Standpunkt

Doppelter Klimawandel

Print-Ausgabe 21. September 2018

Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht. Diese Volksweisheit wird in den kommenden zweieinhalb Wochen um ein kurioses Beispiel angereichert.

So wird Nachhaltigkeits- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger Ende September das Konzept für ihren heuer auf der ITB in Berlin angekündigten „Plan T – Masterplan für Tourismus“ präsentieren. Der wird dem Vernehmen nach 20 Maßnahmen umfassen, zu deren konkreter Ausarbeitung in den kommenden Monaten alle wesentlichen Stakeholder miteinbezogen werden. Die Schwerpunkte liegen, soviel sickerte bereits durch, auf Digitalisierung, Vernetzung von Landwirtschaft und Tourismus sowie auf Nachhaltigkeit.

Letztere zieht sich generell wie ein roter Faden durch die Tourismuspolitik von Ministerin Köstinger. Die Anpassung an den Klimawandel spiele dabei eine wichtige Rolle, betonte sie heuer gegenüber dem Budgetausschuss des Nationalrates. Wo sie die Hebel ansetzen will, wird Elisabeth Köstinger wie erwähnt Ende September bei der Präsentation von „Plan T“ bekannt geben.

Wenig später, Anfang Oktober, steht dann eine Enquete unter dem Titel „Wohin geht die Reise? Tourismus und Klimawandel“ auf dem Programm. Zu dieser lädt … nein … nicht das Nachhaltigkeits- und Tourismusministerium, sondern der SPÖ-Parlamentsklub. Also die Opposition. Zufall?

Als Hauptreferent für die Enquete konnte Wirtschaftsgeograph Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximilians-Universität München gewonnen werden, demzufolge der Tourismus für circa 5 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich ist und somit den Klimawandel mit vorantreibt.

Die Keynote wird SPÖ-Tourismussprecher Max Unterrainer halten. Unterrainer ortet laut Parlamentskorrespondenz „viele offene Baustellen in Freizeitwirtschaft und Tourismus“, denen „neben vielen anderen Dingen auch der Klimawandel Kopfzerbrechen“ bereitet.

Ende September kommt es also zur Präsentation von „Plan T“ durch die amtierende VP-Ministerin mit Klimawandel und Nachhaltigkeit als Schwerpunktthemen, Anfang Oktober folgt eine Enquete der SPÖ über „Tourismus und Klimawandel“. Wie „Plan T“ dabei wegkommen wird, kann schon im Vorfeld erahnt werden. Hund und Katz sind sich nicht nur hierzulande erheblich freundschaftlicher gesinnt, als Regierung und Opposition.

Aus Sicht des Tourismus ist der terminliche „Zufall“ durchaus auch positiv zu sehen: beides wird für entsprechenden medialen, zum Teil auch kritischen Widerhall sorgen, der Branche mitsamt ihren Anliegen vor allem aber einen erhöhten Aufmerksamkeitsgrad verschaffen. Sehen wir also „Plan T“ und jener Enquete, die ihn höchstwahrscheinlich zerpflücken wird, mit Interesse entgegen. Für reichlich Diskussionsstoff ist dadurch gesorgt. Es soll schon unerfreulichere Zufälle gegeben haben, meint

Lupo

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Erstellt am: 21. September 2018

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