Buchungstrends

Zweigeteilte Urlaubsfreuden. Flaute im Osten und Boom im Westen

Print-Ausgabe 12. Februar 2016

Auch die Ferne profitiert vom verstärkten Sicherheitsdenken der Kunden – inkludierte Umbuchungsmöglichkeiten werden zum Match-Winner

Die anhaltende Buchungsflaute in Österreich ist kein Einzelschicksal: In Deutschland lagen die Buchungen im Jänner laut Tats-Reisebürospiegel um 5,3 Prozent unter dem Vorjahr. Hierzulande sieht es laut ÖRV-Präsident Josef Peterleithner nicht ganz so schlimm aus: „Derzeit liegen die Buchungseingänge noch etwas hinter dem Vorjahr“, wobei Peterleithner dafür vor allem die „mediale Berichterstattung über Ägypten, Tunesien, die Türkei bzw. zuletzt über den Zika-Virus“ verantwortlich macht. Insgesamt sei „die Urlaubsbereitschaft unverändert hoch, was auch die stark genützen Frühbucherangebote zeigen.“ Peterleithner ist optimistisch, dass die Buchungsnachfrage in den nächsten Wochen steigen wird. Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da, wie eine T.A.I.-Umfrage ergab.

TUI Österreich liegt „insgesamt leicht hinter Vorjahr, bei einigen Zielen aber klar besser als im Sommer 2015“, so Unternehmenssprecherin Kathrin Limpel. Die Buchungskurve ging in den vergangenen Wochen nach oben, „vor allem Frühbucherangebote werden speziell von Familien sehr gut genützt.“ Antalya liege trotz Buchungszurückhaltung auf Platz 1 unter den Mittelstrecken-Zielen, dahinter folgen Mallorca und Kreta. Die höchsten Zuwächse haben aktuell Lanzarote, Korfu und Italien. In der Ferne führen die USA vor Thailand und den Malediven, die stärksten Zuwächse hat dabei Mauritius, gefolgt von Tansania und Indonesien.

Bei Neckermann/Thomas Cook sind die Buchungen „sehr uneinheitlich und von den Destinationen abhängig“, beschreibt CEO Ioannis Afukatudis die Situation. „Je nach Sicherheit, politischer Lage und Flüchtlingsthematik hat sich die Nachfrage nach Urlaub erstmal insgesamt relativiert.“ Starke Nachfrage herrsche nach Spanien, besonders die Balearen und Kanaren, aber auch das Festland werde „sehr gut gebucht. Aus dem Grund bauen wir die Flug- und Hotelkapazitäten dort auf.“ Bulgarien stehe als Alternative für Tunesien und Türkei hoch in der Gunst der Familien. In Richtung Ferne zählt neben den USA auch die Karibik zu den Gewinnern.

Bei Dertour Austria sind laut Geschäftsführer Gerhard Begher die Fernreisen „absolut gut gefragt“ (Südafrika, Indischer Ozean mit Sri Lanka), ebenso das westliche Mittelmeer. Die USA stehen auf der sommerlichen Hitliste ebenfalls ganz oben, ebenso Urlaube in Österreich und Deutschland. Begher: „Für die Türkei, Tunesien, Ägypten und Griechenland stellen wir bei den Kunden zwar Interesse, aber noch eine Buchungszurückhaltung fest.“

Bei ITS Billa/Jahn Reisen ist die Lage variierend. Nach einem „fulminanten Buchungsstart im Herbst ist die Situation seit Mitte November deutlich verhaltener“, meint Geschäftsführer Martin Fast. Bei den Zielen im östlichen Mittelmeer werde noch zugewartet, selbst Frühbucherangebote werden dort weniger genutzt. Fast: „Wir gehen davon aus, dass sich die Situation nach Ostern positiv verändern wird.“ Destinationen im westlichen Mittelmeer, Fernreisen (Kuba, Mauritius und Sri Lanka) sowie Autoreisen erfreuen sich bei ITS Billa/Jahn bereits jetzt gesteigerter Beliebtheit: „Die Frühbucherangebote werden hier voll ausgenützt.“ Zu den Gewinnern gehören Spanien, Portugal, Bulgarien, Kroatien und Italien. Darüber hinaus steht mit Florida im Sommer bei ITS Billa ein neues Fernreiseziel im Programm. Fast: „In diese Destination setzen wir hohe Erwartungen.“

Zufrieden zeigt sich Alexander Gessl, Geschäftsführer von FTI Österreich: „Wir sind einstellig im Plus.“ Das Frühbuchergeschäft laufe „ganz gut, wobei es bedingt durch die weltweite Situation noch etwas Zurückhaltung speziell für Juli und August“ gibt. Der Trend gehe Richtung Spanien mit Kanaren, Portugal, Italien mit Sardinien und Sizilien sowie Kroatien, jedoch „Griechenland muss und wird noch aufholen.“ Wie überall leiden die Türkei und Ägypten, aber das wird sich laut Gessl „in den nächsten Wochen sicher noch ins Positive drehen.“ Die Fernstrecke laufe generell sehr gut, Nordamerika liege auf Vorjahresniveau „mit Tendenz nach oben.“

Soweit die Veranstalter. Am „point of sales“ sieht man die Lage laut sabtours-Bereichsmanager Reisen Markus Bürger „etwas verhalten“, wobei die Buchungen bis Mitte Jänner „durchwachsen“ waren, in den letzten zwei Jänner Wochen gab es sogar starke Rückgänge. „Die diversen Frühbucherangebote werden nur bedingt genützt, die Kunden warten zu und es entwickelt sich eher zu einem kurzfristigen Geschäft.“

Bei GEO Reisen lag man im Jänner knapp auf dem hohen Vorjahresniveau. „Gegen die verhaltene Buchungslaune mussten wir durch verstärktes Marketing ankämpfen“, so Geschäftsführer Patrik Weitzer. „Wir vermuten auf Grund der eingeschränkten Zielgebiete – arabische Ziele werden mit einem Drittel Rückgang derzeit gemieden – ein starkes Frühbucherjahr mit den Gewinnern Spanien, Griechenland und Italien.“

Von Österreichs größtem Retailer, Verkehrsbüro Ruefa, werden keine Zahlen genannt, aber „das Sicherheitsdenken der Österreicher hat sich definitiv verstärkt“, umschreibt Konzernsprecherin Birgit Reitbauer die Situation. Es gebe „viele Anfragen“, mehr Leute informieren sich, wo sicherer Urlaub gemacht werden kann (diesbezüglich punkten Spanien, aber auch Italien, Kroatien, Portugal sowie Österreich sowie Deutschland). Kräftige Rückgänge gibt es in Ägypten, der Türkei (schon im Vorjahr minus 12 Prozent) und Tunesien. Zuwächse verzeichnet man in Bulgarien (Alternative zur Türkei). Genau erkundet wird auch, welche Veranstalter bereits bei der Buchung eine Umbuchungsmöglichkeit inkludieren. 

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Erstellt am: 12. Februar 2016

Reiseziele in Nordamerika erfreuen sich aktuell steigender Beliebtheit - © T.A.I. / Reichkendler

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