Standpunkt

Wachstum bis zum Exzess

Mit viel Getöse hat er begonnen, mit ebenso viel Getöse wird er wohl enden: der Welt-Klimagipfel in Paris. Mit ihm wollen Politiker aus aller Welt ein deutliches Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel setzen.

Mit Verlaub: es ist vergebene Liebesmüh. Obama, Xi, Merkel & Co könnten sich ebenso gut auf den Kampf gegen die Ausdehnung des Universums einschwören. Denn der Klimawandel gehorcht nicht der Politik, sondern eigenen Gesetzmäßigkeiten und die spielen sich im Rahmen von 400.000jährigen Zyklen ab, die derzeit eine Erwärmungs-Spitze vorsehen.
Nicht in diesen Zyklen vorgekommen sind bisher die Zutaten des homo oeconomicus. Seine explodierenden CO2-Emissionen bringen eine außer Rand und Band geratene Komponente ins Spiel, deren Folgen katastrophal sind. Der Welt-Klimagipfel sollte deshalb besser CO2-Gipfel genannt werden.
Doch bezüglich CO2 wird von der Politik – wie nicht anders zu erwarten – gelogen, dass die Balken krachen und jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen. Alle auf China, weil es der weltweit mit Abstand größte CO2-Emmitent ist. Alle auf die USA, weil die zu den größten CO2-Produzenten pro Kopf gehören. Die Entwicklungsländer zeigen auf die OECD, weil sie Chancengleichheit fordern. Und Europa sagt, dass es ohnehin viel tut.
Eines wird jedoch bei all diesen Diskussionen unter den Tisch fallen gelassen: dass bereits der einzelne Mensch alleine durch sein Ein- und Ausatmen ein starker CO2-Produzent ist: 1 kg CO2 sind’s pro Tag. Das ist so viel, wie ein PKW auf der Strecke Bratislava-Bregenz an CO2-Emmissionen hinterlässt. Hochgerechnet auf Österreich wären das 8,5 Millionen PKW auf dieser Strecke. Pro Tag.
Bleiben wir beim Atem: Die 2 Milliarden zusätzlichen Menschen, um die seit 1990 bis heute die Weltbevölkerung angewachsen ist, produzieren pro Jahr alleine durch ihr Ausatmen mehr CO2, als die gesamte Weltluftfahrt 2014!
Damit sind wir beim Kern des Problems: bis 2050 wird die Weltbevölkerung um weitere 2,5 Milliarden Menschen anwachsen. Und sie wird sich nicht nur aufs Atmen beschränken.
Wachstum ist gleichzeitig aber das Credo unseres Denkens: Wirtschaftswachstum, Gewinnwachstum, Arbeitsplatzwachstum (wenn´s sein muss durch Schuldenwachstum) und Bevölkerungswachstum. Wer letzteres nicht aus eigener Kraft schafft, behilft sich mit Zuzug.
Dies ist das eigentliche Dilemma: es gibt keine allgemein anerkannten Wirtschaftsmodelle, die auf anderen Werten fußen. Doch solange diese nicht entwickelt und zum Allgemeingut werden, wird der Kampf gegen weiter ausufernde CO2-Orgien vergebens sein. Daran werden auch die vielen Versprechungen nichts ändern, die wir Ende kommender Woche aus Paris vernehmen werden, bedauert keine bessere Botschaft überbringen zu können der

LUPO

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Erstellt am: 04. Dezember 2015

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