Diners Club Austria

Aufbruchsstimmung im Schnellboot unter den „Travel Account-Dampfern“

Print-Ausgabe 20. Mai 2015

Karl Kainzner, Vorstand der DC Bank AG

Im Firmenkunden-Bereich sieht sich Diners Club Austria (DC Bank AG) auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern, punktuell geht man sogar von dem einen oder anderen Vorteil aus

Die zurückliegenden dreieinhalb Jahre waren für Diners Club Austria überaus spannend. Zunächst die Trennung von AirPlus, dann die Übernahme der Aktivitäten für Diners Club in Deutschland und zuletzt im vergangenen Herbst die Eingliederung als Tochterunternehmen von card complete. Im Gespräch mit T.A.I. zog Karl Kainzner, Vorstand der DC Bank AG, eine erfreuliche Bilanz über das bisher Erreichte.

T.A.I.: Als im September 2015 Diners Club Austria zur Tochter von card complete wurde, war von Synergien im Firmengeschäft die Rede. Beide Unternehmen zusammen bringen es auf rund 1,5 Mio. Karteninhaber. Wie sieht es mit den Synergien in der Realität aus?

Karl Kainzner: „Gerade im Firmenkundengeschäft sehen wir mit dem Diners Club Travel Account und der Wahlmöglichkeit von Diners Club und Visa Karten eine hervorragende Synergie. Unsere Kunden bekommen somit alles aus einer Hand. Wir freuen uns auch bereits über namhafte Neukunden im Bereich österreichischer und deutscher Unternehmen, die ihre Geschäftsausgaben wie Reisekosten, Flugkosten, Hotelausgaben, Essenseinladungen, Mietwagen, Tagungen, usw. über unsere Produkte abrechnen.“

T.A.I.: Kommt Ihnen bei den Corporate Cards die Übergangsregelung der EU-Verordnung bzgl. Deckelung der Kreditkartengebühren entgegen, von denen „Drei-Parteien-Systeme“, wie American Express und Diners, für drei Jahre ausgenommen sind?

Kainzner: „Das Geschäft mit Firmenkarten ist ja generell von der Regulierung ausgenommen. Hier ist die Ausgangsposition für alle gleich. Im Geschäft mit Privatkunden sehen wir keinen wesentlichen Vorteil, da auch hier der Markt die Preise vorgibt. Obwohl wir hier mit erheblichen Ertragsausfällen zu rechnen haben, sehe ich auch die Chancen für Diners Club. Im Bereich der Akzeptanz etwa gibt es kein rationales Argument mehr, Diners Club abzulehnen. Und wir wären nicht Diners Club, wenn wir nicht den Anspruch an uns stellen würden, trotzdem unser bekanntes Leistungsspektrum aufrecht zu erhalten. Das bedeutet beispielsweise eine geänderte Preispolitik. Aber insbesondere die weltweit mehr als 600 Diners Club Airport Lounges haben in der jüngeren Vergangenheit an Attraktivität für die Reisenden gewonnen.“

T.A.I.: Wie sieht es mit den Diners Club Tools für Business-Kunden aus?

Kainzner: „Gerade in diesem Be-reich haben wir Zeit und Geld investiert. Selbstverständlich stellen wir unseren Diners Club Firmenkunden ihre Umsatz- und Zusatzdaten Online im Diners Club E-Konto und auf Wunsch auch auf Papier zur Verfügung. Das sehr flexible Diners Club E-Konto kann sich jeder Kunde sehr individuell selbst gestalten. Wichtiges kann sich der Nutzer beispielsweise bereits auf der Einstiegsseite anzeigen lassen. Weiters bieten wir auch das Analysetool „Diners Club Global Vision“ mit noch mehr Möglichkeiten, speziell für international agierende Unternehmen. Aus meiner Sicht spielen wir in jedem Fall auf Augenhöhe, vielleicht in einzelnen Punkten sogar besser.“

Es ist immer gut, wenn ein Markt mehrere Anbieter hat

T.A.I.: Wo liegt bei Ihrer Akquisition der Schwerpunkt?

Kainzner: „Unser Fokus liegt in Österreich und Deutschland ganz klar auf KMUs. Wir sehen uns als das Schnellboot unter den Dampfern im Travel Account Business und wir freuen uns auch schon über die ersten Großkunden die Diners Club als Partner gewählt haben. Es ist immer gut, wenn ein Markt mehrere Anbieter hat.“

T.A.I.: Seit zwei Jahren zeichnet Diners Club Austria auch für die Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Wie läuft es dort?

Kainzner: „Wir sind gut aufgenommen worden und vor allem im Firmenkundengeschäft gut gelandet. Wir wollen aber keine schnellen Schüsse. Im Privatkundengeschäft starten wir in Kürze ein Co-Branding mit der Golf-Fee Card GmbH. In Deutschland gibt es über 700 Golfclubs und rund 640.000 Golfer. Die Golf-Fee Card bietet für sie Ermäßigungen bis zu 50 Prozent auf mehr als 2.500 Golfplätzen weltweit sowie Reduktionen in etwa 6.000 Golfresorts, mit Schwerpunkt Schweiz, Österreich und Italien.“

T.A.I.: Wie sieht es mit dem Breakeven aus?

Kainzner: „Wir verdienen in Deutschland schon Geld.“

T.A.I. Gibt es aus Ihrer Wahrnehmung heraus Unterschiede zwischen Unternehmen in Österreich und Deutschland?

Kainzner: „Ja, die gibt es zum Teil. Vor allem die deutsche Gründlichkeit bestätigt sich immer wieder. So wird auf den Kartenverträgen von deutschen Firmen jede Zeile ausgefüllt. Ansonsten zählen wie überall Preis, Leistung etc. Deutsche Firmen kommen auf uns zu, weil sie gehört haben, dass es einen neuen Spieler gibt. Darunter sind viele KMU mit einigen Millionen Jahresumsatz, die immer geglaubt haben, für die großen Travel Account-Anbieter zu klein zu sein. Und alle sind sehr offen.“ 

Die DC Bank AG in Stichworten

Als Tochter der card complete (Hälfte-Eigentümerin ist die Bank Austria, je rund ein Viertel halten Raiffeisen und die AVZ-Stiftung) wickelt die DC Bank AG mit 64 MitarbeiterInnen einen Kreditkartenumsatz von rund 1,1 Mrd. Euro ab. Neben Österreich (rund 205.000 ausgegebene Diners Club-Karten, darunter 11.500 Corporate Cards), Polen, Tschechien und der Slowakei trägt sie auch die Verantwortung für Diners Club Deutschland, inklusive des Firmengeschäftes. In Österreich gibt es 101.300 Diners Club Akzeptanzstellen.

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Erstellt am: 20. Mai 2016

Foto: Karl Kainzner, Vorstand der DC Bank AG

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