Germania-Insolvenz

Absturz auf Raten. Pleite trifft
Österreichs Touristik gleich mehrfach

Print-Ausgabe 8. Februar 2019

Mit der einst erfolgreichen Airline ging‘s unter Führung von Karsten Balke stetig bergab – TUI und Costa/AIDA suchen jetzt Alternativen für die geplanten Charter

Die Germania-Pleite von Anfang dieser Woche (die Schweizer Germania Flug AG ist weiterhin aktiv) betrifft auch Österreich. Im Sommer 2018 flog Germania für Costa von Wien nach Rostock sowie für Hofer und Ruefa ab Linz. Für die TUI-Gruppe war Germania von Innsbruck nach Palma de Mallorca im Einsatz. Auch für heuer war einiges geplant.

So wollte TUI Österreich mit Germania von Innsbruck nach Mallorca, Kreta und Kos. Derzeit wird nach neuen Airline-Partnern für diese Strecken gesucht. TUI Österreich-Geschäftsführerin Lisa Weddig ist überzeugt, bald Alternativen vorlegen zu können: „Daher sind diese Verbindungen ab/bis Innsbruck weiterhin buchbar.“ Auch das „Fly & Cruise Package“ ex Wien für Costa war im Sommer 2019 wieder auf Germania aufgebaut. „Aktuell arbeitet unser Flugeinkauf in Italien an einer Alternativlösung“, betont Ulrike Soukop, General Manager Austria & Emerging Central Europe Costa & AIDA Cruises. Nicht direkt vom Germania-Aus betroffen sind Eurotours (Hofer Reisen) und Ruefa: „Wir haben für heuer weder den Rostock-Charter, der wird diesmal mit AUA durchgeführt, noch Linienflüge bei der Germania eingekauft“, so Verkehrsbüro-Vorstand und Eurotours Geschäftsführerin Helga Freund.

Während die Charter-Kunden von Germania nach Alternativen suchen (oder bereits gar nicht mehr auf den Carrier zurückgegriffen haben), kommen Airlines der Lufthansa-Gruppe, Condor, TUIfly, Sun­Express und EasyJet den direkt betroffenen Linien-Passagieren mit Sonderkonditionen entgegen. Prompt reagiert hat auch Laudamotion, die für Germania-Passagiere vergünstigte Tickets (ab 9,99 Euro One Way) für Flüge von Münster, Düsseldorf und Berlin Tegel auf die Kanaren und nach Mallorca aufgelegt hat.

Das Scheitern der einst erfolgreichen Germania hatte sich seit längerem abgezeichnet. 1986 vom Berliner Anwalt Hinrich Bischoff gegründet, war Germania als Nischen- und Ergänzungscarrier auf touristischen sowie ethnischen Kurz- und Mittelstrecken spezialisiert. Auch nach dem Tod von Bischoff 2005 war Germania weiterhin erfolgreich. 2012 erreichte die Eigenkapitalquote 62 Prozent, der Jahresgewinn lag um die 500 Mio. Euro.

Das Blatt wendete sich, als Karsten Balke 2012 von den Bischoff-Erben zum Generalbevollmächtigten ernannt wurde und später die Mehrheit am Unternehmen übernahm. Balke ist im Hauptberuf Anwalt. Unter seiner Führung kam es 2013 zur Gründung der gambischen Fluggesellschaft Gambia Bird, die aber Ende 2014 wieder am Ende war und zum Zerwürfnis mit der Familie Bischoff führte. Gescheitert ist auch die Kooperation mit Hotelplan: HolidayJet mit Basis auf dem Flughafen Zürich startete im Frühjahr 2015, doch bereits im Sommer wurde von Hotelplan die Zusammenarbeit wieder aufgekündigt.

Ab 2013 geriet Germania in Turbulenzen. Ein Jahr später war der dicke Eigenkapitalpolster aufgezehrt und rutschte in den roten Bereich. Ende 2016 erreichte das negative Eigenkapital bereits -13,34 Mio. Euro. Auch in den beiden Folgejahren änderte sich das Blatt nicht mehr, am 5. Februar 2019 wurde Insolvenz angemeldet und der Flugbetrieb eingestellt.

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Erstellt am: 08. Februar 2019

Konnte Germania nicht mehr in die schwarzen Zahlen zurück führen: CEO Karsten Balke

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