Kreuzfahrten und Coronavirus

Mini-Risiko und Maxi-Hygiene!
Umrouten ist Schlagwort der Stunde

Print-Ausgabe 28. Februar 2020

„Zu übermäßiger Sorge sehe ich keinen Anlass“, versichert Helge Grammerstorf von der CLIA

Laut CLIA wird die Situation von der Kreuzfahrt-Industrie „sehr ernst“ genommen, die Risiken sind aber „überschaubar“ –DACH-Region bucht nur minimal Asien-Trips

Umrouten ist jenes Thema, das die Kreuzfahrtbranche derzeit am intensivsten beschäftigt. Ursache ist das Coronavirus (Sars-CoV-2 oder Covid-19). Während die in Tokio vor Anker liegende „Diamond Princess“ aufgrund der Quarantäne (über 600 infizierte bei 3.711 Passagieren sowie Besatzung) für Schlagzeilen sorgt, werden sämtliche ursprünglich nach China, Hongkong oder Singapur führende Kreuzfahrten in andere Regionen umgeleitet. Dies sei, so Helge Grammerstorf, Deutschland-Direktor der CLIA (Cruise Lines International Association), „eine Sicherheitsmaß­nahme. Wir nehmen die Situation sehr ernst, aber zu übermäßiger Sorge sehe ich keinen Anlass.“ Dem pflichtet Mike Ryan, Exekutivdirektor des Gesundheitsnotfallprogramms der WHO (World Health Organisation) bei: „Es sind überschaubare Risiken. Die überwiegende Mehrheit der Fälle tritt innerhalb Chinas auf.“ Die CLIA arbeitet traditionell eng mit der WHO und anderen Aufsichtsbehörden zusammen.

Zu Maßnahmen gehört, dass Reedereien Buchungen von Personen stornieren, die in den letzten zwei Wochen das chinesische Festland und/oder Hongkong bzw. Macau besucht haben. Auf China entfallen mehr als 97 Prozent aller Covid-19-Infektionen (ein Drittel ist bereits wieder geheilt). Oft erfolgt zudem ein Pre-Boarding-Screening für alle Gäste. Ebenso wurden die Hygienestandards weltweit noch einmal deutlich verschärft: „Wer an Bord kommt oder öffentliche Räume betritt, muss die Hände desinfizieren. Das wird überprüft“, so Helge Grammerstorf. Ebenso werden vielfrequentierte Flächen, wie Fahrstuhlknöpfe, Handläufe oder auch die Reling, noch häufiger als bisher desinfiziert. „Die Sicherheit und die Gesundheit der Passagiere und der Crew hat für die CLIA und die Kreuzfahrt-­Reedereien immer oberste Priorität“, betont Grammerstorf, der davon ausgeht, dass „zum gegenwärtigen Zeitpunkt alle notwendigen Vorkehrungen getroffen“ wurden.

Das Umrouten hält die Reedereien zwar in Atem, speziell für die deutschsprachigen Quellmärkte sind die Auswirkungen aber minimal: Die asiatischen Fahrtgebiete hatten für Gäste aus der DACH-­Region von Jänner bis September 2019 nur einen Anteil von 2,4 Prozent. 34 Prozent der DACH-Buchungen erfolgten im genannten Zeitraum für Fahrten in Nordeuropa, weniger als ein Viertel für das Mittelmeer (23,8 Prozent). An dritter Stelle standen die Kanaren (10,8 Prozent). 

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