Laudamotion

Getrennt vereint über Hürden!
Laudas „assisted takeoff“ mit Condor

Print-Ausgabe 23. Februar 2018

Enge Kooperation steht fest, erste 56 Verbindungen mit OE-Flugnummer buchbar – viele offene Fragen vom Personal bis zu Flugzeugen sind aber ungeklärt.

Die Startvorbereitungen für den neuen Ferienflieger der DACH-Region laufen auf Hochtouren. Auf www.laudamotion.com findet sich zwar noch der Hinweis „coming soon“, hinter den Kulissen ist aber viel los. Vorigen Freitag bestätigte Condor-Chef Ralf Teckentrup offiziell die Zusammenarbeit mit Laudamotion. In einem ersten Schritt sind über Condor 56 Laudamotion-Verbindungen unter OE-Flugnummern ab Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und Basel nach Mallorca, Ibiza sowie Malaga buchbar. Die Flüge beider Airlines sind flexibel miteinander kombinierbar. Insgesamt gibt’s aber noch mehr offene Fragen als gelöste Probleme. Diese betreffen vor allem Crews und Flugzeuge. Erstere fehlen noch, wobei potentielle MitarbeiterInnen zwischen Festanstellung und Leiharbeitsvertrag wählen können. Dass zeitgleich Austrian Airlines, Eurowings, Wizz Air und easyJet Piloten sowie Kabinenpersonal suchen, macht die Sache für Laudamotion nicht einfacher, ebenso, dass die Crews je nach Bedarf an unterschiedlichen Hubs in Deutschland stationiert werden. Auch über der Flotte steht ein großes Fragezeichen. Lauda hatte im Bieterverfahren Ende Jänner den Zuschlag für 15 Airbus A320 erhalten, doch die Jets fliegen seit Herbst im Vorgriff auf die dann gescheiterte NIKI-Übernahme für Eurowings bzw. die Lufthansa Group, sechs wurden von ihr über den Winter gegroundet. Neun Jets werden laut Eurowings-Geschäftsführer Oliver Wagner jetzt an Laudamotion abgetreten, einige davon aber im Wet-Lease von Laudamotion wieder an Eurowings vermietet. Beide Seiten bestätigten Gespräche darüber, Vertrag wurde bis Redaktionsschluss noch keiner unterzeichnet.

Fest steht hingegen die enge Partnerschaft mit Thomas Cook bzw. dessen deutscher Airline-Tochter Condor, die laut Ralf Teckentrup „neben der Vermarktung der Laudamotion-Flüge auch ausgewählte operationelle Funktionen, wie die Verkehrsleitstelle oder die Crewplanung, als Dienstleister für Laudamotion übernehmen wird.“ Cook/Condor waren bereits Partner von Lauda im ersten NIKI-Bieterverfahren von September 2017. Lauda hätte 51 Prozent des Konsortiums gehalten. Den Zuschlag bekam bekanntlich Lufthansa. Aus der zweiten Bieterrunde Ende Dezember – die EU-Wettbewerbshüter hatten Lufthansa die NIKI-Übernahme untersagt – ging die IAG-Tochter Vueling als Siegerin hervor. Lauda hatte damals aus Zeitgründen alleine mitgeboten, ebenso in der aus rechtlichen Gründen notwendig gewordenen dritten Bieterrunde Ende Jänner, bei der Lauda Bestbieter war. „Zuerst war die Idee, es mit Thomas Cook und Condor gemeinsam zu machen. Aber es ging schneller, allein reinzugehen. Das war in der Nacht der Entscheidung wichtig“, begründete Niki Lauda vor wenigen Tagen gegenüber dem Magazin „Stern“ den Alleingang.

An der Kooperation mit Condor änderte das nichts. Der Vorteil von Cook/Condor als Partner für Laudamotion liegt neben einer Grundabnahme von Kontingenten im Buchungssystem: vor drei Jahren wechselten die Cook-Konzern-Airlines auf die Amadeus-Plattform „Altéa“, wobei alle Module für Reservierung, Inventory und Abflugkontrolle zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verfügt das System über Schnittstellen zu den Reiseveranstaltern – ein extremer Vorteil für eine Ferienfluggesellschaft.

Laudamotion wird nach derzeitiger Planung vor allem in Deutschland tätig, mit Schwerpunkt Düsseldorf. Der Fokus liegt auf Mallorca, wo Airberlin und NIKI Platzhirsche waren und sich bis jetzt kein ausreichender Ersatz etablierte. Aktiv werden will Laudamotion auch in Zürich sowie in Österreich mit Flügen nach Spanien, Griechenland und Italien. Über all dem stehen wie gesagt noch Fragezeichen. Eines ist aber fix: Lauda wird für Laudamotion nicht als Pilot tätig sein. „Ich bin über 65, das darf ich nicht mehr“, meinte er gegenüber dem „Stern“. Er will aber „öfter mitfliegen und schauen, wie die Kunden hinten reagieren.“ 

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Erstellt am: 23. Februar 2018

Bild oben, v.l.: Ralf Teckentrup (CCO Condor), Niki Lauda (Laudamotion)

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