Standpunkt

Eiszeit in der Wüste

Print-Ausgabe 16. Juni 2017

Sie galten lange Zeit als die Überflieger der internationalen Luftfahrt und lehrten die etablierten Riesen das Fürchten, die vielfach zu politischer Intervention sowie behördlichen Schikanen Zuflucht suchten: die drei großen Golf-Carrier Emirates, Qatar Airways und Etihad.

Doch Bäume wachsen bekanntlich nicht unbegrenzt in den Himmel. Auch nicht in der Golf Region. Die drei stehen plötzlich unter enormen Druck, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Das Laptop-Verbot der Administration Trump (es hat die Nachfrage nach USA-Flügen der Golf Carrier um ein Drittel schrumpfen lassen) sowie der tief gesunkene Ölpreis mit den daraus resultierenden wirtschaftlichen Herausforderungen der Region sind nur zwei davon. Überkapazitäten ein weiterer.

Die mit Abstand größte der drei Airlines, Emirates, konnte im Geschäftsjahr 2016/2017 bei der Umsatzentwicklung neuerlich nur eine Seitwärtsbewegung verzeichnen, der operative Gewinn knickte um 70,8 Prozent ein. Das Passagier-Wachstum war mit 8,1 Prozent nur einstellig.

Qatar Airways konnte zwar vom Umsatz her knapp zweistellig zulegen, angesichts des doppelt so hohen Passagierwachstums war dies aber enttäuschend. Ihr Operativer Gewinn brach um 30 Prozent ein.
Etihad, die jüngste und kleinste des Trios, veröffentlichte bislang – anders als in den Vorjahren – keine Ergebnisse. Lediglich ein Passagierplus von 6 Prozent wurde kommuniziert. Die Umsatzrendite war aber bereits im Vorjahr rückläufig. Sie wird sich nicht verbessert haben. Im Gegenteil: Die dramatisch negative Entwicklung ihrer Europa-Beteiligungen, Airberlin und Alitalia, verschärfen die Situation. Damit nicht genug, zieht sich die Suche nach einem neuen CEO und CFO. Etihad ist aktuell – um einen Vergleich aus dem Boxsport zu bemühen – stehend angezählt.

Jetzt taucht mit der jüngsten Zuspitzung der politischen Situation zusätzliches Ungemach auf. Der lange Zeit unter der Oberfläche schwelende Konflikt zwischen Saudi Arabien, den V.A.E., Ägypten und Bahrain auf der einen, Katar auf der anderen Seite hängt wie ein hochexplosives Damoklesschwert über der Region. Verfolgt man die internationale Berichterstattung, kann einem nur angst und bange werden. Die USA auf der einen, Russland, die Türkei und der Iran auf der anderen Seite sind allesamt direkt involviert.

Wann, ob und wie sich die angespannte Lage am Golf beruhigt, steht in den Sternen. Ebenso, wie die drei großen Carrier der Region die vielfachen Herausforderungen meistern. Sie stehen nicht am Ende ihres einzigartigen Höhenfluges, der die Welt der Luftfahrt und des Reisens tiefgreifend verändert hat, aber an einer überaus heiklen Weggabelung. Die nächsten Schritte zählen damit zu den entscheidendsten ihrer bisherigen Geschichte, sieht ihnen mit Spannung entgegen der 

Lupo

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Erstellt am: 16. Juni 2017

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