Standpunkt

Spohrs Meisterstück

Print-Ausgabe 25. August 2017

Airline-Pleiten gab es bisher viele. Aber keine, die dermaßen gut orchestriert und vorbereitet war, wie jene der Airberlin. Ohne weiteres Aufheben fliegt der insolvente Carrier weiter, ausgestattet mit einem 150 Mio. Euro Polster der Bundesrepublik, während im Hintergrund die Verhandlungen über die Verwertung wesentlicher Unternehmensteile an zumindest drei Kaufinteressenten geführt werden. Noch im September soll das meiste unter Dach und Fach sein. Ein perfekt durchgeführtes „forced landing“.

Der Mann, der dies ermöglicht heißt Carsten Spohr, seines Zeichens CEO des Lufthansa-Konzerns. Er bewies bereits mehrfach Management-Geschick, Durchsetzungskraft und Gespür für richtige Maßnahmen zur richtigen Zeit. So zog Spohr 2011 kurz nach seinem Amtsantritt als Passage-Chef im Kranich-Vorstand die Notbremse bei Lufthansa Italia. Wenige Monate später verschrieb er Lufthansa das 1,5 Mrd. Euro schwere Sanierungsprogramm „Score“, das binnen vier Jahren zu einer Verdreifachung des operativen Ergebnisses auf 2,19 Mrd. Euro führte. Frisch im CEO Sessel, fackelte Spohr 2014 nicht lange herum, um die ein Jahr davor mit großem Aufwand zum Low Cost-Carrier umgewandelte Germanwings ohne weiteres Federlesen ins Ausgedinge zu schicken und durch die noch günstigere Eurowings zu ersetzen.

Und jetzt Airberlin. Deren Unrettbarkeit war seit langem klar, dem Geldgeber Etihad offensichtlich erst seit einem Jahr. Da trat Spohr auf den Plan, schuf für Etihad die Möglichkeit zum schmerzhaft teuren, aber eleganten Rückzug im ureigensten Interesse für Lufthansa, ausgestattet mit der Rückendeckung durch die deutsche Bundeskanzlerin. Denn Angela Merkel kann in einem Wahljahr noch weniger als sonst eine Milliarden-Airline Pleite brauchen, die deutsche Wirtschaft sowieso nicht, und Lufthansa eine unkontrollierte Insolvenz des stärksten Widersachers im Heimatmarkt, mit Ryanair und easyJet als drohende Nutznießer, noch viel weniger. Seit März saß nun der Spohr-Vertraute und Ex- bzw. bald-wieder-Luftfhanseat Thomas Winkelmann im Airberlin Cockpit, um das „forced landing“ vorzubereiten. Alles läuft nach Plan: vier Wochen vor den Bundestagswahlen Zug an der Reißleine, kurz vor dem Wahltag wahrscheinlich erste Vollzugsmeldungen, mit Lufthansa, TUIfly und Condor als Retter größerer Unternehmensteile inklusive NIKI. easyJet darf ein bisschen mitspielen. Österreichs Bundesregierung auch, schließlich sind auch hierzulande bald Wahlen.

Wer all dies als abgekartetes Spiel, als Hohn wider das Kartellrecht brandmarkt, hat so unrecht nicht. Doch sollte man sich vor Augen halten, was als Alternative zu Spohrs Meisterstück ins Haus gestanden wäre: eine Airline Pleite in Milliarden-Dimension, die nicht nur Deutschlands und Österreichs, sondern auch Europas Luftfahrt tief erschüttert hätte, gibt zu bedenken der

Lupo

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Erstellt am: 25. August 2017

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