Bundesländer-Flughäfen

Lahme Linie, quirlige Leisure!
Jahr mit Pistensperre und Pleiten

Print-Ausgabe 14. Februar 2020

Hätte ohne Pistensperre ein kleines Plus geschrieben: Bettina Ganghofer, Geschäfts­führerin Flughafen Salzburg

Österreichs Bundesländer-Flughäfen sahen sich 2019 mit zahlreichen Heraus­forderungen konfrontiert – ein spürbares Gesamtwachstum gab’s nur in Innsbruck

Während der Flughafen Wien mit einem zweistelligen Wachstum 2019 ein weiteres Rekordergebnis verbuchte (31,7 Mio. Passagiere, +17,1 Prozent bzw. 4,625 Mio. Fluggäste), war das Vorjahr für die Bundesländer-­Airports durchwachsen. Sie mussten in Summe einen Rückgang um -2,9 Prozent auf 4,66 Mio. Fluggäste hinnehmen. Das gesamte Bundesländer-Volumen 2019 entspricht damit fast genau dem Wachstum des Vienna International Airports. Die Rückgänge basierten vor allem auf dem Linienverkehr (Ausnahme Innsbruck); der Charterbereich konnte insgesamt zulegen.

Hauptgrund für die schwache Performance der Bundesländer war die fünfwöchige Pistensperre am Salzburg Airport W.A. Mozart, dem mit Abstand aufkommensstärksten Bundesländer-Flughafen (1,72 Mio. Passagiere). Die Sperre war durch die komplette Erneuerung der Start- und Landebahn im Frühjahr begründet und sorgte laut Geschäftsführerin Bettina Ganghofer für einen Ausfall von rund 135.000 Passagieren. Der konnte bis zum Jahresende auf rund 126.400 reduziert werden. Ohne Pistensanierung hätte es demnach in Salzburg ein kleines Plus von 0,5 Prozent gegeben. Für 2020 geht Ganghofer wieder von einer Steigerung aus. Lufthansa hat die Frankfurt-Flüge von Austrian Airlines übernommen und setzt größere Maschinen ein (Airbus statt Embraer). Eurowings erhöht die in Salzburg stationierte Airbus-Flotte und baut die Ferienflug-­Ziele aus.

Nr. 2 unter den Bundesländer-­Airports ist der Flughafen Innsbruck, der auf 1,144 Mio. Passagiere zulegen konnte – das siebente Jahr in Folge mit einem Plus. Dies ist insofern bemerkenswert, da INN laut Geschäftsführer Marco Pernetta zunächst von der Germania-­Insolvenz betroffen war, dann British Airways ihr Angebot nach London ausdünnte und im Herbst die Cook-Pleite für einen Rückschlag sorgte: Cook hatte 2019/20 sechs wöchentliche Flüge mit 35.000 Passagieren geplant. Ersatz wurde am Ende bei TUI UK, jet2.com sowie Norwegian gefunden. Der Charterbereich schloss dennoch mit einem Minus ab. 2020 soll es für INN ein weiteres Wachstum geben. easyJet wird im Sommer ihre Berlin-Flüge von drei auf fünf wöchentliche Frequenzen ausbauen, jet2.com plant im Sommer Flüge aus Birmingham und Manchester. Im Leisure-Outgoing sorgt u. a. der Idealtours-Charter nach Split jeden Freitag für Impulse.

Der Flughafen Graz verzeichnete eine Seitwärtsbewegung (+0,6 Prozent) auf 1,037 Mio. Passagiere – ein neuer Rekord. Dafür sorgte der Charterbereich, der nach +39,4 Prozent 2018 nochmals um 5,5 Prozent zulegen konnte. Die Linie verzeichnete hingegen ein Minus. Für den Sommer 2020 wird in GRZ laut Geschäftsführer Gerhard Widmann „noch an einigen Details gearbeitet.“ Fix ist die Stationierung einer Bulgarian Air Charter-Maschine ab Mitte Mai.

Einen Bulgarian Air Charter wird es auch in Linz geben. Dort hatte er 2019 erneut zu einem Passagierwachstum im Charterverkehr (174.526 Passagiere) geführt, ein Plus von 16,1 Prozent, nachdem es bereits 2018 in diesem Bereich einen massiven Zuwachs um 42,6 Prozent gab. Die Linie brach hingegen um -18,1 Prozent ein. Verantwortlich dafür war laut Geschäfts­führer Norbert Draskovits die Einstellung der Wien- und London-­Verbindungen. 2020 soll es auf der Linie wieder leicht nach oben gehen: Die Flüge nach Düsseldorf werden aufgestockt und Lufthansa setzt seit Anfang des Jahres zweimal pro Tag den Airbus 319 nach Frankfurt ein. Und auch der Charter­verkehr sollte sich erneut positiv entwickeln.

Klagenfurt (KLU) hatte in Summe ebenso einen Rückgang, wie St. Gallen/Altenrhein (ACH), was in beiden Fällen dem Linienverkehr geschuldet war. Der Charter-­Verkehr legte da wie dort massiv zu. 

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