf dem Österreich-Stand für Furore. Es ging dabei um die Erkundung unbewusster Urlaubssehnsüchte mithilfe von KI – Künstliche Intelligenz und durch Gehirnwellenmessung.
Begonnen hatte die Österreich-Präsenz bereits am Vorabend der ITB Berlin, als 40 Medien aus Deutschland zu einem Gespräch mit den LTOs (Landestourismusorganisationen) eingeladen wurden. Astrid Steharnig-Staudinger: „Die LTOs wechselten dabei die Tische, um allen 40 Medien ihre Highlights zu präsentieren.“

Mit 74 Partnern und 979 m² war die Österreich-Präsenz die größte im Hub 27 seit der Neupositionierung der ITB nach der Pandemie als reine B2B-Fachmesse. Großen Anteil daran hatten auch die „Austrian Leading Sights“, die insgesamt bereits 31 Aussteller auf dem Österreich-Stand stellten. Ziel dieser mittlerweile auf 57 Mitglieder in allen neun Bundesländern angewachsenen Gruppierung mit 37 Mio. Besucher:innen und einem Umsatz von 295 Mio. Euro ist es, „Österreich als hochwertige, sichere Destination zu positionieren“, wie Präsident Klaus Panholzer (er ist CEO der Schönbrunn Group, die mit jährlich mehr als 5 Mio. Besuchern als Nummer 1 unter Österreichs Sehenswürdigkeiten gilt) festhielt. Klaus Panholzer: „Wir treiben die Internationalisierung voran. Österreich soll nicht nur besucht, sondern vor allem auch erlebt werden.“
Um Internationalisierung ging es dann auch bei der touristischen Donauoffensive, die ihre Marke „Discover your Danube“ auf der ITB präsentierte. Die Donauoffensive wird dabei erstmals von den drei Tourismusorganisationen DZT (Deutsche Zentrale für Tourismus), ÖW und Visit Hungary sowie von Baden-Württemberg, Bayern, OÖ und NÖ getragen und durch das „Co-Op Programme 2026“ der ETC (European Travel Commission) unterstützt. Astrid Steharnig-Staudinger: „Wir haben Ende Februar die Zusicherung von der ETC erhalten.“ Und: „Schulter an Schulter ist besser als Rücken an Rücken.“
Mit bei der Premiere dabei war auch DZT-Chefin Petra Hedorfer und die interimistische Chefin von Visit Hungary, Krisztina Henyez dabei sowie OÖs Wirtschafts- und Tourismuslandesrat Markus Achleitner, die Geschäftsführerin der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, Christine Schönhuber, die Chefin von Bayern Tourismus Marketing, Barbara Radomski, sowie die Geschäftsführer des NÖ Tourismus, Michael Duscher, und OÖ Tourismus, Andreas Winkelhofer. „Ober- und Niederösterreich arbeiten bereits seit 2008 bezüglich der Vermarktung des Donau-Angebotes zusammen“, wie Michael Duscher festhielt. „Mit der Marke „Discover your Danube“ eine neue Ära eingeleitet“, so Andreas Winkelhofer.
So sehr also der Iran-Krieg das allgemeine Geschehen prägt, an der Krisen-Resilienz des Tourismus ändert dies nichts. Die ITB als Leitmesse gab dafür laut Staatssekretärin Zehetner „ein deutliches Signal.“
Erstellt am: 13. März 2026
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