Europas Top 30 Airports

Lufthansa Hubs auf der Bremse,
harte Nüsse für den Flughafen Wien

Print-Ausgabe 10. Februar 2017

Das Passagier-Wachstum von FRA, MUC, ZRH und VIE seit 2010 lag deutlich unter dem Durchschnitt – die Gründe dafür sind vielfältig

Mit drei Passagierrekorden – stärkster Tag, stärkster Monat und erstmals mehr als 23 Millionen Passagiere im Gesamtjahr (+2,5 % auf 23,4 Mio.) – konnte der Flughafen Wien 2016 eine überaus erfreuliche Entwicklung verbuchen (T.A.I. berichtete darüber). Doch wie sieht dieses Wachstum im Vergleich mit den wichtigsten Konkurrenten, München und Zürich, aus? Und im europäischen Umfeld? T.A.I. ist der Frage nachgegangen und bei der Analyse von Europas Top-30 Airports für 2016 sowie bezüglich der mittelfristigen Entwicklung seit 2010 auf interessante Details gestoßen.

Ergebnis: der Flughafen Wien hat 2016 unter Europas größten 30 Airports trotz der erwähnten Rekordwerte nur unterdurchschnittlich performt. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Top-30 lag 2016 bei 3,8 Prozent und damit deutlich höher, als in Wien.

Schwache Lufthansa-Hubs

Dasselbe gilt für den Vergleich der Zahlen seit 2010. Hier legte Europas Spitzen-Liga um 29,5 Prozent zu, während Wien mit „nur“ plus 18,6 Prozent deutlich schwächer gewachsen ist. Er rutschte damit von Rang 17 in 2010 auf Platz 24 in 2016 ab. Damit befindet sich Wien allerdings in „bester“ Gesellschaft, denn auch die beiden Konkurrenten München und Zürich weisen seit 2013 eine unterdurchschnittliche Performance auf (siehe Graphik) und verloren unter den Top-30 seit 2010 an Boden.

Vier Herausforderungen
für Wien

Die Gründe dafür sind vielfältig, wie Flughafen Wien Vorstand Julian Jäger gegenüber T.A.I. betont. „Die Ticketsteuer hat uns sicher nicht geholfen, wir freuen uns deshalb über die Halbierung ab 2018.“ Doch sie ist laut Jäger nur eine der Ursachen: „Wir sind durch die relativ hohe Ost-Europa Exposure seit 2000 immer über dem westeuropäischen Durchschnitt gelegen.“ Doch zwischen 2010 und 2016 ist das Osteuropa-Geschäft am Flughafen Wien um 14,2 Prozent zurückgegangen.

Auch das Afrika-Aufkommen (v.a. Ägypten und Tunesien, aber auch Lybien) hat stark gelitten und ist seit 2010 um 20 Prozent eingebrochen. Dem stand ein überdurchschnittliches VIE-Wachstum in Nordamerika (plus 56 Prozent), in Westeuropa (plus 9 Prozent) und Asien (plus 10 Prozent) gegenüber.

Die schwache Entwicklung der Homecarrier bremste ebenfalls das VIE-Wachstum. So sind laut Jäger die Passagierzahlen von Austrian Airlines zwischen 2012 und 2016 um 5 Prozent rückläufig gewesen, jene der Airberlin-Gruppe (inklusive NIKI) um 11 Prozent. Jäger: „Das konnte großteils durch andere Airlines kompensiert werden, wie zum Beispiel EasyJet.“

All dies spiegelt sich auch in den Transferzahlen am Flughafen Wien wider, wobei laut Jäger auch die Konkurrenz in diesem Bereich härter geworden ist. Gemeint sind damit die Lufthansa-Hubs Frankfurt, München und Zürich sowie die Drehscheiben im Mittleren Osten und Istanbul.

Die großen Zehn


Unter den Top-10 entwickelte sich Frankfurt seit 2010 deutlich unter dem Durchschnitt (zuletzt bremsten die Lufthansa-Streiks das Aufkommen), nur Paris Charles de Gaules (Stichwort: Air France-Restrukturierung) und Madrid Barajas (Iberia-Restrukturierung plus spanische Finanz- und Wirtschaftskrise, 2016 wieder deutlich im Aufwind) sowie Antalya (Türkei-Krise) schnitten schlechter ab. Von den Top-10 entwickelte sich Istanbul Attatürk trotz Rückgang um 2 Prozent im Vorjahr mit Abstand mittelfristig am besten (plus 87,1 Prozent seit 2010), vor Barcelona (plus 51,1 Prozent), wobei hier die dynamische Expansion von Vueling eine wichtige Rolle spielt, die seit 2010 ihre Passagierzahlen um rund 180 Prozent auf 28 Millionen steigern konnte.

Beeindruckend entwickelt hat sich mit plus 40,1 Prozent Passagierplus seit 2010 (Vorjahr plus 9,2 Prozent) auch Amsterdam. „KLM funktioniert sehr gut“, so Jäger, der auch ein „sehr schönes Low Cost Wachstum“ als Grund für die auffallend gute AMS-Entwicklung nennt.

Ausblick 2017

Im kommenden Jahr rechnet der Flughafen Wien mit einem Wachstum von bis zu 2 Prozent. Dies ist angesichts des Kahlschlags bei der Airberlin Gruppe eine überraschend positive Prognose. Julian Jäger: „Jene 1,5 Millionen Passagiere, die wir durch die Airberlin Gruppe verlieren, werden unseren Einschätzungen nach je zur Hälfte durch Austrian Airlines und die Eurowings-Expansion aufgefangen. Austrian Airlines wird wieder wachsen.“ Weitere Rekordzahlen zeichnen sich also ab, auch wenn anderorts die Dynamik neuerlich zum Teil deutlich höher ausfallen dürfte. 

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Erstellt am: 10. Februar 2017

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