Vorarlberg

Die Vermessung des Tagesgastes und was er wirklich wert ist

Print-Ausgabe 13. März 2026

Christian Schützinger und Roland Scherer

Christian Schützinger (l.) und Roland Scherer (r.) haben den Tagestourismus systematisch vermessen (Foto: © Lisa Mathis)

Eine neue Studie zeigt, dass Vorarlberg jährlich 400 Millionen Euro mit dem Tagestourismus umsetzt. Die Frage lautet nun: Wie lässt sich diese Zahl steigern?

Rund 7,5 Millionen Tagesgäste pro Jahr: Diese Zahl hatte man in Vorarlberg bislang allenfalls geahnt, aber nie belastbar beziffert. Roland Scherer vom Institut für Systemisches Management an der Universität St. Gallen hat das mit einer aktuellen Studie zum Tagestourismus nun geändert. Das Ergebnis: Tagesgäste generieren rund 400 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Das entspricht jedem fünften Euro, der im Ländle touristisch umgesetzt wird. Initiiert wurde sie von Vorarlberg Tourismus. „Uns war es wichtig, dem genauer auf die Spur zu gehen: Woher kommen diese Tagesbesucher, wie hoch ist der Anteil der Vorarlberger, wo sind die Unterschiede zwischen Schweizer und deutschen Tagesbesuchern?“, erklärt Geschäftsführer Christian Schützinger gegenüber T.A.I.

Das augenfälligste Ergebnis betrifft die saisonale Verteilung. Im Sommer reisen 4,76 Millionen Tagesgäste nach Vorarlberg, im Winter lediglich 2,71 Millionen. „Am überraschendsten war für mich, dass der Unterschied zwischen Sommer und Winter so groß ist“, räumt Schützinger ein. Zugleich zeigt sich: Übernachtungsgäste aus Deutschland oder der Schweiz unternehmen häufig Tagesausflüge ins Land. Die Ausgaben unterscheiden sich dabei erheblich: Im Winter gibt ein Tagesgast zwischen 70 und 80 Euro aus, im Sommer nur 30 bis 40 Euro. Im Winter dominieren Ausgaben bei Bergbahnen und für das Skifahren. Im Sommer verteilen sich die Umsätze wiederum breiter: Veranstaltungen wie die Bregenzer Festspiele, Museen, Sportevents und Bergerlebnisse. Tagesgäste kombinieren dabei mehrere Attraktionen zu einer Route.

Für Schützinger liegt darin ein strategisches Potenzial: „Im Winter ist die Ausgabebereitschaft hoch – ob wir das nicht im Sommer ähnlich hinbekommen?“ Der Ansatz: Wertschöpfungsketten durch Ergänzungsleistungen verlängern. Eine Seilbahnfahrt mit Bergfrühstück kombinieren etwa.

Eine weitere Erkenntnis: Viele Attraktionen werden vor allem wegen ihrer Erreichbarkeit besucht, noch vor der inhaltlichen Qualität des Angebots. Vorarlberg verfügt nach Wien über das am besten ausgebaute Öffi-Netz Österreichs.

In Sachen Vorarlberg Card könnte sich ebenfalls etwas tun: Die Inklusivkarte gilt bislang von Mai bis Oktober. Da die Studie auch im Winter ein Ausflugsbedürfnis belegt, zieht Schützinger Konsequenzen: „Wir überlegen, ob wir dieses Leistungsangebot in den Winter erweitern könnten.“

Das Interview zum Nachhören unter: www.gast.at/podcast-tourismus (Folge 51)

Interessant ist ergänzend dazu folgender weiterführender Bericht:
Vorarlberg Tourismus

Ganzjahresziel unter starker Berück­sichtigung der Bevölkerung

12. Juli 2024 | Österreich

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