Standpunkt

„Plan T“ und „Snomax“

Print-Ausgabe 24. August 2018

Schnee-Diskussionen im Hochsommer sind eher selten. Sie könnten gar als „Sommerloch“-Schlagzeilen abgetan werden. Diesmal hatten sie allerdings einen handfesten Grund: das Landesverwaltungsgericht Tirol hat einer Beschwerde der Seefelder Bergbahnen stattgegeben, die einen negativen Bescheid der Wasserrechtsbehörde bezüglich Verwendung des Zusatzstoffes „Snomax“ für die Kunstschneeerzeugung bekämpften.

Bei dem Zusatz handelt es sich um abgetötete eisbildende Bakterien, die Proteine mit dem Namen „Pseudomonas syringae“ erzeugen und bereits bei knapp unter null Grad sowie leichten Plusgraden Eisbildung in Wassertropfen auslösen. „Snomax“ ist seit Ende der 1990er Jahre am Markt und kommt u.a. in den USA sowie einigen Schweizer Kantonen zum Einsatz. In Österreich war „Snomax“, ebenso wie in Deutschland, bisher verboten. Die Entscheidung des LVwG sorgte nicht nur für eine heftige Reaktion der Politik (Tirols Landeshauptmann Platter droht „Snomax“-Verwendern mit der Streichung von Fördermitteln und lässt gesetzliche Möglichkeiten zur Erhaltung des „Reinheitsgebotes“ auf Tiroler Pisten prüfen), sondern auch von den Seilbahnen. Und das in einer Schärfe und Deutlichkeit, die kaum zu übertreffen war: Für Österreichs Seilbahn-Obmann Franz Hörl wurde „eine rote Linie überschritten. Die Botschaft eines solchen Urteils ist verheerend, der drohende Schaden für den Wintertourismus massiv.“

Über „Snowmax“ kann man geteilter Meinung sein. Die Diskussion darüber hat aber einen nicht unerheblichen Nebenaspekt, der ein wichtiges Grundsatz-Thema betrifft: wie will sich Österreichs Tourismus künftig positionieren? Die Antworten darauf liefern die bereits in den zurückliegenden Jahren gesetzten Maßnahmen und lauten: mit Qualität, Nachhaltigkeit und stark ökologisch ausgerichteten Konzepten.
Auf der ITB 2018 gab Tourismus- und Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger den Startschuss für die Erarbeitung eines „Plan T - Masterplan für Tourismus“. Als Eckpfeiler nannte sie u.a. die intensivere Verzahnung von Tourismus, Landwirtschaft und Kulinarik, den Bereich Finanzierung und Investitionen sowie den Fokus auf Wertschöpfung.

Als weiterer Eckpfeiler sollte umgehend die Erhaltung des „Reinheitsgebotes“ in „Plan T“ getrieben werden, nicht nur auf Tirols Pisten, sondern bundesweit. „Wenn schon die Gerichte hier keine Sensibilität haben, dann ist die Politik am Zug“, fordert Seilbahn-Obmann Hörl.

An Beschneiung kommt kein Skigebiet mehr vorbei. Sie wird angesichts ihres Energiebedarfs ohnehin schon scheel genug betrachtet. Die Botschaft „Unser Schnee besteht zu 100 Prozent aus Wasser und kalter Luft“ umhüllt sie zumindest mit einem grünen Mäntelchen. Dies durch Zusatzstoffe à la „Snomax“ zu zerstören, wäre ein Schritt in die falsche Richtung. In „Plan T“ sollte das entsprechend festgehalten werden, legt dringend nahe der

Lupo

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Erstellt am: 24. August 2018

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