Qatar Airways

Emir in Nöten! Vorerst nur mit
Umleitung in die Drehscheibe Doha

Print-Ausgabe 16. Juni 2017

Die Luftraum-Sperre von Saudi Arabien, den V.A.E., Bahrain und Ägypten ist vor allem ein Kostentreiber – der Flugplan von QR ist hingegen kaum betroffen

Bis vor kurzem schien es für Qatar Airways nur eine Richtung zu geben: nach oben. Doch im kürzlich präsentierten Geschäftsbericht 2016/17 zeichnete sich ab, dass die Früchte deutlich höher liegen, als in den Jahren zuvor. Seit März belastet nun das Laptop-Verbot die Buchungen auf den Flügen Richtung USA und Anfang voriger Woche kam es im Zuge politischer Querelen mit Saudi Arabien, den V.A.E., Bahrain und Ägypten zur Sperre des Luftraums dieser Staaten für sämtliche QR-Flüge. Rund ein Fünftel aller Flüge von und nach Katar wurden zuvor durch einen der drei angrenzenden Lufträume geführt. Aktuell steht nur noch der Korridor in Richtung Luftraum des Iran zur Verfügung. Der Doha Hamad International Airport (DOH) ist damit vorerst nur über (großteils kleine, zum Teil größere) Umwege erreichbar.

Derzeit bemüht sich Qatar Airways CEO Akbar Al Baker um ein Einschreiten der ICAO (International Civil Aviation Organisation): „Es handelt sich um einen illegalen Akt. Die ICAO sollte ihr gesamtes Gewicht in die Waagschale werfen“, wurde Al Baker Anfang dieser Woche vom TV-Sender „Al Jazeera“ zitiert.

So wie es aussieht, scheint die Airline aber die Dinge im Griff zu haben. Es gibt nur wenige Verspätungen, gecancelled werden vorwiegend nur Flüge in die genannten Länder, wie T.A.I. dem Portal www.flightradar24.com entnommen hat.

Aktuell besteht die QR-Flotte aus 196 Flugzeugen – alle, bis auf 49 Jets der Airbus A320-Familie, sind Großraummaschinen, darunter sieben A380 sowie mittlerweile 16 Airbus A350-900, die auch auf den täglichen Flügen nach Wien zum Einsatz kommen. Insgesamt wurden 2016/2017 (das Geschäftsjahr läuft bis Ende März) von QR mit 32 Millionen um 20 Prozent mehr Passagiere befördert, als im Jahr davor. Das Aufkommen von und nach Österreich wuchs 2016 überproportional um 23,2 Prozent auf rund 170.000.

Von den durch die Blockade bewirkten Einschnitten sind weniger die Flüge von und nach Europa bzw. Asien betroffen, sondern vor allem jene nach Saudi Arabien, die V.A.E., Bahrain und Ägypten (diese wurden komplett ausgesetzt) sowie nach Afrika und nach Südamerika.

So musste unmittelbar nach Sperre der Lufträume der Flug Doha-Sao Paulo aufgrund des notwendigen Umweges einen Zwischenstopp in Athen einlegen. Die Flugstrecke war damit um 1.750 km länger, die Flugzeit stieg um zweieinhalb Stunden auf 16 Stunden 45 Minuten, den Aufenthalt in Athen noch nicht mitgerechnet. Von Doha nach Karthum im Sudan dauert es jetzt mit sechs Stunden nahezu doppelt so lange wie bisher (am Montag dieser Woche wurde der Flug gestrichen).

All dies summiert sich und treibt die Treibstoffkosten ebenso in die Höhe, wie der zusätzliche Aufwand für Umbuchungen und höhere Luftraum-Gebühren, denn der Iran langt hier im Vergleich mit den arabischen Nachbarn deutlich kräftiger zu.

Bereits im Geschäftsjahr 2016/17 standen die Erträge von Qatar Airways deutlich unter Druck. Der Umsatz kletterte mit 10,4 Prozent auf umgerechnet 9,58 Mrd. Euro nur halb so stark, wie die Passagierzahlen. Das operative Ergebnis ging sogar um 30 Prozent auf umgerechnet 508 Mio. Euro zurück.

Der Blick der Airline bleibt indes – wenn auch mit ungewollten Umwegen – nach vorne gerichtet: Montag dieser Woche wurde mit täglichen Flügen nach Dublin eine weitere Europa-Destination ins Streckennetz aufgenommen, weitere sieben neue Ziele folgen in den kommenden eineinhalb Jahren, von Abidjan an der Elfenbeinküste bis Utapao in Thailand. 

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Erstellt am: 16. Juni 2017

Richtet den Blick trotz ungewollter Umwege weiter nach vorne: Akbar Al Baker, CEO Qatar Airways

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