Luftfahrt-Entwicklung

Restart mit vielen Emotionen,
Erholung aber im Schneckentempo

Print-Ausgabe 19. Juni 2020

Flughafen Wien-Vorstand Julian Jäger (l.) und Austrian Airlines-CEO Alexis von Hoensbroech 

Austrian Airlines-Comeback am Linienflug-Himmel hat weithin für Erleichterung gesorgt – der weitere Steigflug wird aber zäh, und zwar auch global gesehen

Am Montag dieser Woche nahmen Austrian Airlines ihren Linienflugbetrieb wieder auf. T.A.I. war auf dem Premierenflug nach München ebenso mit dabei, wie bei der anschließenden Pressekonferenz (ausführlicher Bericht auf www.tai.at). Wiens Flughafen-Vorstand JulianJäger machte dabei klar, dass der Branche noch eine lange Durststrecke bevorstehe („Fliegen nach Corona kann nicht dasselbe sein, wie Fliegen vor Corona“) und er hofft, dass durch Wiederaufnahme des Flugbetriebs von Austrian Airlines jetzt „zumindest ein paar tausend Passagiere und nicht nur ein paar hundert“ pro Tag abgefertigt werden können (bis August/September sollen es 10.000 bis 20.000 pro Tag werden, im Vorjahr waren es um diese Zeit bis zu 100.000). 

Ebenso realistisch gab sich Austrian-CEO Alexis von Hoensbroech: „Wir fliegen noch fast gar nicht.“ Im Juni sind es 5 % der üblichen Kapazität, im Juli 20 % (Aufnahme Charter sowie einiger Langstrecken, darunter Newark und Bangkok). „Derzeit sind es 30 Destinationen, viele davon aber nur einmal pro Woche und wir fliegen mit unseren kleinsten Flugzeugen. Ende Juli werden 60 Ziele im Programm sein.“

Für September/Oktober sind dann 30 % des üblichen Flugvolumens angepeilt, bis Jahresende 50%. „Wir werden im dritten Quartal erstmals wieder ein ‚normales Drehkreuz‘ betreiben“, so Alexis von Hoensbroech. „Unser Anspruch ist es, das Flugprogramm wieder auf normales Niveau zu bringen.“ Die Verunsicherung der KonsumentInnen und auch Geschäftsreisenden sei hoch: die Buchungen erfolgen ca. ein bis zwei Wochen vor Abflug, also extrem kurzfristig. „Die Menschen sind sehr unsicher, was die weitere Zukunft betriff“, gab von Hoensbroech zu bedenken.

Austrian Airlines und der Flughafen Wien stellen diesbezüglich keine Ausnahmen dar. Wie schwer es die Luftfahrt-Branche momentan hat, zeigt ein Blick auf die aktuellsten Indikatoren: die von Eurocontrol täglich aktualisierten Zahlen der Flüge über Europas Himmel sowie jene von der US-amerikanischen TSA (Transportation Security Administration) ebenfalls für jeden Tag gemeldete Anzahl der Passagiere in, von und nach den USA. 

In beiden Fällen hat sich das Volumen Mitte Juni wieder auf ca. 20 % im Vergleich zum Vorjahr angenähert. Mitte April lag es laut Eurocontrol-Zahlen (Flüge) bei nur ca. 10 %, in den USA (Flugpassagiere) bei 5 %. Die Erholung kommt also nur im Schneckentempo voran. „Der Weg in den kommenden Wochen wird steinig“, meinte Julian Jäger beim Pressegespräch. Es bleibt also spannend.  

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