Rottenbergs Roadbook

Schneeloser Vorreiter

Print-Ausgabe 17. Juli 2016

Ok, ich habe es vergeigt. Aber ich kann nix dafür: Der Winter ist halt nicht mehr, was er wahr. Darum wird aus meinem Plan einer Lawinenübung auf der Hohe-Wand-Wiese nix: Wien ist keine Ski-Stadt. Nicht mehr.

Warum ich das im Sommer schreibe? Weil es jetzt offiziell wurde: Der Skibetrieb auf der Hohe-Wand-Wiese ist Vergangenheit. Dass die Anlage in den letzten Jahren kaum lief, ändert an einem Punkt nichts: Ein Kapitel Stadtgeschichte endet.

Auch wenn die Tiroler über die Hohe-Wand-Wiese lachen: Sie machte Wien zur offiziellen „FIS-Stadt“. Und die Bundeshauptstadt schrieb Skigeschichte: 1967 fand der erste Parallelslalom der Welt statt. In Wien! Kein PR-Act: Man fuhr regelmäßig. 1969 schrieb der „Kurier“: „10.000 Begeisterte harrten bis 22.30 Uhr aus: Der Parallelslalom fesselte.“

1986 war Weltcup. Mit Stenmark, Girardelli & Co – und Flutlicht. In den Geschichtsbüchern steht zwar, dass der erste Flutlicht-Slalom 1996 in Sestriere stattfand, aber das ist falsch: Weltpremiere war 1986 in Wien. Das ist vorbei und vergessen: Die Hohe-Wand ist kein Teil des Ski-Bewusstseins der Ski-Nation. Obwohl sogar Karl Schranz hier fuhr.

Ich schaffte das nie: Schneemangel. Der brachte nun auch das „Aus“: Schnee, der nicht mehr fällt wie früher. Deshalb rüstet Wien um. Von Brettern auf Räder. Aus Ski- werden Mountainbike-Pisten.

Ja eh: Wien ist weder Kitzbühel noch Schladming. Doch Wiens Offenbarungseid steht „echten“ Skigebieten noch bevor. Auch wenn es dort noch keiner wahrhaben will: Der Klimawandel ist angekommen.

Thomas Rottenberg
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Erstellt am: 17. Juni 2016

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