T.A.I. vor Ort in Deutschland

Wanderbare Vielfalt mit Moor, Heidschnuckenweg und Sülfmeistern

Print-Ausgabe 14. Oktober 2022

Der „Dör’t Moor“ Pfad wurde 2021 zum deutschlandweit besten Wanderweg gewählt.

Der „Dör’t Moor“ Pfad wurde 2021 zum deutschlandweit besten Wanderweg gewählt. (Foto: © Björn Wengler Fotografie)


 

Der weitläufige Wirtschaftsraum Hamburg präsentiert sich abwechslungsreich – zu den touristischen Attraktionen zählen auch zwei mehrfach prämierte Routen

Der Norden Deutschlands wird oft mit Hamburg assoziiert. Die zweitgrößte Stadt der Bundesrepublik gilt bei den Österreicher*innen nicht ohne Grund seit jeher als beliebtes Reiseziel. Doch wie steht es um die Angebote außerhalb der Hansestadt? Um diese zu erkunden, reiste T.A.I. im Rahmen eines Medien-Trips auf Einladung der Agentur „Feuer & Flamme“ in die bundesländerübergreifende Metropolregion, die Teile von Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern umfasst und neben Landkreisen (z.B. Lüneburg und Rotenburg) auch kreisfreie Städte (z.B. Lübeck und Schwerin) unter einem Dach vereint.

Zu den touristischen Attraktionen der Region zählen etwa der 223 km lange Heidschnuckenweg und die sich über 358 km erstreckenden Nordpfade (alles in Teilstrecken erwanderbar). Beide wurden zu Deutschlands „Top-Routen“ gekürt und das ist kein Zufall, wie T.A.I. feststellen durfte: Der Charme der Region ist im Zuge von ausgedehnten Wanderungen überall spürbar.

„Alter Kran“ und „Rote Rosen“

Den Anfang machte ein Aufenthalt in Lüneburg. Im Mittelalter vor allem durch den Salzabbau zu großer Berühmtheit gelangt (das „weiße Gold“ wurde bis 1980 abgebaut und brachte den Sülfmeistern / „Selbstmeistern“ großen Reichtum), galt das Lüneburger Werk bis Ende des 16. Jahrhunderts als größter Salzproduzent Nordeuropas. Noch heute zeugen prunkvolle Häuserfassaden vom damaligen Wohlstand. Das Straßenbild der Altstadt ist vielerorts von den typischen Backsteinmauern geprägt, rund 1.400 Häuser stehen unter Denkmalschutz. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der 1797 erbaute „Alte Kran“ (ein Hafenkran) im historischen Hafen, das Rathaus, der Wasserturm und die St. Johanniskirche, das bedeutende Bauwerk der norddeutschen Backsteingotik, deren Turm auffällig schief steht (2,2 m Überhang). Um sich gegen Stürme aus vorwiegend westlicher Richtung besser behaupten zu könen, war eine kleine Neigung zwar beabsichtigt, jedoch hätte diese geringer ausfallen sollen.

Lüneburg ist aber auch Drehort und Schauplatz der deutschen Telenovela „Rote Rosen“, die seit 2006 im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt wird und von Beziehungsgeschichten in der Stadt erzählt. Rund um die TV-Serie hat sich über die Jahre ein eigener Tourismus gebildet. Die Stadt hat passend dazu Packages aufgelegt. Von der Nachfrage profitiert auch das denkmalgeschützte Hotel Wyndberg, wo die Medien-Gruppe im Rahmen des Aufenthalts genächtigt hat. Anfang des 15. Jahrhunderts als Syndikatshaus erbaut, wurde das heute privat geführte Hotel mehrmals renoviert. In das heutige Erscheinungsbild wurden alte Bauelemente übernommen. Ergänzt wird das Angebot durch eine eigene Destillerie.

Von der Lüneburger Heide zum Stimbekhof
Flacher Start mit Heidschnucken

Unter der Führung von Ranger Jan Brockmann ging die erste Wanderung den Heidschnuckenweg entlang, über den Wilseder Berg und Totengrund bis nach Bispingen. Bei dem Teilstück handelt es sich jedoch nur um eine kleine Etappe, die gesamte Route führt von Hamburg nach Celle. Die Wanderung geht die meiste Zeit recht flach dahin. Dies macht sich unter anderem daran bemerkbar, dass der Gipfel des Wilseder Bergs gerade mal 169 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Für geübte Wanderer stellt der Heidschnuckenweg demnach keine große Herausforderung dar.

Unterwegs erfuhr die Gruppe viel Wissenswertes über die Lüneburger Heide und ihre tierischen Bewohner*innen. Heidschnucken sind genügsame Schafe und werden seit Jahrhunderten für die Heideflächen-Beweidung eingesetzt. Das einstige Leben veranschaulicht ein Heidemuseum, ein „Must see“ für einen Zwischenstopp.

Weil zum Wandern auch das Übernachten gehört, klang der Abend bei einem Aperitif am Kamin und einer gemeinsamen Mahlzeit im Stimbekhof in Bispingen aus. Dort wird bei den Gerichten auf regionale Zutaten und Genussmomente geachtet, passend zum ländlichen Flair des Hofs, mit dem sich die drei jungen Inhaber*innen Jovitha, Sabrina und Björn mitten im Naturschutzgebiet einen Lebenstraum erfüllten.

Deutschlands bester Wanderweg

Nach einem stärkenden Frühstück ging es tags darauf zur zweiten Wanderung. Der Start erfolgte in Rotenburg (Wümme), wo „Nord­pfade“-Projektbegleiter Udo Fischer die Gruppe begrüßte. Der Startschuss für diese Pfade erfolgte 2014, als der erste Wanderweg ausgeschildert wurde. Seitdem sind 23 weitere hinzu gekommen. Die Gruppe wandelte auf den Pfaden von „Dör’t Moor“ (plattdeutsch für „durch´s Moor“), die Route wurde 2021 als deutschlandweit bester Wanderweg prämiert und hat dementsprechend neue Gäste in die Region gebracht. Durch Wälder und an Moorlandschaften vorbei geht es flach dahin. Optional kann ein „Tischlein deck dich“ Picknick gegen Vorbestellung dazu gebucht werden. Zusammengestellt wird dies von regionalen Betrieben wie etwa dem Wachtelhof.

Nach einer Übernachtung im Hotel zur Kloster-Mühle in Groß Meckelsen/Kuhmühlen wurde als letzter Programmpunkt das „Kiekeberg“ Freichlichtmuseum in Rosengarten-Ehestorf besucht. Dieses erstreckt sich auf 14 ha und ist in mehrere Themenbereiche unterteilt. Die Häuser stammen aus verschiedenen Epochen und werden originalgetreu wieder aufgebaut, um das damalige Leben zu veranschaulichen. Das Museum hat das ganze Jahr über geöffnet.

Fazit dieses Wander-Trips: Die Metropolregion hat weit mehr zu bieten, als die – in der Tat sehenswerte – Stadt Hamburg. Wer Zeit, Lust und Muße hat, sollte sich auf die Socken – sprich: des Schusters Rappen – machen. Der Charme der Region ist wirklich erwandernswert!

Heidschnucken

Heidschnucken (© Lüneburger Heide GmbH)

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