Aegean Airlines

Griechisches Airline-Wunder! Full Service mit Low Cost-Rendite

Print-Ausgabe 3. Juni 2016

Auch wenn die Zahlen für das erste Quartal nicht berauschend waren, legt Aegean eine starke Performance hin und das gegen härteste Konkurrenz

Im Vorjahr wuchs sie viermal stärker als das Aufkommen von und nach Griechenland, erwirtschaftete eine Umsatzrendite von 9,9 Prozent und setzt heuer mit 14 zusätzlichen Zielen in sechs neuen Ländern stark auf Expansion; damit nicht genug, hat sie von den Passagierzahlen 2015 erstmals Austrian Airlines überholt und mit einem nur halb so großen Umsatz wie diese, einen fast doppelt so hohen Gewinn erwirtschaftet. Die Rede ist von Aegean Airlines. Wie es der 1999 gegründeten privaten griechischen Full Service-Airline gelingt, sich dermaßen gut im harten Wettbewerb gegen Netzwerk- und Low Cost-Riesen zu behaupten, – noch dazu in einem Quellmarkt, der seit Jahren die schwerste wirtschaftliche Krise seiner Geschichte durchmacht –, darum ging es in einem Interview von T.A.I. mit Aegean CEO Dimitrios Gerogiannis am Firmensitz in Athen.

T.A.I.: Aegean verbuchte 2015 ein starkes Wachstum bei angebotenen Sitz-Kilometern (ASK), der Umsatz kletterte aber nur moderat nach oben, die Auslastung ging sogar zurück. Waren Ihre Wachstumspläne zu hoch angesetzt?

Dimitrios Gerogiannis: „Nein, aber das Umfeld war sehr schwierig. Es gab viel Kapazität am Markt, das hat auf die Preise gedrückt. Wir haben aber neuerlich sehr gute Ergebnisse gehabt und eine gesunde Profitabilität. Auch der Cash Flow war stabil und wir haben eine gute Dividende ausgeschüttet.“

T.A.I.: Wie sieht es heuer mit den Wachstumsplänen aus?

Gerogiannis: „Wir planen ein einstelliges Wachstum und legen knapp 7 Prozent mehr Sitze auf. Man kann nicht lange auf großen Wachstumsraten bleiben. Unser Ziel lautet auch nicht Wachstum, sondern profitabel zu sein. Wenn wir kommerzielle Risiken eingehen, dann geschieht dies sehr sensibel und in kleinen Schritten. Wir beschäftigen immerhin knapp 3.000 Mitarbeiter und mit dieser Verantwortung gehen wir sehr sorgfältig um.

T.A.I.: Das erste Quartal war nicht sehr berauschend. Was erwarten Sie von 2016?

Gerogiannis: „Das erste Quartal war tatsächlich sehr schwierig. Die Buchungen waren seit dem Terror in Frankreich sowie allem, was danach passiert ist, deutlich belastet. Dazu kam noch das Flüchtlingsthema. Wir konnten aber den Umsatz um 7 Prozent steigern, hatten um 6 Prozent mehr Flüge und die Zahl der Passagiere stieg um 9 Prozent auf zwei Millionen. Das Ergebnis war schlechter, aber wir haben im Vergleich zum Vorjahresquartal elf zusätzliche Airbus A320, die wir auch im Winter beschäftigten, um neue internationale Destinationen aufzubauen. Seit Februar gibt es wieder eine Erholung, wobei die Buchungen kurzfristiger erfolgen, als vor einem Jahr.“

T.A.I.: Womit rechnen Sie für den Sommer?

Gerogiannis: „Ich bin zuversichtlich. Niemand hat heuer für Griechenland mit zweistelligem Wachstum gerechnet. Wir hoffen auf ein einstelliges Wachstum für Griechenland und auch für Aegean.“

T.A.I.: Aegean startete als Full Service Airline zu einem Zeitpunkt, wo alle Neugründungen im Low Cost-Segment angesiedelt waren. Wieso?

Gerogiannis: „Full Service und gute Dienstleistung kombiniert mit Kosten-Effizienz und einer hohen Mitarbeiter-Produktivität waren von Anfang an unsere Philosophie. Wir sind seit 17 Jahren darauf fokussiert. Das ist für uns schon fast wie eine Religion. In den ersten vier Jahren war es extrem schwer, wir haben nur Geld verloren. Aber wir haben trotzdem nie unsere Mitarbeiter-Trainings reduziert und auch nicht die Investitionen. Wir haben viel Technologie eingesetzt, sowohl am Front-End, als auch bei den Piloten und in der Kabine, die alle ihre Informationen auf iPads erhalten. Wir investieren, um die Arbeit der Mitarbeiter zu erleichtern, die dadurch motivierter und produktiver werden. Es ist eigentlich sehr einfach.“

T.A.I.: Wer sind Ihre Hauptkonkurrenten?

Gerogiannis: „Wir haben auf jeder Strecke mindestens eine Full Service-Airline sowie einen Low Cost Carrier als Mitbewerber und sind seit 2003 gewohnt, mit Billigairlines zu leben – die erste war Germanwings – und 2003 war dann das erste profitable Jahr für Aegean. Seither ist jedes Jahr ein Mitbewerber dazu gekommen, Ryanair, Easyjet, Norwegian und Vueling … wir haben uns daran gewöhnt. Ryanair unterhält heute bereits drei Basen in Griechenland mit sieben Fliegern.“

T.A.I.: Wo sehen Sie die Grenzen des Aegean-Wachstums?

Gerogiannis: „Mit diesem Flugzeugtyp – also dem Airbus A320 – und mit der Breite unseres Netzes ist es noch ca. vier bis fünf Jahre möglich, mit unserer Philosophie schrittweise und vorsichtig zu wachsen. Wir sind erst 2014 nach Skandinavien gekommen, dort liegt noch viel Potential. Und ich hoffe, dass der Nahe Osten in den nächsten drei bis fünf Jahren stabiler wird, dort sind wir sehr gut positioniert, um Südost-Nordwest-Verbindungen zu schaffen. Wir haben z.B. Beirut, Kairo oder Teheran aufgebaut und sehen schon jetzt sehr gute Ergebnisse. Das Modell funktioniert.“

T.A.I.: Wie sieht es mit Langstrecken-Plänen aus?

Gerogiannis: „Das ist ein ganz anderes Thema, das braucht ganz andere Voraussetzungen. Und nicht zu vergessen: wir sind hier in Griechenland.“

T.A.I.: Welche Pläne gibt es für Österreich?

Gerogiannis: „Wien ist Wien! Wir fliegen jetzt täglich nach Athen und die Chance im Sommer oder einer verlängerten Sommersaison auch andere Ziele anzufliegen, wie Heraklion, besteht. Möglichkeiten sind da, die Österreicher sind sehr griechisch orientiert und waren immer sehr treue Gäste. Wir werden aber vorsichtig vorgehen.“

T.A.I.: Bleibt Aegean Airlines unabhängig?

Gerogiannis: „Wir arbeiten daran, auch weiterhin profitabel zu sein.“

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Erstellt am: 03. Juni 2016

Foto: Vom Büro aus den Hangar stets im Blick: Dimitrios Gerogiannis

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