Standpunkt

Der Tourist als kluges Wesen

Print-Ausgabe 29. Juli 2016

Das Menschenrecht des Reisens. Unter diesem Titel erschien vor wenigen Tagen ein bemerkenswerter Kommentar in der „FAZ“. Angesichts der immer irrer werdenden Geschehnisse rund um den Globus, die nun auch mitten ins Herz des europäischen Kontinents treffen, gibt er einen Anhaltspunkt für jene Branche, deren Wohlergehen wie in kaum einer anderen vom friedlichen Miteinander abhängig ist.

Den Tourismus als Friedensstifter anzusehen, das war – so Jakob Strobel y Serra, seines Zeichens stellvertretender Leiter des FAZ-Feuilletons, in seinem Kommentar – eine große Illusion. Doch „zum Glück ist der Mensch als Tourist ein kluges Wesen“, lautet Strobels Kernaussage. Das habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen: „Er behält in Zeiten des globalen Terrors kühlen Kopf, bleibt im Tollhaus des Hasses bei Vernunft und beantwortet die Frage, ob man in unserer scheinbar apokalyptischen Welt überhaupt noch reisen könne, auf die überzeugendste Art und Weise: Er tut es einfach.“

Und wie! Laut World Tourism Barometer der UNWTO waren im Vorjahr 1,184 Milliarden Menschen auf Auslandsreisen unterwegs. Das sind um 4,4 Prozent oder rund 50 Millionen mehr als noch 2014 – so viele internationale Touristen, wie das ganze Jahr über in Italien Urlaub machen, der fünftgrößten Destination der Welt. Insgesamt hat sich die Zahl der weltweiten Reisen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 und den nachfolgenden Dauerkrisen nahezu verdoppelt. Für heuer geht die UNWTO davon aus, dass der Rekord abermals gebrochen wird, mit rund 1,231 Milliarden internationalen Ankünften. Noch ein Italien mehr.

Den stark geprüften Destinationen im östlichen Mittelmeer wird das nur ein geringer Trost sein. Ebenso den Hoteliers, Touristikern, Airlinern und allen, die vor Ort und in den Quellmärkten direkt und indirekt von den Gästeströmen abhängen. Ihnen allen entsteht dadurch ein zum Teil massiver Schaden.

Doch das Reisen wird, wie Jakob Strobel y Serra in seinem Kommentar als allseits bekannte Tatsache festhält, „längst als ein universales Menschenrecht betrachtet“, eines „das man sich von keinem Terroristen nehmen lässt.“

Die Gewalt bringt Reiseströme nicht zum Versiegen. Im Gegenteil: das Fernweh ist tief im Menschen verankert und wird es immer bleiben. Das ist mehr als ein Trost in einer von Blut, Terror und Tragödien geprägten Zeit. Es ist eine Botschaft, die nicht nur Hoffnung gibt, sondern auch Ansporn für alle, weiter aktiv an deren positiver Umsetzung mitwirken zu dürfen, kann den Ausführungen von Jakob Strobel y Serra voll und ganz zustimmen der

Lupo

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Erstellt am: 29. Juli 2016

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