Airbus & Bombardier

Airbus rettet den Ladenhüter!
Einstieg bei C-Series um 0 Cent

Print-Ausgabe 20. Oktober 2017

Der Schock beim kanadischen Bombardier-Konzern sowie seinen beiden amerikanischen Großkunden Delta Air Lines und Republic Airways war groß, als die Administration Trump im August für die Auslieferung der C-Series Maschinen einen Strafzoll in Höhe von rund 220 Prozent ankündigte. Der Grund sind Subventions-Vorwürfe gegen Bombardier. Delta hatte im April vorigen Jahres 75 Modelle vom Typ CS100 zum Preis von rund 5,6 Mrd. US-Dollar fix bestellt plus Option für bis zu 50 weitere Maschinen. Die fix georderten Jets  würden – so das U.S. Commerce Department – pro Stück um 13,8 Mio. Dollar unter den Herstellungskosten verkauft. Zweiter Kunde in den USA ist der Regional-Carrier Republic Airways, deren Auftragserteilung bereits 2010 erfolgte, die Auslieferung allerdings fraglich ist: Republic durchlief zwischen Februar 2016 und April 2017 ein Chapter 11-Verfahren und will nur noch Embraer-Jets betreiben.

Durch den Anfang dieser Woche besiegelten Einstieg von Airbus mit 50,1 Prozent bei der Bombardier-Tochter C-Series Aircraft Ltd Partnership wurde nun eine elegante Lösung gefunden, um die Strafzölle zu vermeiden. Die verbleibenden Anteile halten Bombardier mit 31 Prozent und der Staat Quebec mit 19 Prozent. Quebec hatte vor zwei Jahren Bombardier mit 1 Mrd. Dollar Staatszuschuss unter die Arme gegriffen.

Airbus muss für seinen Hälfte-Anteil keinen Cent zahlen. Die Gegenleistung besteht vielmehr darin, die für Delta bestimmten CS100 Jets im vor zwei Jahren eröffneten Airbus eigenen US-Werk in Mobile, Alabama, zu montieren. Derzeit werden dort ausschließlich Modelle der A320-Familie hergestellt. Die A320-Familie in der neo-Version deckt den Bereich 140 bis 240 Passagiere ab, die C-Series von 100 bis 150.

Wobei der Verkauf der Bombardier-Jets eher schleppend ist: In Summe wurden bisher nur 360 Flugzeuge der C-Series bestellt, von denen 14 bereits ausgeliefert sind (9 an Swiss und 5 an Air Baltic). Bombardier erhofft sich durch die nunmehrige Partnerschaft mit Airbus eine deutliche Belebung der Nachfrage. Für Airbus wiederum stellt die C-Series eine interessante Ergänzung der Produktpalette am unteren Ende dar: dort erweist sich die kleine A319neo nämlich als Ladenhüter: Für den kleinsten Airbus gingen bisher nur 51 Bestellungen ein, gegenüber 5.151 der A320neo und A321neo. Boeing geht es mit dem Konkurrenz-Modell 737 Max 7 (138 bis 170 Sitze) nicht besser: von den bisher 3.902 Bestellungen betreffen lediglich 50 die MAX 7.

Ob es durch den Deal gelingt, die Strafzölle vom Tisch zu bringen, wird sich weisen. Die ursprünglich geplante Auslieferung der C-Series an Delta sollte bereits im Frühjahr 2018 beginnen. Die C-Series Produktion im Airbus-Werk in den USA kann hingegen frühestens in zwei Jahren starten.

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Erstellt am: 20. Oktober 2017

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